Apple iPhone – der ungebremste Mut zum anders sein

10. Januar 2007, 12:11
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Revolutionär, magisch, sensationell - die Kommentare zu Apples iPhone geizen nicht mit Superlativen. Anders wäre vielleicht das angebrachtere Attribut, besser wird sich erst noch zeigen müssen.

Revolutionär, magisch, sensationell - die Kommentare zu Apples iPhone geizen nicht mit Superlativen. Anders wäre vielleicht das angebrachtere Attribut, besser wird sich erst noch zeigen müssen.
Um die Wirkung von Steve Jobs Ansprache auf der MacWorld Expo in San Francisco auf die anwesenden Besucher zu beschreiben, nutzte Guy Kewney in einem Artikel für den 'Register' eine Passage zum Zauberer Saruman aus Tolkiens Herrn der Ringe: "… woran sie sich aber am besten erinnerten, war die Freude die Stimme sprechen zu hören, alles was sie sagte klang weise und vernünftig und der Wunsch erwuchs in ihnen durch schnelle Zustimmung auch selber weise zu erscheinen." Und in der Tat ist man verleitet sich diesem Trend anzuschliessen, denn mit dem iPhone hat Apple einmal mehr (Design)-Geschichte geschrieben.
Fakten
Das 115x61x11,6 Millimeter grosse und 135 Gramm schwere Gerät besteht nicht nur auf den erste Blick lediglich aus einem WideScreen-Display. Bis auf einen Home-Button kommt es gänzlich ohne Tasten aus. Diese werden alle wenn auf dem 320x480 Pixel messenden Touchscreen eingeblendet. Multimedia ist daher auch die Stärke des iPhones. Das in den USA ab Mitte 2007, in Europa wohl erst zum Weihnachtsgeschäft erhältliche Gerät integriert unter seiner stylischen Oberfläche die Funktionen eines iPods, eines Video und Bildbetrachters, einer 2 Megapixel Digicam, eines Web- und Email-Clients, eines PDAs sowie natürlich eines Mobilephones.
So verwundert es nicht, dass es in Kooperation mit Yahoo einen Push-Email-Accout und zusammen mit Google eine durchaus der PC-Qualität entsprechenden Lösung für Google Maps gibt. Dank GPS wird man darauf sogar bequem den eigenen Standort lokalisieren können. Um all die Software unter- und ans Laufen zubringen bringt Apple zwei Modelle mit vier respektive 8 GB Speicherkapazität und einer abgespeckten Version des Betriebssystems Mac OS X. Schnittstellen zu Bluetooth, WLAN (802.11 b/g) und dem vom iPod bekannten Docking-Port runden die Lösung ab. Das alles ist allerdings nicht ganz billig. Voraussichtlich 599 US-Dollar für die acht GB und 499 US-Dollar für die 4GB Version werden, zusätzlich zu einem Zwei-Jahres-Vertrag bei Apples amerikanischen Exklusivpartner Cingular, fällig, wenn man sich in den USA für das iPhone entscheidet. Europäische Anbieter wurden noch nicht benannt.
Grenzen
Nicht alles am iPhone ist aber High-end. Um die Akkulaufzeit auf nach Herstellerangaben 16 Stunden bei der Musikwiedergabe oder wahlweise fünf Stunden Telefonie zu bringen, arbeite das iPhone lediglich mit den Mobilfunkstandards Quadband-GSM und EDGE. Auf 3G und UMTS wurde zunächst verzichtet. Auch bei der Kameraauflösung bieten andere Handy- und Smartphone-Hersteller inzwischen besseres. Zudem hat Apple für die Nutzung als MP3-Player auf sein bekanntes Steuerrat verzichtet, was, trotz geringerer für Musikfiles zur Verfügung stehenden Speicherkapazität, die Bequemlichkeit Musikauswahl nicht auf das gewohnte Apple-Niveau bringen dürfte. Interessant bleibt auch die Frage, ob das iPhone seinen Namen behalten kann. Cisco hält die Namensrechte an dem Begriff und hatte ein eigenes IP-Telefon unter der Bezeichnung herausgebracht, es scheint aber, als wenn Apple die Rechte an dem Namen für sein Smartphone lizenzieren könnte. Allerdings sei das Abkommen noch nicht unter Dach und Fach, berichten US-Medien.
Ambitionen
Darum, das beste Handy zu bauen, geht es bei all den Gimmicks und Funktionen aber auch gar nicht. Apple hat es geschafft einem im Grunde normalen Smartphone dank seines einzigartigen Designs und der neuartigen Bedienoberfläche ein Potential mitzugeben, von dem man auch bei Intel schon seit Jahren spricht. Es ist die Konvergenz von mobiler Erreichbarkeit und Mehrwert durch die Telekommunikationsbetreiber. Warum sollte das iPhone Mk II auf der Google Map neben der Telefonnummer des nächstgelegenen Restaurants nicht auch die Speisekarte und ein Bestellformular, Kinoprogramme mit Kartenreservierung, oder einen automatischen Taxiruf bieten?
Das Geschäft mit den Zusatzdiensten wird dank VoIP für die Netzbetreiber zwingend notwendig werden. Steve Jobs hat somit nicht nur "die wahrscheinlich perfekte Kombination aller Spekulationen über das iPhone" geschaffen, wie Dean Pullen vom 'Inquirer' schrieb, er hat auch die Tür für einen neuen Markt an Zusatzgeschäften weit aufgestossen, an denen Apple sicherlich mitverdienen will. Nicht zuletzt deshalb wurde nun auch offiziell der Begriff Computer aus dem Firmennamen gestrichen. Willkommen bei Apple Inc. (tm)
(Foto © Apple: iPhone)

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