Baselland will RZ mieten statt kaufen

21. September 2011, 14:59
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Baselbieter Evaluation zeigt grosse Kostenunterschiede beim Entscheid, ein Backup-Rechenzentrum selbst zu bauen oder sich einzumieten.

Baselbieter Evaluation zeigt grosse Kostenunterschiede beim Entscheid, ein Backup-Rechenzentrum selbst zu bauen oder sich einzumieten.
Der Regierungsrat des Kantons Baselland veröffentlichte gestern in einer Vorlage an den Landrat (Parlament) einen detaillierten Vergleich der Kosten (Investition und Betrieb) für den Bau eines eigenen Backup-Rechenzentrums und der Miete von Rechenzentrums-Platz bei einem Dienstleister. Die Unterschiede sind frappant: Während die Einmietung im Rechenzentrum bei Colobâle in Pratteln Investitionen von 850'000 Franken auslösen wird, würde der Umbau eines bestehenden, geeigneten Gebäudes ungefähr 10 Millionen Franken verschlingen, rechnet die Baselbieter Regierung dem Parlament vor.
Besser für die Variante "Neues RZ" sieht es bei den Kosten für Miete, Pikett und Unterhalt aus. Colobâle kommt auf 805'000 Franken pro Jahr, während das Backup-RZ im alten Zeugheus des Kantons nur Kosten von 270'000 Franken pro Jahr verursachen würde. Dieser Vorteil für die Variante "Neues RZ" würde aber durch höhere Energiekosten bei weitem wieder zunichte gemacht. Der Kanton rechnet mit durchschnittlichen Energiekosten von 449'950 Franken pro Jahr für das eigenen RZ während die Energie beim Houser nur auf 376'680 Franken pro Jahr zu stehen kommen wird. Dies ist nachvollziehbar, kann doch ein spezialisierter Dienstleister wesentlich mehr in energiesparende Massnahmen für die Kühlung und die Wiederverwendung von Warmwasser investieren als dies für ein kleines Rechenzentrum mit nur 100 Quadtratmeter Nutzfläche möglich ist. Der Baselbieter Regierungsrat kommt damit bei der Variante "Eigenbau" auf einen (negativen) hypothetischen "Wert" (Net Present Value) von - 3'891'000 Franken.
Colobâle billiger als EBM und IWB
Colobâle betreibt nach eigenen Angaben in Pratteln ein Rechenzentrum mit 2000 Quadtratmetern Nutzfläche. Der Houser gehört zwei Privatfirmen, Improware und NTS Workspace sowie der Elektra Baselland. Der Regierungsrat hat zwei weitere RZ-Anbieter evaluiert: EBM Telecom Münchenstein und das RZ der Basler IWB.
Während sich die Rechenzentrums-Anbieter gewöhnlich in Sachen Miet- und Strompreisen, die sie Ihren Kunden verrechnen, sehr bedeckt halten, veröffentlich der Regierungsrat im Antrag an das Parlament einen detaillierten Preisvergleich. Erstaunlich sind die unterschiedlich berechneten Energiekosten für eine mittlere Auslastung von 200kW mit Option auf 350 kW. Colobâle kommt auf 465'000 Franken pro Jahr, EBM auf 544'000 und die Basler IWB auf 557'000 Franken (Siehe Antrag Seite 8).
"Dringender Handlungsbedarf"
Der Kanton Baselland ist gemäss dem Regierungsrat dringend auf ein neues Backup-Rechenzentrum angewiesen, weil das bestehende, eigene RZ im Untergeschoss der kantonalen Gebäudeversicherung überhaupt nicht mehr den Anforderungen genügt und dringend umgebaut werden muss. Die Haustechnik ist veraltet und kann nur noch mit grossem Aufwand in Betrieb gehalten werden, heisst es in dem Antrag. So gibt es keine Ersatzteile mehr für die Gebäudeleittechnik und die Kälteanlage muss wegen Umweltvorschriften bis spätestens 2014 ersetzt werden.
Erst wenn ein Backup-RZ vorhanden ist, kann der Kanton sein bestehendes Rechenzentrum modernisieren und danach eine moderne Infrastruktur mit zwei gespiegelten Zentren betreiben.
Der Kanton hat offenbar auch Standorte in der Zentralschweiz evaluiert. Diese kämen nicht in Frage, weil das Backup-RZ für den Pikettdienst der zentralen Informatikdienste innert 30 Minuten erreichbar sein muss, so der Regierungsrat.
Anders als der Kanton Baselland hat die Stadt Zürich vor einem Jahr beschlossen, ein eigenes Backup-Rechenzentrum zu bauen. (Christoph Hugenschmidt)

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