"Atom-Ausstieg nützt der IT-Industrie"

11. Mai 2011, 09:33
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Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer legt in Zürich den Finger auf wunde Punkte der ICT-Branche, zeigt aber auch Chancen für Europa auf.

Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer legt in Zürich den Finger auf wunde Punkte der ICT-Branche, zeigt aber auch Chancen für Europa auf.
"Die Branche befindet sich in einem Allzeithoch", sagte die deutsche Informatik-Legende August-Wilhelm Scheer (Foto) gestern an einem Medienroundtable der Swico am Rande der 'aiciti'. Scheer ist Professor, mehrfacher Firmengründer, Berater der deutschen Regierung und als Präsident des wichtigsten europäischen IT-Verbands Bitkom überhaupt ein Aushängeschild der europäischen IT-Industrie. Bitkom vertritt über 1000 Unternehmen mit insgesamt etwa 150 Milliarden Euro Umsatz.
Frauen, Ausländer und Studienabbrecher
Trotz einer sehr guten Stimmung der ICT-Branche in Deutschland, wies Scheer auch auf deren Probleme hin. Diese sind ähnlich wie in der Schweiz: Der Fachkräftemangel kostet der ICT-Branche gemäss Scheer etwa ein Prozent Wachstum. Und dieses ist mit zwei Prozent sowieso nicht wirklich berauschend. Scheers Lösungsvorschläge: "Wir müssen mehr ausländische Fachkräfte anlocken, wir müssen mehr Frauen für IT-Berufe begeistern und wir müssen die Studienabbrecherquote senken."
Warum aber gelingt es der europäischen Software-Industrie trotz hervorragenden Forschungsresultaten nur selten, weltweit Erfolge zu erzielen? Scheers Antworten auf die auch in der Schweiz oft diskutierte Frage sind differenziert. "Der Wille, die Welt zu erobern, fehlt in Europa", konstatiert er zum einen ein Mentalitätsproblem. Andererseits gebe es anders als beispielsweise in Kalifornien, kein Netzwerk an etablierten, grossen Playern, die einen Startup im Weltmarkt "mitnehmen". Scheer untermauert seine These mit Beispielen. So wurde Microsoft durch die Partnerschaft mit IBM gross, während SAP ebenfalls von IBM aber auch von Siemens profitierte.
Atomausstieg und Sicherheitsprobleme "eine Chance"
Interessant fanden wir die Bemerkungen des deutschen Professors zum Thema Atomkraftwerke und zu steigenden Risiken der immer komplexer werdenden und gleichzeitig alles durchdringenden IT-Systeme.
Scheer: "Der Atomausstieg, der in Deutschland praktisch bereits beschlossen ist, wird unsere Branche positiv beeinflussen." Die Aussage des emeritierten Professors scheint nur auf den ersten Blick erstaunlich. Denn der Atomausstieg wird dazu führen, dass Energie effizienter erzeugt, verteilt und genutzt werden muss. Und dies, so Scheer, werde man nur mit massivem Einsatz von Informatik erreichen können.
Zudem sieht er grosse Chancen für die schweizerische und deutsche IT-Industrie, weil der Bedarf an sehr sicheren und stabilen Systemen wächst. Scheer: "Wir wissen, wie man sichere Maschinen und Autos baut und wir sind in Deutschland und der Schweiz sensibler auf Sicherheitsfragen als in Amerika oder Asien. Wir können unsere Wertvorstellung in Systeme einbringen." (Christoph Hugenschmidt)

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