Aufregung um Immo-Software in Chur

19. November 2012, 12:56
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Trotz schlechter Wirtschaftslage will die Stadt Chur 1,2 Millionen Franken für eine Immobiliensoftware ausgeben. Das passt nicht allen.

Trotz schlechter Wirtschaftslage will die Stadt Chur 1,2 Millionen Franken für eine Immobiliensoftware ausgeben. Das passt nicht allen.
In Chur sorgt die beabsichtigte Beschaffung einer Software zur Bewirtschaftung der städtischen Immobilien für Unruhe. Grund: Die Stadt trägt eine Schuldenlast von über 100 Millionen Franken auf den Schultern. Deshalb scheinen die Ausgaben in der Höhe von 1,2 Millionen Franken für ein "Computerprogramm" unangebracht.
Das Parlament sowie die Öffentlichkeit stünden der Beschaffung kritisch gegenüber, darum sei es ungewiss, ob die Vorlage am nächsten Donnerstag die Debatte im Gemeinderat überlebe, schreibt die 'Südostschweiz'. Es werde viel Geld in die Hände genommen, andererseits habe die Stadt Chur doch einen Liegenschaftenbesitz von rund 500 Millionen Franken zu tragen. Dazu lässt sich Stadtpräsident Christian Boner im Artikel zitieren: "Dafür bekommt der Stadtrat und letztlich auch der Gemeinderat aber ein gutes Führungsinstrument für die Bewirtschaftung der Immobilien". Zudem sei das Projekt vom Gemeinderat in Auftrag gegeben worden.
Software "Stratus" und Kosten
An einer Sitzung vom 10. März 2011 hatte der Gemeinderat eine Aufgaben- und Leistungsüberprüfung zum Projekt überwiesen: Laut einem Schreiben (Botschaft) des Stadtrates an den Gemeinderat handelt es sich um ein computerunterstützendes Facility-Management-System (CAFM). Der Einsatz dieses Systems erfordere die Erfassung sämtlicher relevanter Gebäudedaten. Ein Grossteil der mit dem CAFM zusammenhängenden Kosten entfalle auf diese Arbeiten. Zudem solle in einem ersten Schritt das auf Instandstellung beziehungsweise Instandsetzung spezialisierte Modul "Stratus" beschafft werden, welches in der Schweiz weit verbreitet sei, so der Artikel. Ziel der Stadt Chur ist: "Einen Schritt in Richtung Immobilienmanagement zu machen, welches die Lebensdauer verlängert und die qualitätsbezogenen Merkmale der Bauten verbessert". Im Februar 2012 nahm der Gemeinderat vom Stand der Einführung des Projekts Kenntnis und stellte die entsprechende Botschaft auf Herbst 2012 in Aussicht, die nun vorliegt.
Mit der Software "Stratus" habe man eine Lösung gefunden, welche sich seit Jahren auf dem Markt behaupte und weit verbreitet sei. Die Referenzliste von "Stratus" weist einige private und öffentliche Verwaltungen auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene auf. Wie funktioniert die Software? "Stratus" ermittelt für Bauwerke die Instandhaltungskosten, die Instandsetzungskosten und die Zeitpunkte, in denen die Arbeiten anfallen. Im Voranschlag 2012 seien die Gesamtkosten von 1,2 Millionen Franken als Investition aufgeführt, heisst es in der Botschaft. Davon würden im laufenden Jahr rund 145'000 Franken für externe Beratungen anfallen. Für die CAFM-Software wurden insgesamt 170'000 Franken budgetiert, nach Abzug der Kosten für "Stratus" von 25'800 Franken verbleiben für die anderen Funktionalitäten 144'200 Franken. Die internen Kosten für das Amt Telematik belaufen sich auf rund 15'000 Franken. Laut Gemeinderat will man die 1,2 Millionen Franken innerhalb von fünf Jahren amortisieren. Die "eingesparten Kosten" belaufen sich auf jährlich 350'000 Franken, so die 'Südostschweiz'. (hal)

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