Bechtle glänzt in Deutschland...

10. August 2012, 10:45
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... und hat Probleme in der Schweiz und in Österreich. Absprung der Grosskunden UBS und Nestlé.

... und hat Probleme in der Schweiz und in Österreich. Absprung der Grosskunden UBS und Nestlé.
Hat jemand Euro-Krise gesagt? Der paneuropäische VAR- und E-Commerce-Konzern Bechtle zeigt hervorragende Zahlen. Im zweiten Quartal 2012 steigerte Bechtle den Umsatz um 7,6 Prozent auf 983 Millionen Euro. Vor allem in Deutschland lief das Geschäft sehr gut. So legte der Umsatz im Systemhaus-Business in Deutschland um 13,1 Prozent zu. Europaweit setzte Bechtle im IT-Projektgeschäft im zweiten Quartal 2012 643 Millionen Euro um.
Auch im E-Commerce-Business, wo Bechtle mit den Marken Bechtle direct, Comsoft und ARP nun in 14 europäischen Ländern präsent ist, konnte der Konzern den Umsatz um 5,3 Prozent auf 340 Millionen Euro steigern.
Unerschrockene Investitionen nagen am Gewinn
Weniger gut sieht hingegen die Entwicklung des Gewinns aus. Dies weil Bechtle massiv in qualifizierte Mitarbeitende und Weiterbildung investiert und die Abschreibungen nach Akquisitionen etwas gestiegen sind. Wie Bechtle-Konzernchef Thomas Olemotz heute Morgen an einer Telefonkonferenz sagte, sank die EBIT-Marge (eine Kennzahl, die den operativen Gewinn vor Steuern und Zinsen zeigt) von 4,4 auf 3,1 Prozent des Umsatzes. Der Konzern bleibe aber beim langfristigen Ziel einer EBIT-Marge von fünf Prozent, so Olemotz.
Bechtle erzielte im Berichtszeitraum eine Gewinn auf EBIT-Stufe von 33 Millionen Euro, rund fünf Millionen weniger als vor einem Jahr.
Nicht ohne Stolz nannte Olemotz Beispiele für die Investitionen des Konzerns in Mitarbeitende: Bechtle bildet aktuell konzernweit 331 Lehrlinge aus und alleine diesen September beginnen weiter 120 junge Menschen eine Lehre bei Bechtle. Ausserdem hat der Konzern die Zahl der Mitarbeitenden im zweiten Quartal um 166 Leute (durch Firmenzukäufe und Anstellungen) erhöht und beschäftigt nun 5'750 Menschen.
Schweiz: Umsatz mit UBS und Nestlé soll kompensiert werden
Nicht so toll lief das Geschäft für Bechtle in der Schweiz, wo das Systemhausgeschäft unter dem Weggang von zwei Grosskunden litt. So hat UBS den Printer-Vertrag mit der Bechtle-Firma Coma aufgelöst und in der Romandie beendete Nestlé einen Outsourcing-Vertrag mit Bechtle. In Österreich scheint Bechtle hingegen ein tieferes Problem im Systemhaus zu haben, es wird gemäss Olemotz restrukturiert. Die Folgen sind relativ dramatisch: Der Umsatz im VAR-Geschäft in der Schweiz und Österreich sank im zweiten Quartal um 19 Prozent auf noch 49 Millionen Euro. Bechtle Schweiz büsste gemäss Olemotz ungefähr sechs Millionen Euro Umsatz und auch entsprechend viel Gewinn ein, wie er in der Telefonkonferenz sagte.
40 Stellen weniger
Wegen den beiden verlorenen Grossaufträgen hat Bechtle Schweiz nun 40 Stellen weniger - die meisten davon sind allerdings Jobs beim Kunden selbst, die nun woanders sind. Olemotz glaubt, dass Bechtle Schweiz die beiden Grossaufträge kompensieren könne.
"Praktisch schuldenfrei"
Insgesamt scheint der Konzern von der Euro-Krise völlig unbeeindruckt. Es wird kräftig in die Expansion und in die Qualifikation der Mitarbeitenden vor allem in Sache Storage, Cloud und Virtualisierung, investiert. Olemotz betonte, dass eine sich verschärfende Wirtschaftslage eben auch Chancen zu weiteren Übernahmen (Bechtle hat zum Beispiel erst kürzlich das CAD-Business ausgebaut) böten. Er habe laufend etwa fünf Angebote auf dem Tisch. Darunter auch solche, die man sehr genau prüfe.
Das Geld für kleinere (wahrscheinlich) und grössere (eher unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen) Firmenkäufen ist da. Bechtle sei de facto schuldenfrei, sagte Olemotz. Der Konzern sass Ende 2. Quartal auf liquiden Mitteln von 108 Millionen Euro. (Christoph Hugenschmidt)

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