Aua! Distis erhöhen Frachtkosten

6. August 2008, 15:07
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Ingram Micro per 1. August, Also und Tech Data per 1. September. Frachtkostenlose Belieferung für Grosskunden könnte demnächst der Vergangenheit angehören.

Ingram Micro per 1. August, Also und Tech Data per 1. September. Frachtkostenlose Belieferung für Grosskunden könnte demnächst der Vergangenheit angehören.
Die drei grossen Distributoren Also, Tech Data und Ingram Micro machen ernst und erhöhen alle drei die Porto- und Transportkosten, die Reseller zu berappen haben. Einzig Allron bleibt "mindestens bis Ende Jahr" bei der bisherigen Regelung der Weiterverrechnung der Transportkosten.
Die Erhöhung der in Reglementen festgelegten Frachtkosten für die "normalen" Reseller, ist aber nur die Spitze des Eisbergs, denn Grosskunden werden heute oft noch im Rahmen von Spezialabkommen portofrei beliefert. Dies wird sich bei steigenden Transportkosten der Spediteure ändern, denn bei gleichzeitig sinkenden Stückpreisen nimmt der Anteil der Transportkosten am Warenwert massiv zu. Logische Folge der Übung: Grosskunden - auch grosse Retailer und E-Tailer - werden Fracht bezahlen und diese Kosten den Kunden belasten müssen.
Also, Tech Data, Ingram: Die Details
Der Schweizer Marktführer Also hat eben eine neue, ab 1.September gültige Portoregelung verschickt. Während die Frachtkosten bei Lieferung innerhalb von 24 Stunden nur wenig (um ein bis drei Franken) steigen, fällt die Erhöhung bei der günstigeren Lieferung innerhalb von 48 Stunden stärker aus. Man habe die Frachtkosten der Realität anpassen und eine gewisse Subventionierung abschaffen wollen, sagte Also-Chef Marc Schnyder zu inside-channels.ch
Auffallend, dass die sonst als "teuer" verschrieene Also in Sachen Frachtkosten wesentlich günstiger ist, als Joe Feierabends Ingram Micro, die man sonst eher als "Preisbrecher" anschaut. Denn Also verrechnet bei Lieferungen bis 5 kg neu 12 Franken und kennt keinen pauschalen LSVA- und Dieselzuschlag, während Ingram-Kunden bei Paketen 10 kg Gewicht 18 Franken + 4.75 Franken pro Auftrag zu bezahlen haben.
Bei Ingram wurden die Frachtkosten gemäss Joe Feierabend übrigens nur in der Kategorie bis 10 Kilogramm erhöht. Er glaubt auch nicht, dass die gestiegenen Preise der Spediteure einen negativen Einfluss auf das Konzept "XXL" des Distributors haben wird. Ingram Micro Schweiz liefert einen Teil der Ware für die Schweiz direkt aus dem Zentrallager bei München. "Der Schlüssel bei XXL sind nicht die Transportkosten sondern ist die höhere Verfügbarkeit," so Feierabend. Zudem erhöhe sich die Marge bei Lieferung aus München um ungefähr drei Prozent. Das tönt mickrig, doch wenn man weiss, dass der Nettogewinn von Ingram in Europa etwa 0,5 Prozent des Umsatzes beträgt. Ein Wert, den die Zentrale des US-Megadistis gerne erhöhen würde...
Nur Alltron erhöht nicht
Auch der zweitgrösste Distributor in der Schweiz, Tech Data, wird per 1. September die Frachtkosten erhöhen und zudem ein ähnliches System wie Also einführen. Tech Data-Kunden können künftig zwischen Lieferung innert 24 oder 48 Stunden und mit einer günstigeren Verpackung wählen. Letzteres wird sogar "etwas günstiger", wie Steinhardt uns sagte, während die Kosten für Lieferung innert 24 Stunden steigen werden. Neu wird aber auch Tech Data einen pauschalen Dieselzuschlag erheben.
Einzig Roland Bracks Alltron wird die Frachtkosten nicht erhöhen. "Wir waren eben immer konsequent und haben bei allen Kunden Porto verlangt," sagt Alltron-Sprecher Malte Polzin. Für das laufende Jahr erwartet er keine Aufschläge bei den Frachtkosten. "Wir haben die Erhöhung der Frachtkosten bei den anderen Distributoren sehen kommen, denn auf die Dauer ist die portofreie Lieferung an Grosskunden nicht gesund und lässt sich nicht ewig aufrechterhalten," so Polzin.
Signal an Gross- und Grösstkunden
Die Erhöhung der Preise auf den Frachtkostenlisten der Distributoren ist ein Signal auch an diejenigen Grosskunden, die portofreie Belieferung in individuellen Vertragen vereinbart haben. In diesem Punkt sind sich unsere Gesprächspartner Marc Schnyder, Joe Feierabend, Manfred Steinhardt und Malte Polzin einig. Stellvertretend Marc Schnyder: "Ich gehe nicht davon aus, dass wir die Frachtkosten in den nächsten 12 bis 18 Monaten nochmals erhöhen müssen. Ausnahmen gibt es vielleicht bei den Retailkunden und bei den Grosskunden mit ihren Frachtpauschalen. Sie werden daran keine Freude haben, doch Anpassungen sind unumgänglich."
Man wird sehen, wie hart die Distributoren bleiben, wenn sie isoliert bei den ARPs, Bechtles und Media Markts am Verhandlungstisch sitzen. Klar ist auf jeden Fall, dass die "Portokriege" der Vergangenheit angehören.
Das ist zwar schlecht für die Schweizer Reseller und ihre Margen, aber angesichts der Konsolidierung der Schweizer Disti-Szene und der steigenden Dieselpreise nicht zu vermeiden. (Christoph Hugenschmidt)

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