Apps machen Smartphones zu Bitcoin-Minensklaven

31. März 2014, 13:40
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Smarte Phones, blöde Hacker?

Smarte Phones, blöde Hacker?
Der Hersteller von Security Software Trend Micro berichtet in einem Blogbeitrag von einer neuen Art von böswilligen Apps für Android-Smartphones. Diese legitim erscheinenden Apps gehen neben ihrer Hauptaufgabe noch einer Nebenbeschäftigung nach: Sie zweckentfremden die CPU des Geräts, um zugunsten ihrer Urheber. Kryptowährungen à la Bitcoin zu "schürfen". Für den Besitzer oder die Besitzerin eines infizierten Smartphones bedeutet dies unter anderem längere Ladezeiten, kürzere Batterielaufzeiten und eine möglicherweise verkürzte Lebenszeit für die Geräte.
Laut Trend Micro handelt es sich bei den böswilligen Apps einerseits um populäre legitime Apps wie "Football Manager Handheld" oder "TuneIn Radio, die von Hackern modifiziert wurden und ausserhalb des Google Play Store vertrieben werden. Andererseits habe man aber auch zwei enstprechende Apps, "Songs" und "Prized", im Google Play Store gefunden. Diese seien einige Millionen Mal heruntergeladen worden. Laut der 'Times of India' wurden die beiden Apps, die vor allem für indische User konzipert wurden, mittlerweile aus Google Play entfernt.
Die in den Apps versteckte Mining Software schürft gemäss Trend Micro nicht direkt Bitcoins sondern andere Kryptowährungen wie Litecoin und Dogecoin, die von den Hackern danach in Bitcoins umgetauscht werden. Litecoin und Dogecoin sind nach Bitcoin entstandene virtuelle Währungen, die auf dem gleichen Prinzip beruhen. Verschlüsselung spielt dabei eine grundlegende Rolle, daher stammt der Sammelname Kryptowährung.
"Nicht ganz zu Ende gedacht"
Trojaner für PCs, in denen sich Bitcoin-Mining-Software versteckt, gibt es schon seit einigen Jahren. Die ersten davon tauchten schon 2010 auf, nur einige Monate nachdem der Bitcoin-Code 2009 veröffentlicht wurde.Sehr intensiv wurden sie von Cyberkriminellen aber nie eingesetzt, wahrscheinlich weil sich damit nur wenig Geld verdienen liess.
Mit der trendig scheinenden Idee, Smartphones statt PCs zu einer "Bitcoin-Sklavenarmee" zusammenzufassen, haben sich die Hacker wohl noch mehr auf einen Holzweg begeben, beziehungsweise "die Sache nicht ganz zu Ende gedacht", wie Trend Micro anmerkt. Das erwüschte Geld werde nur "gletscherartig langsam" auf ihren Konten tröpfeln.
Für eine Handvoll Dollar...
Smartphones sind wohl schlicht zu wenig leistungsstark, um ernsthafte Mengen von Kryptowährungen schürfen zu können, auch wenn man sehr viele Smartphones infiziert und zu einem Botnetz zusammenfasst. Laut dem Blogeintrag haben die Urheber der infizierten Apps bisher "einige Tausend Dogecoins" zusammengrafft. Gemäss coinmill.com sind das nach aktuellem Kurs weniger als fünf US-Dollar.
Kryptowährungen à la Bitcoin beruhen darauf, dass User in einem Peer-to-Peer-Prinzip Rechenkraft zur Verfügung stellen, um ein grosses "Kontobuch" zu führen, in dem alle Transaktionen in dieser Währung verzeichnet werden. Bei Bitcoin ist dies die "Block Chain". Wer Rechenkraft zur Verfügung stellt, erhält dafür wiederum einen bestimmten Betrag in der virtuellen Währung als Gegenleistung - daher der Name "Mining".
Die Berechnung dieser Kontenbücher erfordert immens viel Rechenkraft. Zudem nehmen die Anforderungen, um eine bestimmte Menge Coins zu erzeugen, andauernd zu. Einzelne User tragen heuzutage nur noch einen verschwindend kleinen Teil dazu bei. Die ensthaften Miner sind mittlerweile hauptsächlich spezialisierte Unternehmen, die dafür ganze Rechenzentren beziehungsweise Supercomputer betreiben. Ihr Hauptproblem ist es, mit ihren Anlagen mehr Coins zu generieren, als der für die Berechnungen eingesetzte Strom kostet - je nach aktuellem Kurs der Währung ist dies natürlich unterschiedlich schwierig. Von der Methode, normale PCs beziehunsgweise Server zu verwenden, haben sich Spezialisten weitgehend abgewandt. Eine Weile lang wurden stattdessen Computercluster gebaut, bei denen Grafikkarten die Rechenpower lieferten. Mittlerweile werden Rechenmodule verwendet , die auf speziell für die Mining-Aufgabe designten Chips, sogenannten ASICs, beruhen. (Hans Jörg Maron)

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