Aufstand der Provider gegen Switch

17. August 2009, 15:38
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Switch konkurrenziert mit switchplus Domain-Registrare und Hostingfirmen. Superprovisorische Verfügung soll Bevorteilung stoppen.

Switch konkurrenziert mit switchplus Domain-Registrare und Hostingfirmen. Superprovisorische Verfügung soll Bevorteilung stoppen.
Die heutige Ankündigung der Stiftung Switch, mit der Aktiengesellschaft switchplus in den Domain- und Hostingmarkt einzusteigen und damit ihre bisherigen Partner, also Domain-Registrare und Hostingfirmen direkt zu konkurrenzieren, sorgt für rote Köpfe. Wie inside-it.ch bereits im Juni exklusiv berichtete, will Switch mit der durch Stiftungsgelder finanzierten switchplus ag Domainregistrierungen und zusätzlichen Dienstleistungen wie Hosting und E-Mail anbieten und damit "als gleichberechtigter Switch-Partner auftreten". Hintergrund für den Einstieg ins Providergeschäft ist laut Switch der im Jahr 2015 auslaufende Vertrag mit dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) für die Führung der Domain-Registry, weshalb man bereits heute an der "Zukunftssicherung für den Bereich Internet Domains arbeiten" müsse.
Bereits im Juni betonte Switch-Sprecher Marco D'Allessandro, dass switchplus gegenüber den kommerziellen Anbietern lediglich als gleichberechtigter Registrar auftreten werde. Diese Aussage zweifeln mehrere von inside-it.ch befragte Provider inzwischen jedoch an. David Burkardt, CEO des Basler Hostinganbieters cyon.ch, stört sich zwar nicht an einem weiteren Mitbewerber. Allerdings müsse mit fairen Bandagen gekämpft werden, sagt er gegenüber inside-it.ch. switchplus nutze aber Vorteile, welche anderen Partnern nicht zur Verfügung stehen. Burkardt nennt dabei etwa die Promotion für switchplus auf den Webseiten von Switch oder die Ähnlichkeit der beiden Webseiten.
Auch für Sandro Bertschinger vom Rapperswiler Hosting-Anbieter Hostpoint ist die Nähe von switchplus zur "Mutter" Switch problematisch. Es sei zumindest problematisch, dass mit Geldern einer aus dem staatlichen Umfeld stammenden Stiftung (Switch) eine privatrechtliche Aktiengesellschaft (switchplus) gegründet werde, die in direkte Konkurrenz zu privaten Anbietern tritt, sagt Bertschinger auf Anfrage von inside-it.ch. Die neue Firma geniesse durch die Nutzung des Brands "Switch" nämlich automatisch einen grossen Vertrauensbonus, den Switch durch die Ähnlichkeit im Webdesign auch noch aktiv auszunutzen versuche. Einige der Provider und Hosting-Anbieter befürchten auch, dass switchplus auf die Adressdatenbestände der Muttergesellschaft zurückgreifen und sich so in der Kundenwerbung etwa unlautere Vorteile verschaffen könnte. Die Pressemitteilung zur Lancierung von switchplus von heute morgen wurde offenbar auch an ausgewählte Key-Account-Kunden von Switch verschickt, wie uns ein Provider bestätigte.
Superprovisorische Verfügung
Wie inside-it.ch aus gut unterrichteter Quelle zudem erfahren hat, will sich eine Gruppe aus derzeit elf Providern (darunter zwei aus dem Ausland) gegen die ihres Erachtens unfaire Bevorzugung von switchplus auf der Webseite von Switch gerichtlich wehren und planen das Erwirken einer "superprovisorischen Verfügung". Sie stören sich daran, dass switchplus auf der Switch-Homepage äusserst prominent und zudem als Standardprovider zur Auswahl steht, wenn eine Domain registriert werden soll und fordern, im gleichen Atemzug mit der Switch-Tochter genannt zu werden.
Marco D'Alessandro, Mediensprecher der kritisierten Stiftung Switch, weist die Vorwürfe indes zurück. Die Nennung von switchplus auf den Seiten von Switch sei eine reine "Kundeninformation". "Es ist Usanz, dass man auf neue Dienstleistungen von Tochtergesellschaften auf prominente Art und Weise hinweist", so D'Alessandro. Er betont weiter, dass "Switch kein Mailing im Zusammenhang mit switchplus gemacht hat". Von Providern, die sich an der Finanzierung des Aktienkapitals durch Stiftungsgelder stören, habe man bisher nichts gehört und auch von den rechtlichen Anstrengungen der Providergruppe gegen Switch habe man bisher keine Kenntnis und könne darum auch keine Stellung dazu nehmen. (Tom Brühwiler)

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