Auch Omnisec produzierte manipulierte Verschlüssler

26. November 2020, 14:57
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Neue Recherchen rund um die "Spionagefabrik" Crypto AG zeigen, dass Omnisec wohl auch Schweizer Firmen beliefert hat.

Die Zürcher Firma Omnisec stand ebenfalls unter dem Einfluss von ausländischen Geheimdiensten und stellte Geräte her, die manipuliert waren. Das berichtet 'SRF' und fügt an, es scheine, dass im Gegensatz zur Crypto AG, die der Schweiz sichere Geräte lieferte, Omnisec auch im Inland keine Skrupel gehabt habe.
Belegt wird die Vermutung mit Geräten der Omnisec-Reihe OC-500, die "bei mehreren Schweizer Bundesstellen, unter anderen beim strategischen Nachrichtendienst (SND) und dem Inlandnachrichtendienst (DAP) im Einsatz" waren. Dass sie manipulierbar waren, sei Mitte der 2000er-Jahre bemerkt worden.
Damit gehört Omnisec nun definitiv zur Affäre rund um die Crypto AG, in der inzwischen auch die Bundesanwaltschaft ermittelt. Zwar gibt es seit Jahren Gerüchte über einen mutmasslichen Einfluss von ausländischen Geheimdiensten bei Omnisec, doch wurden diese nie konkret, wie es in dem Bericht heisst.
Ohne Namen zu nennen, heisst es darin, dass mehrere Quellen bestätigen würden, die Zürcher Omnisec "war ebenfalls unter dem Einfluss von ausländischen Geheimdiensten. Sie stellte Geräte her, die manipuliert waren." Nicht nur der Bund, sondern auch mehrere Schweizer Firmen erhielten demnach manipulierte Omnisec-Geräte. So sei auch die UBS betroffen gewesen.
Offen sei aber noch, ob die Behörden Mitte der 2000er-Jahre die UBS über die schwachen Geräte informiert haben. Die UBS teile nur mit: "der von Ihnen recherchierte Sachverhalt reicht in die Anfänge von UBS zurück. Wir kommentieren grundsätzlich keine Details zu Sicherheitsvorkehrungen. Es liegen uns keine Hinweise vor, dass damals sensitive Daten exponiert gewesen wären."
Weiter wird mitgeteilt, dass der Zürcher FDP-Nationalrat und langjährige Banker Hans-Peter Portmann von einer neuen Dimension in der Geheimdienstaffäre spricht. Er fragt, ob es sich um Inlandspionage handelt und fordert, dass geklärt werde, welche Bundesstellen Bescheid gewusst haben, ob die Wirtschaft gewarnt worden ist und welche Rolle der Bundesrat gespielt hat.
Laut 'SRF' wollen sich weder das Verteidigungsdepartement, der Nachrichtendienst des Bundes noch der Bundesrat zu dem Fall äussern. Ob die parlamentarische Aufsicht über den Nachrichtendienst, die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel), den Fall Omnisec untersucht, sei unbekannt und GPDel-Präsident Alfred Heer wolle dazu nicht Stellung nehmen, heisst es weiter.
Anfang Jahr hatte die 'WOZ' bereits das Besitzer-Geflecht der Firma unter die Lupe genommen. Neue Recherchen zu Omnisec, die sich zeitgleich wie die Crypto AG vor zwei Jahren auflöste, hat soeben neben der 'WOZ' auch die 'Republik' (hinter Bezahlschranke) unter dem Titel "Das innerste Auge" vorgelegt. Darin wird die Geschichte von Omnisec nachgezeichnet, die gegründet wurde, um die Schweizer Bundesbehörden mit abhörsicherer Technologie zu beliefern. "Nun zeigt sich: Sie tat das Gegenteil", heisst es bei der 'Republik'.

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