Banken erkennen Potenzial der Digitalisierung noch nicht

5. Januar 2017, 12:00
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Nur ein Viertel der Schweizer Banken glaubt, dass die Digitalisierung das Finanzgeschäft fundamental verändern wird.

Nur ein Viertel der Schweizer Banken glaubt, dass sich durch die Digitalisierung das Finanzgeschäft fundamental verändern wird, so ein Ergebnis des EY Bankenbarometers.
Die Schweizer Banken haben das gesamte Potenzial der Digitalisierung noch nicht erkannt, ist EY überzeugt. Das Beratungshaus hat heute in Zürich den jährlichen Bankenbarometer präsentiert. Die Resultate basieren auf einer Befragung der Führungskräfte von 120 Schweizer Banken, inklusive einer Befragung der beiden Grossbanken zum Schweizgeschäft. Allgemein haben die Banken mit steigenden Kosten sowie mit rückläufigen Zinsen und Renditen zu kämpfen. Obwohl die Anlagevolumen steigen, bleiben die Erträge flach, fasst Patrick Schwaller, Managing Partner, Assurance Financial Services, EY Schweiz, zusammen. Ausserdem drängen mit Versicherungen und Pensionskassen branchenfremde Unternehmen in den Markt.
Ein klare Mehrheit der Bankenchefs ist nach wie vor der Ansicht, dass ihr Geschäft im Kern bestehen bleibt und die Digitalisierung in erster Linie einen zusätzlichen Vertriebskanal darstellt. Nur ein Viertel der Banken glaubt, dass sich dadurch das Finanzgeschäft fundamental verändern wird. Gleichzeitig aber bejahen 87 Prozent der Manager die Frage, ob in der Schweizer Finanzindustrie ein fundamentaler Strukturwandel begonnen hat, insbesondere mit Blick auf die Wertschöpfungskette.
Funktionen von Fintechs integrieren
Vom Strukturwandel besonders erfasst sein werden Produkte, die einen direkten Einfluss auf die Kunden haben, führt Olaf Toepfer, Leiter Banking EY Schweiz aus. Dazu gehören etwa Mobile-Payment-Lösungen. Die Banken selbst glauben, dass auch Anlageberatung (34 Prozent) und Vermögensverwaltung (28 Prozent) stark vom Strukturwandel betroffen sein werden. Robo-Advisor werden nicht in kürzester Zeit sehr weit verbreitet sein, dennoch müssen sich die Banken fragen, wie sie im Anlagegeschäft noch Geld verdienen können.
Gerade für die Regionalbanken spielt der Zahlungsverkehr eine zentrale Rolle. Diese Dienstleistungen sind laut EY weitgehend standardisiert und zudem weniger stark reguliert als andere Bereiche. Dies erleichtert es Fintechs, mit digitalen Angeboten in diesen Markt einzusteigen. In gewissen Bereichen macht es somit für die Banken durchaus Sinn, Fintechs zu kaufen und die Funktionen zu integrieren.
Banken müssen investieren, glaubt EY
Befragt nach dem Fokus für das laufende Jahr, stehen bei den Führungskräften Prozessoptimierung, Kostenreduktion und das Risikomanagement oben auf der Agenda. Letztes Jahr auf Rang 17 rückt das Thema Cybersecurity auf den zweiten Rang vor. Dies hat auch damit zu tun, dass das Thema im Fokus des Regulators steht, erklärt Toepfer. Die Manager nehmen sich zudem vor, in die Digitalisierung zu investieren und neue Anlageprodukte zu entwickeln, wie aus der Studie weiter hervorgeht.
EY blickt noch etwas weiter in die Zukunft und zeichnet ein Bild von Banking 2020. Laut dem Beratungsunternehmen wird die Regulierung hoch bleiben, die Rentabilität weiter sinken und auch in der Vermögensverwaltung muss mit deutlich tieferen Renditen gerechnet werden. Ausserdem werden branchenfremde Konkurrenten – Stichworte IT, Mobile Phones, Internet – die Marktstellung der Banken bedrohen. Davon ist eine Mehrheit der Befragten überzeugt. Stimmten dem 2013 weniger als ein Drittel zu, sind es in der aktuellen Befragung mehr als zwei Drittel der Führungskräfte. Lange Zeit haben die Banken die Gefahr durch neue Anbieter wenig ernst genommen. Die Realität ist eine andere und die technologische Entwicklung hat es möglich gemacht, so das Fazit.
Eine Mehrheit der Befragten glaubt ausserdem, dass mit der zunehmenden Digitalisierung die Kundenloyalität sinkt. Dank neuer Angebote und der Digitalisierung können sich Kunden einfach und schnell über verschiedene Produkte und Dienstleistungen informieren. Angebote lassen sich leicht vergleichen und die Relevanz einer persönlichen Beratung sinkt.
Erste Institute versuchen beispielsweise mit dem Einsatz von Robo-Lösungen, ihre Effizienz zu steigern. Diese Lösungen, so Toepfer, zeigen einen schnellen Return on Investment. Wichtig sei aber, dieses Geld bewusst in weitere Neuerungen zu investieren. Banken müssen effizienter werden, schliesst Toepfer. Herkömmliche Sparmassnahmen, wie Filialschliessungen oder Personalabbau, seien nicht nachhaltig und reichen hierzu nicht mehr aus. So passt auch der Titel des aktuellen EY Bankenbarometers: "Kosten, Effizienz und Strukturwandel". (Katharina Jochum)

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