Avaya: "Wir wollen der Dirigent des Orchesters sein"

12. Februar 2021, 09:33
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Kommunikations-Spezialist Avaya blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im Gespräch zeigt die Alps-Chefin, wie diese fortgeschrieben werden soll.

Avaya feierte letztes Jahr den 20. Geburtstag eines unsteten Lebens. Im Oktober 2000 wurde die Unified-Communications- und Callcenter-Sparte von Lucent Technologies ausgegründet. In den Jahren darauf kaufte das Unternehmen zu und wuchs bis auf 21'000 Mitarbeiter an. 2017 musste Avaya dann im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in den USA restrukturiert werden, der Verkauf des wichtigen Call-Center-Business stand zur Debatte. Schliesslich wurde das Netzwerkgeschäft an Extreme Networks veräussert.
Damals litt Avaya unter der starken Konkurrenz. Mittlerweile hat sich der Markt gewandelt: In der Pandemie drängeln viele Player auf den Handelsplatz für Unified Communication and Collaboration (UCC), der einen regelrechten Boom erlebt. UCC ist neben dem Call-Center-Geschäft und dem Hardware-Business ein wichtiges Standbein von Avaya. Welche Rolle wird der Hersteller hier in Zukunft spielen? Wie wirkt sich die bewegte Geschichte auf die Geschäfte aus?
Die Schweizer Ländergesellschaft sei vom Chapter-11-Verfahren in den USA nie betroffen gewesen, sagt Ourania Odermatt im Gespräch mit inside-channels.ch. Die Alps-Chefin leitet die Firma in der Schweiz und Österreich seit Herbst 2019. Das Vertrauen in Avaya sei zurück, betont Odermatt, die zuvor 14 Jahre Erfahrungen bei IBM gesammelt hat.
Allerdings hat sich mit dem Verkauf des Netzwerkgeschäfts auch der Headcount in der Schweiz reduziert: 2017 zählte das Unternehmen hierzulande noch 31 Angestellte, heute sind es rund 20. "Wir wachsen aber langsam in der Schweiz", sagt Odermatt. Konkrete Geschäftszahlen kann sie keine nennen.
Das kleine Team entspreche der Struktur von Avaya. Man greife zum einen auf ausgiebige internationale Ressourcen zurück und verkaufe zum andern mit ganz wenigen Ausnahmen von internationalen Grosskonzernen über Partner. Das direkte Geschäft beträgt gerade mal 0,5% des Umsatzes. Das soll auch so bleiben, versichert die Alps-Chefin.

Der Legobaukasten aus dem Hause Avaya

Letztes Jahr hat Avaya Cloud Office lanciert und sein Portfolio unter Avaya OneCloud neu aufgestellt. Im Rebranding kommt die Strategie zum Ausdruck: Künftig wolle man deutlich mehr auf Cloud und Software-as-a-Service setzen, so Odermatt. Cloudprodukte machten mittlerweile 26% des gesamten Umsatzes aus. Das Partnerprogramm wurde vor zwei Jahren justiert, um diese Umsätze in die Höhe zu treiben. "Aber wir sind auch weiter für unsere Kunden da, die ihre Legacy-Systeme lieben", so Odermatt.
"Avaya ist Kommunikation", sagt die Managerin weiter, während sie einen kunterbunten Slide zum Open Multi Cloud Ecosystem präsentiert. Über 50 Partner finden sich darauf, alles was in der Tech-Welt Rang und Namen hat, darunter auch UCC-Lösungsanbieter – direkte Konkurrenten von Avaya. Das zeige den Ansatz des Unternehmens. "Wir sind in der Lage, alle Produkte zu integrieren", sagt Odermatt.
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Eric Heer, Sales Engineering Manager Alpine Cluster
"Wir wollen Dirigent des Orchesters sein", ergänzt Eric Heer, der seit 19 Jahren bei Avaya arbeitet und derzeit das Sales Engineering Team im Alpine-Raum leitet. Avaya stelle keinen geschlossenen Client zur Verfügung, sondern eine Plattform mit offenen Schnittstellen, eine Art Lego-Baukasten. Ab 2023 soll "Avaya Inside" eine gänzlich Hersteller- und Cloud-agnostische Plattform sein, erhofft sich das Unternehmen. Dieses Jahr steht ganz im Zeichen der Implementation von KI-getriebene Analysetools, Partner sind u.a. IBM mit Watson und Google.

Ein Fuss im Markt für Collaboration-Lösungen

Im Januar 2020, kurz vor dem Beginn der Pandemie, lancierte Avaya mit Spaces eine eigene Videokonferenz- und Collaboration-Plattform. Der boomende Markt ist heiss umkämpft. Mit seinem offenen Ansatz versucht Avaya Boden gutzumachen. Man könne bereits genutzte Cloud-Lösungen wie Salesforce, Office 365, G-Suite und Slack integrieren, verspricht das Unternehmen ganz seiner Strategie gemäss.
Wie das Geschäft während des Homeoffice-Booms angelaufen ist, will man nicht kommunizieren, auch weil die Lösung in Bündelprodukten angeboten wird. Das Geschäft läuft aber nach Avaya-Angaben gut und man zeigt sich stolz auf die hauseigene Software: "Wir konnten eine Veranstaltung mit 500 Personen in einer virtuellen Konferenz durchführen, von welchen sich 61 gleichzeitig sehen konnten. So weit ist keine andere Lösung", wirbt Odermatt.
Auch in Sachen Security und Noise Cancelling spiele man in der obersten Liga. "Wir filtern Ihnen das Schlagzeug neben dem Homeoffice-Arbeitsplatz aus dem Call raus", so Heer. Derzeit arbeitet man bei Avaya an weiteren Funktionalitäten. Ob und wie sich Lösung und Strategie neben den ganz Grossen auf dem Markt bewähren können, wird die Geschichte weisen müssen. "Die Möglichkeiten sind unbegrenzt", wirbt Avaya derweil auf der Spaces-Website.

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