Aus Wincor Nixdorf soll Diebold Nixdorf werden

24. November 2015, 12:50
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Dass der Bankomathersteller Wincor Nixdorf noch Mitte Oktober vom Weiterbestehen als unabhängiges Unternehmen gesprochen hatte, ist jetzt Makulatur.

Dass der Bankomathersteller Wincor Nixdorf noch Mitte Oktober vom Weiterbestehen als unabhängiges Unternehmen gesprochen hatte, ist jetzt Makulatur. Das gebeutelte Unternehmen soll nun vom amerikanischen Konkurrenten Diebold geschluckt werden. Das teilte das Unternehmen mit. Man habe ein "Business Combination Agreement unterzeichnet, infolge dessen Diebold ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien von Wincor Nixdorf unterbreiten wird", hiess es beim im deutschen Paderborn ansässigen Unternehmen. Der Besitzerwechsel soll rund 1,7 Milliarden Euro kosten und der neue Konzern künftig unter dem Namen Diebold Nixdorf seinen rechtlichen Sitz in den USA haben. Gemeinsamen werde man rund 4,8 Milliarden Euro im Jahr umsetzen, 25'000 Mitarbeiter beschäftigen und etwa eine Millionen Bankautomaten betreiben.
Der Deal muss noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden und wird laut Wincor Nixdorf nur umgesetzt, wenn die Aktionäre mindestens 67,6 Prozent aller bestehenden Aktien an Diebolb verkaufen. Mit den Aktien der Paderborner selbst halte der neue Konzern dann 75 Prozent der Aktien, heisst es weiter. Geleitet werden soll Diebold Nixdorf dann von Andy W. Mattes von Diebold als CEO und von dem ebenfalls von Diebold kommenden Christopher C. Chapman als CFO. Der bisherige Chef von Wincor Nixdorf, Eckard Heidloff, wechselt in den Verwaltungsrat und dessen bisheriger Finanzchef Jürgen Wunram soll die auf drei Jahre veranschlagte Integration der beiden Unternehmen leiten.
Wincor Nixdorf hatte bereits im Frühjahr eine Restrukturierung angekündigt, in dessen Rahmen 1100 Stellen abgebaut werden sollen. Der stark Hardware-lastige deutsche Bankomatenhersteller hatte es verpasst, rechtzeitig in das Services- und Software-Geschäft einzusteigen, was mit dem Delta genannten Programm nachgeholt werden sollte. Das werde fortgeführt und ein weiterer Stellenabbau sei nicht geplant. Vielmehr wolle man "die Kostenstruktur in allen Unternehmensbereichen und Konzerngesellschaften anpassen, um intern effizienter und für unsere Kunden leistungsfähiger zu werden", wie Wincor Nixdorf gegenüber inside-it.ch festhält. Massnahmen wie zum Beispiel ein konzernweites Nearshoring haben in der Schweizer Gesellschaft Prozessanpassungen zur Folge, "führen hier aber zu keinem nennenswerten Personalabbau", teilt man aus Paderborn weiter mit.
Es verwundert also nicht, dass mit der Übernahme durch Diebold versprochen wird, "sich strategisch auf einen Wachstumskurs in den Bereichen Services und Software" zu begeben. Zudem wird betont, dass man sich "hinsichtlich des Produktangebots, der geographischen Verteilung und der Kundenbasis" ergänze. Diebold habe seinen Schwerpunkt in den USA und Wincor Nixdorf in Europa. Gleichwohl werde es möglich, "durch die Transaktion voraussichtlich 160 Millionen Dollar an jährlichen Kostensynergien" zu schaffen. Angestrebt werde mit dem Zusammenschluss, eine "operative Marge von über neun Prozent bis Ende des dritten Jahres nach Abschluss der Transaktion" zu erreichen. (vri)

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