Apple-Chef und EU-Kommissarin streiten um Milliardenforderung

1. September 2016, 14:30
  • international
  • apple
  • steuern
image

IT-Riese Apple hat sich laut EU-Kommission im grossen Stil vor Steuern in Europa gedrückt. Für Apple-Chef Tim Cook sind die Berechnungen der Behörde "politischer Dreck".

IT-Riese Apple hat sich laut EU-Kommission im grossen Stil vor Steuern in Europa gedrückt. Für Apple-Chef Tim Cook sind die Berechnungen der Behörde "politischer Dreck". Er warf der EU-Kommission vor, mit der Steuer-Nachforderung von potenziell mehr als 13 Milliarden Euro eine politische Agenda zu verfolgen. Eine Beschuldigung, die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager heute entschieden zurückwies: "Diese Entscheidung stützt sich auf die Fakten des Falls", betonte sie vor Journalisten in Brüssel.
Cook hatte in einem am gleichen Tag veröffentlichten Interview mit der irischen Zeitung 'Independent' die Vermutung geäussert, dass Apple angesichts anti-amerikanischer Stimmungen in Europa gezielt ins Visier genommen worden sei. "Ich bin überzeugt, dass es eine politisch motivierte Entscheidung war. Für sie gibt es keine Grundlage in Fakten oder Recht", sagte er.
Die Kritik Vestagers, Apple habe in Irland im Jahr 2014 eine Körperschaftssteuer von nur 0,005 Prozent bezahlt, bezeichnete der Apple-Chef als "politischen Dreck". "Ich weiss nicht, wo sie diese Zahl herhaben", sagte Cook. Apple habe in dem Jahr 400 Millionen Dollar Steuern in dem Land bezahlt. "Wir glauben, dass wir damit der grösste Steuerzahler in Irland in diesem Jahr waren."
Vestager fordert Transparenz
Cook rief die irische Regierung auf, bei ihrer Kabinettssitzung am Freitag "das Richtige zu tun". Dublin will beschliessen, Berufung gegen die EU-Entscheidung einzulegen. Der Apple-Chef sagte, sein Konzern sei seit 37 Jahren in Irland tätig, "wir haben eine lange Liebesbeziehung".
Vestager erklärte, ihre Behörde habe sich auf Zahlen von Apple selbst gestützt und zum Teil auf Daten aus Anhörungen in den USA. Sie warb für mehr Steuertransparenz. Firmen sollten unter anderem offenlegen, wie viele Beschäftigte sie in einem Land haben, wie viel Umsatz und Profit sie machten und wie viele Steuern sie zahlten. "Damit hätte jede Art von Geheimnis ein Ende." Entsprechende Vorschläge hatte die EU-Kommission im Frühjahr gemacht.
Apple will sich vor Gericht wehren. In Europa stiess das Vorgehen der Kommission auf breite Zustimmung aus nahezu allen politischen Lagern. Vestager sagte, der Ball liege nun bei Apple und Irland. Zur Überprüfung der Entscheidung der Kommission gebe es Gerichte. "Die wollen die Fakten und natürlich müssen wir diese präsentieren", sagte die Kommissarin. (sda/kjo)

Loading

Mehr zum Thema

image

Apple testet offenbar USB-C-Anschlüsse fürs iPhone

Schafft Apple die Lightning-Anschlüsse ab? Einem Bericht zufolge könnten iPhones mit USB-C-Anschluss ab 2023 kommen. Auslöser dafür dürfte die EU sein.

publiziert am 17.5.2022
image

Auch zwei Wochen nach Cyberangriff bleiben Schweizer Sixt-Telefone unerreichbar

Der Autovermieter meldete Anfang Mai, er habe die Sache im Griff. Doch nach wie vor scheinen nicht alle Probleme behoben zu sein.

publiziert am 16.5.2022
image

Vor 25 Jahren: Computer besiegt Schachweltmeister

Der Sieg von Deep Blue über Garri Kasparow bewegte die Welt und machte die technische Überlegenheit von Computern für viele Menschen plötzlich sichtbar.

publiziert am 13.5.2022
image

Malware wird vermehrt über Suchmaschinen verbreitet

Cyberkriminelle platzieren laut einer Studie ihre Malware ganz oben bei Google und Bing. Phishing-Downloads sollen um mehr als das Vierfache zugenommen haben.

publiziert am 13.5.2022