Arbeitskräftemangel in Ostchina verschärft sich

2. Dezember 2010, 09:23
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Wenn es nach den Industrieunternehmen in China ginge, dürfte es überhaupt keine Feiertage geben.

Wenn es nach den Industrieunternehmen in China ginge, dürfte es überhaupt keine Feiertage geben. Denn so golden Chinesisch Neujahr, das Drachenbootfest im Mai und das Mittherbstfest vor dem Nationalfeiertag für den Handel auch sein mögen, stehen da vielfach auch die Fabriken still, weil Arbeitskräftemangel herrscht. In diesem Jahr soll sich das Problem insbesondere in Ostchina noch verschärft haben. Dies ist wohl mit ein Grund, warum es IT-Riesen wie Acer, Asustek (Asus) und Foxconn neuerdings nach Westchina drängt, wo der 32-Millionenmolloch Chongqing oder die Sichuan-Hauptstadt Chengdu auch noch mit deutlich günstigeren Löhnen locken, als der "Pazifikspeckgürtel". Zum kommenden lunearen Neujahrsfest (um unsere Fastnacht herum) soll sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt noch mehr verschlechtern, berichtet Taiwans Online-Newsservice ‚Digitimes‘ unter Berufung auf Leute von LCD-Panel-Komponentenherstellern. Betroffen sind aber auch andere ITK-Unternehmen.
Laut Radiant Opto-Electronics, Hersteller von LCD-Backlight-Units (BLUs), sollen die November- und Dezember-Orders den Monatsrekord von Oktober 2010 sogar noch toppen. Es sei aber zu befürchten, dass der Arbeitskräftemangel die Freude etwas trüben könnte.
Ebenfalls von Arbeitskräftemangel im Osten Chinas betroffen sein könnten Panel-Hersteller wie Samsung Electronics, AU Optronics (AUO) und Chunghwa Picture Tubes sowie Komponentenhersteller wie eben Radiant, Forhouse und Kenmos Technology. Wie 'Digitimes‘ nicht genannte Quellen aus BLU-Herstellerkreisen zitiert, soll der Arbeitskräftemangel in Wujiang, Provinz Jiangsu, schon bei 10 bis 15 Prozent liegen. Gross ist die Sorge, dass ein Teil der Arbeiter nach den Feiertagen, allen voran Chinesisch Neujahr, nicht mehr an den Arbeitsplatz zurückkehren. Bedenkt man, wie viele Familien in China auseinandergerissen sind, weil er zum Beispiel in Beijing arbeitet, sie in Shanghai oder im südchinesischen Shenzhen, scheint es auch mehr als verständlich, dass mancher es vorzieht, nach dem Feiertag nicht wieder auf der Matte zu stehen.
Anders als in Japan und Korea mit ihren fast feudalistischen Unternehmensstrukturen wäre in China jeder am liebsten sein eigener Chef. Viele zeigen es auch, indem sie sich bei den wenigen Urlaubstagen im Jahr mal durch Kündigung eine Auszeit gönnen. So kommt manch einer nach Chinesisch Neujahr gar nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurück, zumal das vorher ausgezahlte und teils recht üppige Urlaubsgeld, auch "Hongbao" genannt (roter Briefumschlag), meist eine Weile reicht zum Leben. "Hongbao" bezeichnet übrigens auch Bestechungsgeld, wird aber schon kleinen Kindern zu den Goldenen Feiertagen überreicht und ist seit Jahrtausenden ein alter integraler Bestandteil der chinesischen Kultur. (Klaus Hauptfleisch)

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