Basel-Stadt will keine Open-Source-Clients, aber...

11. Februar 2010, 14:46
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Neuer IT-Chef und neues Rechenzentrum für Basel-Stadt. Chancengleichheit für Open-Source-Software aber kein generelles Linux-Desktop-Projekt.

Neuer IT-Chef und neues Rechenzentrum für Basel-Stadt. Chancengleichheit für Open-Source-Software aber kein generelles Linux-Desktop-Projekt.
Der Kanton Basel-Stadt hat einen neuen IT-Chef und per 2013 auch ein neues, erdbebensicheres Rechenzentrum. Neuer Leiter der Zentralen Informatikdienste (ZID) des Halbkantons wird ab 1. Mai René Kilcher (Foto). Sein Vorgänger, Markus Giavina, lässt sich per Ende August frühzeitig pensionieren.
Kilcher ist eine kantonsinterne Lösung. Er ist aktuell bei der Finanzverwaltung für die Informatikstrategie und -Steuerung verantwortlich und ist der Leiter der Task Force Informatikzentrum.
Beharren auf Neubau am Steinengraben
Nachdem der Basler Grosse Rat das Projekt eines neuen Informatikzentrums im September 2008 bachab geschickt hat, legt der Regierungsrat das Projekt nun neu vor. Da sich das Projekt nun verzögert hat und es verbessert wurde, kommt es gemäss Regierungsrat nun ungefähr eine Million Franken teurer zu stehen. Total will Basel-Stadt nun etwas über 27 Millionen Franken für das neue Rechenzentrum ausgeben.
Statt wie bisher 560, planen die Basler nun mit einem Bedarf von 300 Quadratmeter Fläche. Die restliche Fläche soll dem Universitätsspital Basel vermietet werden.
Eigenentwicklungen im Open-Source-Modell
Einen Grundsatz-Entscheid hat die baselstädtische Regierung auch in Sachen Open-Source gefällt. Weil zwei Studien gezeigt hätten, dass nur 27 Prozent (!) der PC-Arbeitsplätze des Stadtkantons ohne weiteres auf Linux umgerüstet werden können, wird man bei Windows bleiben. Zudem würde die Umrüstung der PCs auf Open-Source-Software nur marginale Einsparungen bringen, weil der Wegfall der Lizenzkosten durch die erhöhten Supportkosten in einer gemischten Umgebung kompensiert würden, so die Regierung. Trotzdem verschliesst man sich dem Ruf nach Linux auf dem Arbeitsplatz nicht und will einen Pilotversuch mit 100 Arbeitsplätzen, die komplett mit Open-Source-Software ausgestattet werden, durchführen.
Wichtiger ist aber der Beschluss, dass vom Kanton finanzierte Eigenentwicklungen (z.B. E-Government-Anwendungen) unter einem Open-Source-Geschäftsmodell erfolgen sollen.
Ausserdem wird Basel-Stadt die Zuschlagskriterien bei der Beschaffung von Informatik so ändern, dass Open-Source-Produkte und -Anbieter nicht diskriminiert werden. Unspezifische Informatik-Leistungen, die von externen besser und billiger erbracht werden können, solchen künftig eingekauft werden, so der Regierungsrat.
Alles in allem fährt man am Rheinknie also eine ausgesprochen pragmatische Strategie: Open-Source bei Eigenentwicklungen, was mit der Zeit Synergien mit anderen Städten und Kantonen bringen kann, während man in der Client-Frage hingegen undogmatisch bei Windows und damit beim einem de-fakto-Standard bleibt. (Christoph Hugenschmidt)

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