Aufsichtsbehörde verlangt besseres Management von IT-Projekten im Kanton Waadt

1. September 2021, 14:24
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Der Rechnungshof bemängelt, dass bei IT-Projekten häufig die Fristen überschritten werden. Er fordert einen "Kulturwandel".

In einem Bericht hat der Rechnungshof in Lausanne, die staatliche Aufsichtsbehörde, die IT-Projekte des Kantons Waadt untersucht. Darin prüfte er insbesondere die Governance und stellte gewisse Mängel fest.
Das Hauptproblem liege nicht in der Einhaltung der Budgets, die Projekte würden mit Ausnahmen mit den vom Grossen Rat bewilligten Mitteln ausgeführt und beendet. Handkehrum würden die Fristen oft überschritten, "manchmal konsequent", stellt der Rechnungshof im Bericht fest.

Good-Governance-Praktiken sicherstellen

"Auf der Ebene der einzelnen Projekte stellt der Hof fest, dass die Governance in Bezug auf Organisation und Zusammenarbeit besser formalisiert werden muss. Darüber hinaus ist es notwendig, die Einbeziehung der Geschäftsbereiche in das Projektmanagement zu stärken und zu erleichtern und die systematische Anwendung von Good-Governance-Praktiken sicherzustellen", heisst es in einer Mitteilung.
Es müssten von der kantonalen Generaldirektion für Digital- und Informationssysteme (DGNSI) wie auch von den Geschäftsbereichen der Verwaltung grössere Anstrengungen unternommen werden, um die Projektleistung und das Risikomanagement zu überwachen. "Dazu müssen die Ziele und der erwartete Nutzen der Projekte besser ermittelt und die im Laufe des Projekts erzielten Ergebnisse gemessen werden", fordert der Rechnungshof.
Für dessen Vizepräsidentin Nathalie Jaquerod ist "ein Kulturwandel" im Management der IT-Projekte unabdingbar, DGNSI und Verwaltung müssten stärker zusammenarbeiten. "Die Unternehmensdienste sollten mehr Verantwortung übernehmen. Sie sind diejenigen, die investieren und die Nutzer sein werden. Sie sollten stärker in die Projekte einbezogen werden, ohne sich zu sehr von der DGNSI leiten zu lassen", erklärte Jaquerod gegenüber 'Keystone-ATS'.
Es gehe darum, hält der Rechnungshof weiter fest, die von der DGNSI ermittelten bewährten Verfahren verbindlich zu machen, aber auch Regeln für die Kostenberechnung und Transparenz sowie für die Berichterstattung festzulegen, um koordinierte und standardisierte Informationen für alle Projekte bereitzustellen.

Kontrollsystem und bessere Kommunikation gefordert

Angesichts der strategischen Bedeutung sei ein auf Grossprojekte ausgerichtetes, bereichsübergreifendes Kontroll- und Überwachungssystem für eine dynamischere Verwaltung des Projektportfolios erforderlich. Zudem müsse die Verwaltung mehr und besser über die Leistung der Projekte und ihren Beitrag zur Entwicklung der digitalen Technologie im Kanton Waadt kommunizieren.
Der Rechnungshof habe vor diesem Hintergrund 12 Empfehlungen an die DGNSI gerichtet, welche die Direktion alle angenommen habe. "Die DGNSI hat bereits Massnahmen ergriffen, die in die richtige Richtung gehen, aber es gibt noch Raum für Verbesserungen", erklärte Nathalie Jaquerod.
6 Empfehlungen gingen an den Staatsrat als übergeordnete Behörde. Dieser äusserte Vorbehalte zu einer und lehnte eine weitere ab, welche die Einrichtung eines "transversalen Leitungsorgans" betrifft. Dieses auf Grossprojekte ausgerichtete Organ würde bei Bedarf eine unabhängige Überwachung und eine neutrale Schlichtung ermöglichen. Der Staatsrat lehnt dies ab mit dem Argument, dass ein solches Organ das System belasten würde.

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