Baselbieter SAP-Projekt: Wieder Beschwerde und eine Strafanzeige

27. September 2007, 15:20
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Die Kontroverse um die ERP-Ausschreibung des Kantons Baselland spitzt sich zu. Strafuntersuchung gegen Unbekannt, wieder Beschwerde gegen die Ausschreibung des Projekts.

Die Kontroverse um die ERP-Ausschreibung des Kantons Baselland spitzt sich zu. Strafuntersuchung gegen Unbekannt, wieder Beschwerde gegen die Ausschreibung des Projekts.
Die Kontroverse um die Ausschreibung eines neuen ERP-Systems des Kantons Baselland spitzt sich zu. Heute veröffentlichte der Tages-Anzeiger einen langen Artikel, in dem einige neue Aspekte des Falls auf den Tisch kommen.
Es geht um die Ausschreibung eines neuen betriebswirtschaftlichen Systems (Finanzen und HR) für den Kanton. Diese wurde vom SAP-Partner Novo Business Consultants gewonnen, musste aber nach Beschwerden der unterlegenen Anbieter Wilken und Soreco wiederholt werden, wie wir im Juli exklusiv berichteten. Das umstrittene 13-Millionen-Projekt erlitt damit einen zumindest zeitlichen Rückschlag.
Gemäss Tages-Anzeiger gibt es innerhalb des Kantons Baselland heftige Opposition gegen den Entscheid für SAP. Sogar an der Konferenz der Generalsekretäre der Regierungsdirektionen sei die ERP-Evaluation massiv kritisiert worden. Michael Bammatter, Generalsekretär der federführenden Finanz- und Kirchendirektion dementiert gegenüber inside-it.ch: "Ich bin selbst Präsident der Generalsekretären-Konferenz. Der Inhalt der ERP-Evaluation war nie auch nur ein Thema." Richtig ist hingegen, dass es innerhalb des Projekts Widerstände gab. Bammatter: "Es stimmt, dass es Kritiken gab. Wir alle – Projektteam, Lenkungsausschuss und Regierung – haben uns intensiv damit auseinandergesetzt. Der Vorwurf, wir hätten die Kritik unter den Tisch gewischt, ist aus der Luft gegriffen."
Kriterien, die nur SAP erfüllen kann?
Auf jeden Fall falsch ist die Behauptung des 'Tagi', dass sich der Kanton Baselland bereits wieder für SAP entschieden habe. Richtig ist, dass letzte Woche die Offertöffnung stattfand. Der Entscheid für SAP oder den letzten im Rennen verbliebenen Konkurrenten Wilken ist aber noch nicht gefallen.
Doch auch die jetzt laufende Neu-Evaluation des ERP-Systems für den Kanton Baselland könnte wieder in Frage gestellt werden, denn Wilken hat wieder Beschwerde eingelegt. Doch im Gegensatz zur erfolgreichen Beschwerde von diesem Frühling hat das Kantonsgericht der Beschwerde diesmal die aufschiebende Wirkung entzogen, wie Bammater zu inside-it.ch sagte.
"Es ist klar, dass wir ein Standardprodukt wollen. Doch es trifft nicht zu, dass wir von Anfang an für SAP eingestellt gewesen wären. Der Regierungsrat hat sich bereits vor der Ausschreibung nach einer langen Evaluation und dem Abwägen von allen Vor- und Nachteilen in einem Grundsatzentscheid für eine integrale Plattform, mit einer integrierten HR- und Finanzlösung entschieden. Ich denke, dass auch ein Anbieter wie Oracle eine gute Chance gehabt hätte," so Bammatter.
Strafanzeige gegen "Kassandra"
Der Kampf um das Baselbieter ERP-Projekt wird mit harten Bandagen geführt. Eine unbekannte Person, die sich in anonymen E-Mails "Kassandra" nannte, scheint mindestens einen, je nach Sichtweise "benachteiligten" oder "unterlegenen" Mitbewerber, mit Insiderinfos versorgt zu haben.
Gegen "Kassandra", also gegen Unbekannt, hat der Kanton Baselland Strafanzeige wegen Verletzung des Amtsgeheimnisse eingereicht, bestätigt Bammatter. Begründung: Durch die Weitergabe von Informationen sei ein Mitbewerber im Projekt bevorzugt worden.
Teures Prozedere
Die Baselbieter ERP-Evaluation sorgt mit der Strafanzeige gegen "Kassandra" und der erneuten Beschwerde gegen die zweite Ausschreibung also weiter für Gesprächsstoff. Und sie wird teuer für alle Beteiligten. Für den Kanton Baselland, weil sich das Projekt verzögert, für die unterlegenen Bewerber, weil sie einen riesigen Aufwand treiben mussten. Alleine für die erste Ausschreibung mussten 1'115 Fragen beantwortet werden... (Christoph Hugenschmidt)

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