Basel-Stadt bald mit Mobilfunkproblemen?

15. Oktober 2012, 14:46
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Der Kanton Basel-Stadt will mit einem sogenannten Kaskadenmodell gegen den Bau von Mobilfunkantennen in Wohngebieten vorgehen. Darunter würde die Versorgungsqualität für die Mobilfunknutzer leiden, sagt der Telekomverband Asut.

Der Kanton Basel-Stadt will mit einem sogenannten Kaskadenmodell gegen den Bau von Mobilfunkantennen in Wohngebieten vorgehen. Darunter würde die Versorgungsqualität für die Mobilfunknutzer leiden, sagt der Telekomverband Asut.
Im Kanton Basel-Stadt sollen keine Mobilfunkantennen in Wohngebieten gebaut werden. Das verlangt das Basler Kantonsparlament. Kürzlich wurde darum die Motion von Fraktionspräsident Christoph Wydler der Evangelischen Volkspartei (EVP) und der Demokratisch-Sozialen Partei zur Einführung eines sogenannten Kaskadenmodells für die Standorte von Mobilfunkanlagen angenommen, wie die 'NZZ' am Samstag schrieb. Der Regierungsrat muss in den kommenden drei Monaten Stellung beziehen. Wydlers Problem ist die Mobilfunkstrahlenbelastung. Der Schweizerische Verband der Telekommunikation (Asut) findet, dass die politischen Forderungen im Kanton Basel-Stadt in die falsche Richtung gehen. "Damit riskiert man eine schlechte Mobilfunkversorgung und eine Schwächung der Wirtschaft", so Asut in einem Statement gegenüber inside-it.ch.
Der Fraktionspräsident sieht mit dem Kaskadenmodell vor, dass Antennen vorzugsweise in Arbeitszonen, wo niemand lebt, gebaut werden sollen. "Falls das nicht möglich ist, sollen sie in gemischten Zonen und nur in Ausnahmefällen in Wohngebieten gebaut werden", schreibt die 'NZZ' weiter. Genau in den Wohngebieten ist die Nachfrage nach Frequenzen am grössten, was zu erheblichen Funknetz-Qualitätseinbussen führen könnte. "Ohne Ausbau der Netze droht ein Qualitätsverlust, den sich die Schweiz nicht leisten kann. Gerade eine Wissensgesellschaft wie die Schweiz ist auf eine hervorragende Mobilfunkversorgung angewiesen, denn heute gehört Mobilfunkabdeckung zur Grundversorgung", so Vania Kohli, Geschäftsführerin von Asut.
Die Folgen könnten massiv sein
Bereits seit 2002 besteht im Kanton Basel-Stadt ein Moratorium, das den drei Telcos Sunrise, Orange und Swisscom den Bau von Mobilfunkantennen in öffentlichen Gebäuden unmöglich macht. Wird Wydlers "Kaskadenmodell-Wunsch" baupolitische Realität, müssen die Mobilfunkbetreiber wegen des Baumoratoriums diverse Antennen in der Basler Innenstadt abmontieren, was wiederum dazu führen würde, dass einerseits der Mobilfunkausbau bis zum LTE-Standard erschwert wird und der Wirtschaftsstandort Basel wegen der Versorgungsqualität für die Mobilfunknutzer darunter leiden könnte. Dass die bürokratischen Hürden für die Telcos dadurch steigen, liegt auf der Hand. Die zusätzlichen Kosten werden dann wohl auf die Kunden abgewälzt. Vania Kohli: "Will sich Basel wirklich von der modernen Wissensgesellschaft abkoppeln? Die Asut hat kein Verständnis dafür."
Feuerwehr ohne Handy-Empfang
Das Beispiel vom Baumoratorium in Bezug auf die Swisscom am Basler Spaltentor zeigt, welche Folgen das Bauverbot mit sich bringt, wie die 'NZZ' schreibt: Die Swisscom war gezwungen, eine Antenne abzubauen, weil der Pachtvertrag mit einem privaten Mieter ausgelaufen war und dieser nicht verlängern wollte. Die nahegelegene Feuerwehr beklagte sich dadurch über schlechten Handy-Empfang. Swisscom wollte daraufhin eine Mobilfunkantenne direkt auf dem Feuerwehrgebäude anbringen und erhielt wegen des Baumoratoriums kein grünes Licht. Die Feuerwehr klagt weiterhin wegen schlechtem Handy-Empfang. (Hanna Lauer)

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