Auch Twitter wird Big Brother

2. September 2010, 07:33
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Alle Links laufen bald über Twitter-Server, jeder Klick wird gespeichert.

Alle Links laufen neu über Twitter-Server, jeder Klick wird gespeichert.
Auch Twitter scheint sich in die Reihen der grossen Internet-Datensammler à la Facebook und Google einzureihen, die nach dem Motto "Erst mal alles speichern - über Datenschutz können wir später reden" vorgehen. Twitter wird, wie aus einem Mail an alle Twitter-User hervorgeht, das heute Nacht verschickt wurde, ab Ende Jahr alle Links, die in Tweets auftauchen, automatisch über seinen eigenen URL-Verkürzungsdienst "t.co" leiten und neu "verpacken". Die neue Funktion soll in den nächsten Monaten schrittweise eingeführt werden. Die Umleitung und Neuverpackung soll für sämtliche Links gelten, also sowohl für normale Links als auch solche, die der User bereits mit einem anderen Kürzungsservice wie tinyurl oder bit.ly verkürzt hat.
Gleichzeitig soll der Link neu dargestellt werden, so dass für den Empfänger eines Tweets auch bei Kurzlinks ersichtlich wird, wohin er geleitet wird, wenn er darauf klickt. Twitter sieht dafür anscheinend verschiedene Möglichkeiten vor. Entweder soll der Anfang einer URL angezeigt werden – in unserem Fall - oder möglicherweise auch ein Seitentitel oder einfach der komplette Link. Der wiederverlängerte Link soll anscheinend nicht bei der Berechnung der Zeichenzahl mitgerechnet werden, Twitterer müssen sich also nicht (noch) kürzer fassen als bisher. Dahinter steht aber immer unsichtbar (ausser in SMS) ein "t.co"-Link.
Im Rahmen der Umleitung will Twitter auch die Seiten, auf die ein Link zeigt, darauf abchecken, ob sie beispielweise Malware enthalten. Die neue Linktechnologie kann also die Sicherheit der Twitter-User verbessern. Gleichzeitig ermöglicht sie es Twitter aber auch, jeden einzelnen Klick jedes einzelnen User auf einen Link, sowie wohin ihn dieser Klick geführt hat, zu registrieren – und Twitter hat in dem Mail auch angekündigt, genau dies tun zu wollen. Gleichzeitig fehlt im Mail von Twitter jeglicher Hinweis auf eine Opt-out-Möglichkeit, eine allfällige Anonymisierung oder Löschung der Daten und überhaupt jeglicher Hinweis auf eine mit diesen Daten verbundene Datenschutzregelung.
Nicht so schlimm, könnte man nun sagen, schliesslich registrieren auch schon die anderen URL-Verkürzer alle Klicks. Diese können aber nur die IP-Adresse eines Users speichern – Twitter kann die Daten dagegen mit dem persönlichen Konto verknüpfen, was eine ganz andere Dimension darstellt.
Twitter hat in dem Mail an seine User auch eine weitere Änderung angekündigt, die generelle Einführung einer neuen Authentifizierungsmethode für Twitter-Applikationen namens "OAuth" per 31. August. Programmierer solcher Applikationen müssen dies ab sofort berücksichtigen, die User sind allerdings – ausser wenn ihre bevorzugte App gestern aufgehört hat, zu funktionieren – nicht direkt betroffen. (Hans Jörg Maron)

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