Bakom entscheidet für Hoster - Switch gibt nicht auf

13. April 2011, 15:22
  • switch
  • weko
  • gerichtsurteil
image

Im Streit um Switchplus hat das Bakom im Sinne der Hosting-Provider entschieden. Switch will den Entscheid aus Bern anfechten.

Im Streit um Switchplus hat das Bakom im Sinne der Hosting-Provider entschieden. Switch will den Entscheid aus Bern anfechten.
Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat - wie heute bekannt wurde - am Montag einen Entscheid im Streit um Switchplus gefällt. Wie die Hoster, die sich gegen die angebliche Bevorzugung der Switch-Tochter im Hosting-Markt wehren, mitteilen, ist das Bakom den Argumenten der elf klagenden Hosting-Provider gefolgt und hat Switch zu "einschneidenden Massnahmen" verpflichtet.
Gemäss der Bakom-Verfügung darf die Stiftung Switch ihrer Tochter "keine werbewirksamen Leistungen mehr zur Verfügung stellen, die sie nicht auch anderen Wiederverkäufern anbietet." Die laut den Hostern "irreführende Werbung" für Switchplus auf switch.ch (siehe Screenshot) darf somit nicht mehr eingesetzt werden. Nach Meinung der Hoster missbraucht die Stiftung Switch ihre marktmächtige Stellung, indem sie ihrer Tochter Switchplus Kundenbeziehungen zuhält, teure Werbekampagnen finanziert und Switchplus personelle Ressourcen sowie IT-Infrastrukturen zur Verfügung stellt.
Switch müsse gegenüber dem Bakom künftig sämtliche Verträge oder Vertragsänderungen zwischen ihr und Switchplus offenlegen, sofern diese einen direkten oder indirekten Bezug zur Tätigkeit der Registrierung und Verwaltung von Domainnamen haben, schreiben die Hoster in der Mitteilung mit Bezug auf die Verfügung. Ausserdem müsse die Stiftung rückwirkend ab dem Rechnungsjahr 2010 sämtliche Kosten, die in Zusammenhang mit Leistungen an Switchplus stehen, jährlich in einer getrennten Kostenrechnung gegenüber dem Bakom offenlegen. Schliesslich muss Switch die Liste der Leistungen, welche sie zukünftig sowohl ihrer Tochtergesellschaft Switchplus als auch ihren Wiederverkäufern anbieten will, nicht nur veröffentlichen, sondern gleichzeitig auch dem Bakom vorlegen.
"Nicht nachvollziehbar"
Bei Switch heisst es auf Anfrage von inside-channels.ch, man habe die Verfügung des Bakoms, die noch nicht rechtskräftig sei, zur Kenntnis genommen. Die Stiftung will aber im Kampf um Switchplus nicht aufgeben: "Wir können die Schlussfolgerungen nicht nachvollziehen und erwägen daher, die Verfügung anzufechten", schreibt Switch-Sprecher Marco D'Alessandro in einem E-Mail.
Für die Hoster ist der Entscheid des Bakoms damit zumindest ein temporärer Triumph. Die elf Hoster wehren sich mit Unterstützung von 40 weiteren Providern seit rund zwei Jahren gegen den angeblichen Missbrauch der Marktmacht der Stiftung Switch beim Markteintritt der Tochterfirma Switchplus.
Das Sekretariat der Wettbewerbskommission war allerdings der Meinung, dass alles rechtens ist, doch die Hoster haben gegen den Weko-Entscheid vor kurzem eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Nach dem Bakom-Entscheid gegen Switch sind die Hosting-Provider zuversichtlich, dass auch die Weko im Sinne der Provider entscheiden wird. (Maurizio Minetti)

Loading

Mehr zum Thema

image

EU-Gericht bestätigt Milliardenstrafe gegen Google

Zwar wurde die Strafe leicht gesenkt, aber Google soll wegen Beschränkungen im Android-Markt immer noch 4,125 Milliarden Euro bezahlen.

publiziert am 14.9.2022
image

Ende eines langen Streits: EU verzichtet auf Milliardenbusse gegen Qualcomm

Nachdem ein Gericht die Strafe für nichtig erklärt hatte, verzichtet die EU-Kommission jetzt auf eine Berufung und zieht einen Schlussstrich.

publiziert am 12.9.2022 1
image

Weko-Busse drückt Gewinn von Swisscom

Wegen einer Busse und anderen Sondereffekten tauchte der Gewinn des Telcos im 1. Halbjahr um ein Viertel.

publiziert am 4.8.2022
image

Swisscom legt Rekurs gegen 72-Millionen-Busse ein

Wenig überraschend hat Swisscom Rekurs gegen die Busse im Pay-TV-Verfahren für die Übertragung von Fussball- und Eishockeyspielen eingelegt. Jetzt ist das Bundesgericht am Zug.

publiziert am 8.7.2022