Ansätze für Schweizer IT-Freelancer gesunken?

9. September 2010, 14:15
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Die Projektvergaben aus der Banken- und Versicherungsbranche stagnieren. Dennoch gibt es Anzeichen für eine Erholung.

Die Projektvergaben aus der Banken- und Versicherungsbranche stagnieren. Dennoch gibt es Anzeichen für eine Erholung.
Laut einer Marktanalyse des IT-Personalvermittlers Gulp haben sich die Stundenansätze der Schweizer IT-Freelancer seit Juni 2009 um durchschnittlich 3.20 Franken nach unten bewegt. Derzeit, so die Studie, lägen die Honorare in der Schweiz im Schnitt bei 112.40 Franken. Dabei sei die Nachfrage nach externen Spezialisten nicht zurückgegangen, im Gegenteil: Der IT-Projektmarktindex des Personalvermittlers zählte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fast 30 Prozent mehr Angebote an IT-Freelancer als in der ersten Jahreshälfte 2009.
Davon dürften die Schweizer Freelancer nicht viel gespürt haben. Denn in der Finanzbranche, auf die sich fast 60 Prozent der bei Gulp registrierten Freelancer mit Wohnsitz in der Schweiz spezialisiert haben, stagnierte der Anteil an Projektanfragen. Motor der Auftragssteigerung war zum Beispiel die Automobilbranche, die sich von der Krise erholt und ihren Anteil an den von Gulp vermittelten Projekten verfünffacht hat. Doch auch wenn die Schweizer nun pro Stunde etwas weniger verdienen: Im grenzüberschreitenden Vergleich stehen sie noch immer gut da. So verrechnet fast die Hälfte aller Gulp-Freiberufler Ansätze unter 70 Euro (94 Franken). Bei den Schweizern jedoch ist es nur knapp ein Fünftel. Vor Jahresfrist waren es hierzulande sogar noch 5 Prozent weniger, die in dieser tiefen Honorarkategorie lagen.
Bei swissPRM, dem Verband der schweizerischen Projekt Ressourcen Manager, kann man die von Gulp konstatierte Entwicklung allerdings nicht bestätigen. "Wir haben im letzten halben Jahr keine Minderung der Ansätze beobachtet", erklärt Verbandssekretärin Jacqueline Bianchi-Fust auf Anfrage. Carole Jakob vom Aargauer Personalvermittler Rent-A-Person bestätigt jedoch gegenüber inside-it.ch die Erkenntnisse aus der Gulp-Studie: "Die Auftragslage ist zwar stabil geblieben, doch die Honorare sind leicht gesunken." Jakob vermutet, dass die Abnehmer von IT-Dienstleistungen ihrerseits unter Preisdruck stehen und diesen an die Freelancer weitergeben.
Grundsätzlich bewertet Gulp das Dasein als Freischaffender in der Schweizer IT-Branche allerdings immer noch als "sehr lukrativ". Erhole sich der hiesige IT-Projektmarkt weiterhin so stark wie in der ersten Jahreshälfte, dürften auch die Stundenansätze wieder steigen. (Amir Ali)

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