Auf Verbrecherjagd im "dunklen Netz"

27. Mai 2014, 11:51
  • telco
image

Der Schweizer Darknet-Experte Nicolas Mayencourt nennt es "ein Gruselkabinett". Darin zu fahnden sei möglich, aber aufwendig.

Der Schweizer Darknet-Experte Nicolas Mayencourt nennt es "ein Gruselkabinett". Darin zu fahnden sei möglich, aber aufwendig.
Das Berner Unternehmen Dreamlab unterstützt Behörden auf der ganzen Welt bei Ermittlungen im Darknet und entwickelt die dafür nötigen Lösungen. Der Gründer Nicolas Mayencourt kennt die verborgenen Bereiche des Internet aus eigener Anschauung. Er spricht von einem "Gruselkabinett", in dem tatsächlich alles zu haben ist - vom Auftragsmord bis zum Kinderporno auf Mass. "Eine Plattform wie Silk Road, das muss einen beunruhigen", sagte Mayencourt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur 'sda'.
Dagegen vorzugehen sei aufgrund der effizienten Anonymisierung und Verschleierung im Darknet sehr schwierig und aufwendig. Für aussichtslos hält er den Kampf der Ermittler aber nicht.
An dieser Stelle gilt es allerdings festzuhalten, dass das "dunkle Netz" kein einheitliches Netzwerk ist. "Darknet".
Verschiedene Strategien
Eine Möglichkeit, in diesen Netzwerken zu fahnden ist laut dem Experten die verdeckte Ermittlung, bei der ein Ermittler beispielsweise als Kunde im Darknet auftritt. Auf diese Strategie setzen nach Auskunft des fedpol auch die Schweizer Behörden. Ein anderes Vorgehen ist die systematische Überwachung grösserer Netzstrukturen. Dabei können zum Beispiel mit einer Signatur versehene Bilder ins Netz eingespeist werden. Wenn diese einen Knotenpunkt des Darknet passieren, lassen sich unter Umständen Absender oder Empfänger ermitteln. Eine entsprechend ausgerüstete Fahndungsbehörde kann auch gleich selber einen Knotenpunkt betreiben und den Datenverkehr überwachen.
Die NSA sei sogar zum direkten Angriff übergegangen. Da sie an der Entwicklung des Tor-Netzwerks beteiligt war (!), konnte sie eine Schwachstelle darin einbauen. Diese hat der US-Geheimdienst dann für die eigene Informationsbeschaffung ausgenutzt. Auch ohne die weit reichenden Möglichkeiten der NSA können Strafverfolgungsbehörden im Darknet aber erfolgreich sein. "Es gibt Fahndungserfolge", weiss Mayencourt aus seiner eigenen Berufspraxis. Allerdings seien Aufwand und Kosten der Ermittlungen sehr viel grösser als im sichtbaren Netz.
Darknet an sich nicht böse
Das grösste Problem ortet Mayencourt aber nicht bei der Technik, sondern in der Politik. Es brauche dringend eine Diskussion darüber, welche Verbrechen mit welchen Mitteln verfolgt werden sollen. "Die Spione und die Kriminellen sind zehn Jahre voraus", glaubt der Experte. Die Schweiz mit ihren internationaler Organisationen, dem internationalen Zahlungsverkehr, Banken und Grossunternehmen müsse sich fragen, ob der Verteidigungswall gegen Cyber-Angriffe nicht erhöht werden müsste. "Das ist möglich, ohne die Privatsphäre der Menschen zu verletzen", ist Mayencourt überzeugt.
Aus dem gleichen Anliegen heraus ist für den Dreamlab-Gründer auch das Darknet nicht primär negativ besetzt - trotz des Missbrauchs. Seiner Meinung nach hat jeder Mensch ein Recht darauf, seine Privatsphäre zu schützen. "Nur weil ich nichts zu verbergen habe, heisst das nicht, dass ich es mit der ganzen Welt teilen will", fasst Mayencourt den Gedanken zusammen. Schliesslich nutzten auch Behörden die Technologien zur Verschleierung ihres Datenverkehrs. In einigen Ländern könnten Journalisten nur dank des Darknet arbeiten. Mayencourt wehrt sich daher dagegen, die Technologie als solche zu verteufeln. "Sie ist gut, wenn sie für einen guten Zweck genutzt wird. Beunruhigend ist es, wenn sie missbraucht wird." (sda/hjm)

Loading

Mehr zum Thema

image

Swisscom verdient 2022 weniger

Aber das dürften wir eigentlich noch gar nicht wissen. Die Publikation der Geschäftszahlen war ein Versehen.

publiziert am 3.2.2023
image

Talkeasy Schweiz wird liquidiert

Am 14. Dezember 2022 wurde Talkeasy aufgelöst. Der Schweizer Telco war für seine aggressive Kundenbindung bekannt.

publiziert am 27.1.2023
image

WWZ übernimmt Databaar

Dabei gehe es um eine geordnete Nachfolgeregelung, sagt der Chef des bisherigen Databaar-Betreibers Stadtantennen AG.

publiziert am 10.1.2023 1
image

Auch Salt stellt MMS-Dienst ein

Nach Swisscom stellt auch das Telekomunternehmen Salt seinen MMS-Dienst ein. Für das Versenden von Fotos und Videos über das Mobilfunknetz gibt es mittlerweile viel beliebtere Alternativen.

publiziert am 9.1.2023