Banken müssen Geschäftsmodelle kreativ überdenken

9. Januar 2020, 11:10
  • fintech
  • blockchain
  • innovation
  • studie
image

Digitalisierung soll den Schweizer Banken mehr bringen als Kostenreduktion. Das Bewusstsein dafür wachse, sagt EY.

Die Banken hierzulande sehen sich mit einem Strukturwandel konfrontiert. Die Überzeugung, dass in der Schweizer Finanzindustrie ein fundamentaler Strukturwandel begonnen hat, habe zugenommen, schreibt EY im aktuellen Bankenbarometer. Waren es vor zwei Jahren noch 73 Prozent, die dieser Überzeugung waren, sind es in diesem Jahr 88 Prozent.
Als Beispiele für Faktoren, die zu strukturellen Veränderungen führen, werden Digitalbanken, branchenfremde Player und Marktplätze genannt. Digitalbanken würden zwar aktuell noch keine ernstzunehmende Bedrohung für das Kerngeschäft der etablierten Banken darstellen, aber die Marken unter Druck setzen. Ausserdem würden die Neobanken in Sachen Kundenerlebnis und Benutzerfreundlichkeit neue Massstäbe setzen und damit die Erwartungen der Kunden hochtreiben.
Das grösste Bedrohungspotenzial für etablierte Finanzinstitute erkennen die Schweizer Banken bei Marktplätzen und Plattformen, über die beispielsweise Kredite oder Hypotheken vermittelt werden, sowie bei mobilen Zahlungssystemen. Ebenfalls grosses Bedrohungspotenzial wird der Blockchain-Technologie eingeräumt. Die Technologie kommt etwa bei der Tokenisierung von Vermögenswerten zum Einsatz. Bei den Privatbanken habe ausserdem der Respekt gegenüber Robo-Advisors zugenommen, obwohl diese in der Schweiz nach wie vor wenig verbreitet sind.

Traditionelle Banken müssen in digitale Angebote investieren

Neue Technologien würden branchenfremden Anbietern den Markteintritt erleichtern und somit den Wettbewerb verschärfen. Dies führe tendenziell zu sinkenden Preisen und Margen, schreibt EY. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren glauben immer mehr Bankenvertreter, dass branchenfremde Konkurrenten die Marktstellung der Banken bedrohten.
Dennoch würden die Schweizer Banken überwiegend Chancen in der Digitalisierung sehen, insbesondere für die Kostenreduktion. 61% Prozent der Banken haben in der Befragung angegeben, der Digitalisierung optimistisch entgegen zu stehen und zu glauben, dass die etablierten Institute langfristig als Sieger aus dieser Entwicklung hervorgehen werden.
Allerdings, so EY, würden die Banken mit einer blossen Fokussierung auf Kostensparmassnahmen die Chancen der Digitalisierung nicht vollumfänglich für sich nutzen. "Wollen die Banken tatsächlich als Gewinner aus der Digitalisierungswelle hervorgehen, kommen sie nicht umhin, ihre Geschäftsmodelle aus der Sicht ihrer Kunden zu überdenken – und dies mit Kreativität", so die Autoren.

Bei den Kryptowährungen warten Banken zu

Es sei noch zu früh, um ein klares Bild für die Risiken und Chancen von Kryptowährungen zu zeichnen, führt EY aus. 57% der befragten Bankenvertreter würden die Risiken höher einschätzen als den Nutzen, wobei insbesondere die Regionalbanken die Risiken hoch bewerten würden.
Es sei noch nicht eindeutig, welche Rolle Kryptowährungen innerhalb und ausserhalb des Banken-Bereichs künftig hätten. Deshalb warte der Grossteil der Banken noch die weitere Entwicklung ab, eine Strategie im Umgang mit Kryptowährungen zu definieren.
Das EY Bankenbarometer basiert auf einer im November 2019 durchgeführten Befragung von 100 GL-Mitgliedern von verschiedenen Banken in der ganzen Schweiz inklusive CS Schweiz und UBS Schweiz. Auch die Schweizer Einheiten der zwei Grossbanken wurden befragt. Es wurden ausserdem 2000 Bankkunden in der Schweiz befragt. Die vollständigen Ergebnisse gibt es als PDF bei EY.

Loading

Mehr zum Thema

image

Google will ChatGPT-Konkurrenz öffentlich zugänglich machen

OpenAI hat mit Microsoft den Kampf um die Zukunft des Internets eröffnet, nun zieht Google nach. Das bedeutet ein Umdenken im Suchmaschinenkonzern.

publiziert am 3.2.2023
image

Wie die Schweizer Bevölkerung die Digitalisierung wahrnimmt

Cybergefahren werden präsenter, E-Government-Vorhaben nicht: Die Stiftung Risiko-Dialog hat der Schweiz auf den digitalen Zahn gefühlt.

publiziert am 2.2.2023
image

ChatGPT: OpenAI entwickelt KI, um eigene KI zu entlarven

Die Firma hat ein neues Tool auf den Markt gebracht, das erkennen soll, ob ein Text von einem Menschen oder einer KI geschrieben wurde.

publiziert am 1.2.2023
image

Darkweb-Salärstudie: Das sind die Löhne der Cyberkriminellen

Für gefragte Malware-Entwickler gibt es Top-Löhne. Das Durchschnittsgehalt ist aber vergleichsweise bescheiden.

publiziert am 1.2.2023