Autonome Autos + Car Sharing = Viele Milliarden Franken Nutzen

16. August 2018, 14:35
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Das Bundesamt für Raumentwicklung rechnet mit Dutzenden von Milliarden Franken Nutzen, würde man den Schweizer Personenverkehr digitalisieren.

Das Bundesamt für Raumentwicklung rechnet mit Dutzenden von Milliarden Franken Nutzen, würde man den Schweizer Personenverkehr digitalisieren.
Selbstfahrende Fahrzeuge, die nicht in privatem Besitz sind: So sollte die Mobilität in der Schweiz in Zukunft aus volkswirtschaftlicher Sicht aussehen. Die Autoren einer Studie im Auftrag des Bundes prognostizieren jedenfalls, die umfassende Digitalisierung der Mobilität könne hierzulande einen milliardenschweren volkswirtschaftlichen Nutzen erzeugen.
Die Autoren fokussieren dabei auf den Personenverkehr, weil "hier die Verkehrsnachfrage direkt beeinflusst wird und die Abgrenzung zur Digitalisierung in der Wirtschaft klarer ist als im Güterverkehr."
Die Studie beziffert den möglichen Nutzen auf jährlich mehrere Dutzend Milliarden Franken. Die Annahmen, auf denen die Prognosen basieren, seien aber mit Unsicherheiten behaftet, schreibt das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE). Um Kosten und Nutzen verlässlich zu bewerten, seien weitere Analysen nötig. Es handle sich um eine Vorstudie, beziehungsweise eine "Machbarkeitsstudie".
Entscheidend für den volkswirtschaftlichen Nutzen ist gemäss den aktuellen, ersten Erkenntnissen, wieviele selbstfahrende Fahrzeuge insgesamt durch die Schweiz fahren und wie sich die Anzahl und der Anteil von Fahrzeugen entwickelt, die mehrere Parteien sich teilen ("Sharing Economy").
Der grösste Nutzen würde dann resultieren, wenn die Schweizer Fahrzeugflotte komplett aus autonomen und geteilten Fahrzeugen bestünde. Voraussetzung dafür wäre, dass sich das automatisierte Fahren Hand in Hand mit einer Sharing Economy entwickelt. Ingesamt "führen vollautomatisierte Fahrzeuge zu massgeblichen Einsparungen bei den generalisierten Kosten – also den Fahrzeug- inklusive Zeitkosten – in der Grössenordnung von 25 Prozent bei privaten Autos und 40 Prozent bei gepoolten Fahrzeugen", rechnen die Autoren.
Zudem würde die Strasseninfrastruktur "deutlich effizienter" ausgenützt.
Die Forscher sprechen davon, dass eine Mobilitäts-Servicewelt entstünde: Dienstleister würden über Online-Plattformen Mobilitätslösungen anbieten, der private Fahrzeugbesitz wäre nicht mehr relevant.
Zeit- und Effizienzgewinne summieren sich
Der Nutzen errechnet sich zudem dadurch, dass die Reisezeit im Auto statt fürs Steuern und Bremsen für andere oder ökonomisch produktivere Tätigkeiten genutzt werden kann. Des Weiteren seien Tür-zu-Tür-Verbindungen zu addieren und ebenso, dass dank autonomen Fahrzeugen ältere Personen mobiler wären, sowie Jüngere und solche ohne Fahrausweis.
Es entstünden, so die Studie, auch Kostensenkungen: Dank sinkender Unfallzahlen und weniger Staus könnten Kosten gespart werden. Auf der anderen Seite der Rechnung sind zusätzliche Kosten durch Leerfahrten und höhere Anschaffungs- und Wartungskosten für autonome Fahrzeuge zu verbuchen.
Diese benötigen zudem technische Infrastrukturen, Sensoren, Kommunikationsstandards sowie Steuerungs- und Koordinationsplattformen.
Stadt und Land profitieren unterschiedlich
Die Autoren der Studie haben auch die möglichen Auswirkungen auf Raum und Umwelt untersucht. Die digitalisierte Mobilität könnte die Erreichbarkeit der ländlichen Räume verbessern, andererseits auch deren Zersiedlung vorantreiben.
Die Standortattraktivität der Städte dürfte steigen, weil der Raumbedarf sinke. Drop-Off-Räume würden beispielsweise Millionen privater Parkplätze von heute ersetzen. Insgesamt würde die private Mobilität sich grundsätzlich verändern.
Gemäss den befragten Experten ist indes erst nach 2050 mit einer vollautomatisierten Fahrzeugflotte zu rechnen. Die Entwicklung dahin hänge von vielen Faktoren ab und sei schwierig abzuschätzen, heisst es in der Studie.
Weitere, schwer prognostizierbare Einflussfaktoren sind etwa das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum und die Verbreitung alternativer Arbeitsformen wie Home Office.
Wie hoch die Kosten und der Nutzen für Infrastrukturen, ländliche und städtische Räume sowie Unternehmen sein werden, lässt die Vorstudie offen. Diese und weitere Fragen will das ARE in einer Hauptstudie klären. Die Vorstudie zeige nämlich, dass die Quantifizierung der Digitalisierung der Mobilität sowie deren Auswirkungen auch möglich sei.
Die gesamte Studie ist kostenlos als PDF beim ARE verfügbar. (mag/sda)

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