Bechtle gibt Navision-Bereich an Peter Blums Skybow ab (Update)

30. Mai 2006, 16:09
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Navision-Team und -Kunden der Bechtle IT-Systemhäuser werden von Skybow übernommen.

Navision-Team und -Kunden der Bechtle IT-Systemhäuser werden von Skybow übernommen.
Skybow und Bechtle haben heute unter dem Titel "strategische Partnerschaft" bekannt gegeben, dass Skybow die bestehenden Kundenverpflichtungen der Bechtle IT-Systemhäuser im Bereich Microsoft Business Solutions übernehmen und die Berater des Bechtle IT-Systemhauses in das eigene Consulting-Team integrieren wird.
Wie uns Peter A.C. Blum, der Mitgründer und CEO der Küsnachter Skybow unsere Vermutung bestätigte, handelt es sich dabei um das noch nicht sehr lange bestehende Navision-Team der Bechtle IT-Systemhäuser. Bechtle hatte erst im letzten September begonnen, dieses Team aufzubauen. Wie Blum uns erklärte, werden fünf bis sieben Leute zu Skybow wechseln. Skybow ist auf Beratung, Softwareentwicklung und Lösungen im Microsoft-Umfeld spezialisiert und will in Zukunft gemäss Blum den CRM- und nun auch den ERP-Bereich stärker forcieren.
Blum ist kein Unbekannter in der Szene: Er war 1990 einer der Gründer von Microsoft Schweiz und leitete danach die Schweizer Niederlassung des Softwareriesen bis 1999. Skybow wurde 2001 gegründet, ist seither rasch gewachsen und beschäftigt momentan bereits 42 Mitarbeitende. (Peter Blum allerdings machte in dieser Zeit eher Schlagzeilen mit seiner zusammen mit dem Simultan-Gründer Peter Pfister auf die Beine gestellten Fluggesellschaft Helvetic, die in diesem Frühjahr von Marcel Ebner aufgekauft wurde.)
Strategische Partnerschaft…aber wie eng?
Die Bechtle IT-Systemhäuser haben damit also ihren Plan, sich ein weiteres Standbein im Lösungsgeschäft mit Navision zu verschaffen, schnell wieder fallen gelassen. Kompensiert werden soll dies allerdings durch vermehrte Integrationsprojekte in Projektpartnerschaften mit Skybow. Die beiden Unternehmen wollen sowohl bei der Akquisition als auch der Abwicklung von Projekten im Bereich Microsoft Business Solutions eng zusammenarbeiten.
Skybow soll für die Konzeption, Entwicklung und Realisation von geschäftskritischen Lösungen zuständig sein, Bechtle für die Systemintegration. Oder wie das Blum ausdrückt: "Wenn es gemeinsame Projekte gibt, werden wir für die Softwareseite – Beratung, Implementation, Anpassung usw. – zuständig sein und Bechtle für alles, was mit dem 'Blech' zusammenhängt." Gemäss Blum wird die Partnerschaft aber nicht exklusiv sein: Man behalte sich bei Skybow vor, auch mit anderen Integrationspartnern zusammenzuarbeiten.
Zu klein geblieben?
Ein Grund für Bechtle, das eigene Navision-Teams wieder abzugeben, dürfte dessen mangelnde Grösse gewesen sein. Eine ERP-Abteilung aus eigener Kraft schnell wachsen zu lassen, ist nicht einfach, und eine Übernahme in diesem Bereich hat Bechtle seit dem letzten Herbst auch nicht getätigt. Vielleicht schätzten die möglichen Kandidaten ihren Wert nach dem Geschmack des Bechtle-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Schick weiterhin "noch nicht marktgerecht" ein.
Druck auf MBS-Partner, eine gewisse kritische Grösse zu erreichen, gibt es sowohl von Microsoft selbst – durch steigende Ansprüche bei der Zertifizierung – als auch durch die Konkurrenzsituation. Durch die Übernahme von MGA durch redIT ist gerade ein eigentliches Schwergewicht unter den MBS-Partnern in der Schweiz entstanden. Auch Bechtle soll übrigens, wie uns zu Ohren kam, an MGA interessiert gewesen sein.
(Update) Thomas Willenegger, der Chef der Bechtle IT-Systemhäuser, bestätigte im Gespräch mit inside-channels.ch die mangelnde Grösse des Teams als Grund für den Bechtle-Beschluss, stellte dabei aber noch einen anderen Aspekt in den Vordergrund: "Es hat eigentlich für uns zu gut geklappt." Man habe sehr viele Anfragen von Kunden gehabt, aber aus eigener Kraft das Team nicht schnell genug aufstocken können, um die möglichen Projekte sauber zu bewältigen. Darum habe man sich dazu entschlossen, mit einem Partner zusammenzugehen. "Die Kunden standen bei unserem Entschluss im Vordergrund."
Spekulieren könnte man natürlich auch darüber, ob auch das Verhältnis von Delec zu seinem ERP-Herstellerpartner und MBS-Konkurrenten Abacus beim Entschluss nachgeholfen haben könnte. Delec, der "andere" grossen Schweizer Bechtle-VARs, wird ebenfalls von Thomas Willenegger geleitet. Willenegger widerspricht allerdings dieser Spekulation: Sein Verhältnis zu Abacus sei immer "hervorragend" gewesen. (Hans Jörg Maron)

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