AWS: Vorläufig keine Facial-Recognition-Software für die Polizei

11. Juni 2020, 15:21
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Nachdem IBM aus dem Geschäft mit Gesichtserkennungs-Software aussteigen will, zieht auch Amazon offiziell Konsequenzen aus den Protesten in den USA.

Amazon will seine Gesichtserkennungs-Software ein Jahr lang nicht mehr der Polizei zur Verfügung stellen. Der Konzern hoffe, dass der US-Kongress sich in dieser Zeit auf einen regulierenden Rechtsrahmen für die Technologie einigen könne, erklärte Amazon. Man werde die Software mit dem Namen "Rekognition" aber weiterhin zum Beispiel für Organisationen verfügbar machen, die nach vermissten Kindern suchen, die Opfer von Menschenhändlern geworden sein könnten.
Erst Anfang der Woche hatte IBM angekündigt, sich aus dem Geschäft mit Gesichtserkennungs-Software komplett zurückzuziehen. Der Konzern erklärte, er wolle nicht zulassen, dass Technologie für Massenüberwachung, rassistische Diskriminierung oder Menschenrechtsverletzungen verwendet werde, hiess es in einem Brief an US-Abgeordnete. Allerdings wies ein Insider darauf hin, dass der Schritt auch geschäftliche Gründe habe.
Microsoft fordert eine Regulierung bereits seit 2018 – und ist zugleich ein relevanter Lieferant von Gesichtserkennungs-Software. Bei den Redmondern mehren sich laut Medienberichten die Stimmen, die ebenfalls verlangen, dass auf eine Zusammenarbeit mit der Polizei verzichtet wird. Google scheut unterdessen schon seit Jahren davor zurück, Technologie für Gesichtserkennung anzubieten oder öffentlich zugänglich zu machen.
Die amerikanischen Polizeibehörden haben aber auch andere Alternativen. So sorgte Anfang des Jahres die Firma Clearview für Aufsehen, die eine Datenbank aus Milliarden öffentlich zugänglichen Fotos von Online-Diensten zusammentrug und unter anderem Polizeibehörden darauf zugreifen lässt.
Einige US-Städte wie etwa San Francisco untersagten den Einsatz von Gesichtserkennung. In der EU wird ein Verbot für Gesichtserkennung für bis zu fünf Jahre in Betracht gezogen.

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