Apache Foundation tritt aus Java-Steuerungsausschuss zurück

10. Dezember 2010, 14:35
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Streit um das Java SE Technology Compatibility Kit.

Streit um das Java SE Technology Compatibility Kit.
Die Apache Foundation ist gestern unter Protest aus dem Exekutivkommitee des für die Weiterentwicklung von Java zuständigen Java Community Processes (JCP) zurückgetreten. Man sei zum Schluss gekommen, dass das Kommitee offensichtlich nicht für die Entwcklung von tatsächlich offenen Spezifikationen für Java einstehen wolle. Die kommerziellen Interessen eines einzelnen Unternehmens, nämlich Oracle, würden somit weiterhin ernsthaft dem eigentlich deklarierten Ziel einer transparenten und offenen Führung des Java-Ökosystemes im Wege stehen.
Der Hintergrund des Apache-Rücktritts ist der Jahre alte Zwist um die Lizenzierungsbedingungen für das "Java SE Technology Compatibility Kit" (TCK beziehunsgweise JCK), mit dem von Dritten stammende Implementationen beziehungsweise "Nachbauten" von Java darauf geprüft werden, ob sie mit den Standards von Java kompatibel sind. Dabei geht es nicht nur um technische Kompatibilität. Stark verkürzt erklärt ist die Sache äusserst wichtig, weil die Lizenzierung eines TCK die Nutzer einer Drittimplementation vor Klagen durch die Inhaber der mit einem Standard verbundenen Patente schützen soll.
Im Falle von Apache geht es dabei um "Harmony", eine auf einer Open-Source-Lizenz basierende Implementation von Java. Schon Sun weigerte sich, Apache dafür die von der Foundation gewünschte offene und vor allem unbeschränkte JCK-Lizenz zu geben. Dies wiederum hätte Sun theoretisch die Möglichkeit gegeben, gerichtlich gegen Entwickler, die Harmony für einen von Sun unerwünschten Zweck verwenden, vorzugehen. Pikanterweise hatte sich auch Oracle der Forderung von Apache nach einer offenen Lizenzierung für das JCK angeschlossen, machte aber nach der Übernahme von Sun einen Rückzieher.
Das Fass zum Überlaufen brachte für Apache nun eine Abstimmung des Kommitees zu den neuen Spezifikationen für Java SE 7 Anfang dieser Woche. Apache hatte die anderen Mitglieder dazu aufgefordert, aus Protest gegen die JCK-Lizenzierungspraxis dagegen zu stimmen. Dem Appell folgten aber nur das Einzelmitglied Tim Peierls – der übrigens mittlerweile ebenfalls aus dem Kommitee zurückgetreten ist – und Google. Google ist Mitte August von Oracle wegen seiner Java-Implementation "Dalvik", die in Android verwendet wird, von Oracle verklagt worden. Einige weitere prominente Mitglieder wie SAP, IBM, Red Hat, Eclipse und Credit Suisse erklärten nach der Abstimmung zwar, sie stünden der aktuellen Lizenzierungspraxis auch kritisch gegenüber, hätten aber für die Spezifikationen gestimmt, um den technischen Fortschritt von Java nicht zu verzögern. (Hans Jörg Maron)

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