Ascom stagniert im Kerngeschäft und will Geld verteilen

6. September 2005, 08:43
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Ein Musterbeispiel für die Deindustrialisierung der Schweiz?

Ein Musterbeispiel für die Deindustrialisierung der Schweiz?
Der Berner Telekommunikations- und IT-Konzern Ascom hat eben seine Halbjahreszahlen veröffentlicht. Auf den ersten Blick sehen diese, angesichts der traurigen Geschichte der letzten Jahre, toll aus: bei einem Umsatz von 514 Mio. Franken schaute ein Konzerngewinn von 50,6 Mio. Franken heraus.
Schaut man die Zahlen aber ein bisschen genauer an, so sieht das Bild weniger toll aus. Der Bereich Wireless Solutions steigerte den Umsatz um 4 % auf 136,9 Mio. Franken, der Auftragseingang sank aber im Vergleich zur Vorjahresperiode. Der Gewinn des Bereichs sank von 19,1 Mio. Franken auf 13,9 Mio. Franken. Grund: Man habe Investitionen in Forschung & Entwicklung vorgezogen und die Verkaufseinheiten personell verstärkt.
Im Bereich Security Solutions schrumpfte der Auftragseingang (98,9 Mio. Franken), der Umsatz (113,7 Mio.) und der Gewinn (3,2 Mio.). Man restrukturiert schon wieder: "... hat Ascom Masssnahmen zur Verbesserung der Prozessabläufe und Organisation in diesen Bereichen eingeleitet", heisst es in der Mitteilung zum Halbjahresabschluss.
Weiter gibt es bei Ascom den Bereich "Special Products" (73,6 Mio. Franken), worin die Geschäfte zusammengefasst sind, die man irgend einmal verkaufen will. Darin sind die Netzwerk-Aktivitäten in Italien, die Abteilung "Payphones", "Powerline Communications", "Manufacturing" in Frankreich und die Immobilien zusammengefasst. Man suche weiter nach einem Käufer für all diese Aktivitäten.
Geld für die Aktionäre
Eine Gruppe von Gross-Aktionären um den Tessiner Tito Tettamanti verlangt eine ausserordentliche Generalversammlung, an der der Rückkauf von eigenen Aktien im Wert von maximal 288 Millionen Franken beschlossen werden soll. Der Verwaltungsrat von Ascom teilt nun mit, man werde das Begehren analysieren und so schnell wie möglich eine Antwort veröffentlichen.
Gleichzeitig "bekräftigt" der Verwaltungsrat, dass "freie Mittel, welche nicht zur Finanzierung des organischen Wachstums und selektiver, kleiner, wertsteigender Akquisitionen benötigt werden, bei Verfügbarkeit in geeigneter Form an die Aktionäre zurückgeführt werden."
Zu Deutsch: Das restliche Geld, das man aus der (Teil-)Zerschlagung des einst hoffnungsvollen Berner Elektronik-Konzerns heraus holen kann, wird verteilt. Welch zukunftsgerichtete Industriepolitik wir doch haben. (Christoph Hugenschmidt)

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