Bedag im Gegenwind

14. April 2014, 07:42
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Die Kritik an den zu hohen IT-Kosten in Bern trifft vor allem Bedag. Der IT-Dienstleister wehrt sich.

Die Kritik an den zu hohen IT-Kosten in Bern trifft vor allem Bedag. Der IT-Dienstleister wehrt sich.
In der Informatik der Berner Kantonsverwaltung gibt es ein Sparpotenzial von 24 Millionen Franken - pro Jahr. Dies hat Anfang April ein Expertenbericht des Consulters AWK festgehalten. Nach der Veröffentlichung des Berichts hagelte es in Bern Kritik an den zu hohen IT-Kosten. Im Fokus stehen die Regierung, das Kantonale Amt für Informatik und Organisation (Kaio) sowie jetzt auch der einst vom Kanton ausgelagerte IT-Dienstleister Bedag. So heisst es etwa, dass es für den Kanton schwierig sei, die Leistungen von Bedag zu überprüfen.
Gegenüber dem 'Bund' gibt sich Bedag-CEO Peter Schmutz erstaunt. "Gerade das Kaio schreibt fast alle seine Aufträge öffentlich aus. Und überhaupt ist das Amt mit den grössten Aufträgen bei uns die bernische Steuerverwaltung. Einen langjährigen Leistungsvertrag ohne Ausschreibung hat die Bedag vom Kanton Bern nur für die Grosssysteme im Mainframebereich. Aber dafür gibt es gar keinen Markt."
Auf die Frage, ob sich Bedag - wie vom Expertenbericht vorgeschlagen - aus dem Software-Entwicklungs-Geschäft zurückziehe, sagt Schmutz: "Diese Empfehlung kann ich nicht nachvollziehen. Die Entwicklung von Software rechnet sich und ermöglicht uns den Einstieg in neue Märkte und gibt Synergien im Rechenzentrumsbetrieb. In der Schweiz gehören wir mit 160 Personen übrigens zu den grössten Software-Entwicklern. Wir realisieren einen Viertel unseres Umsatzes mit der Software-Entwicklung."
Einer der Bedag-Kritiker ist Hans Grunder. Als der heutige BDP-Nationalrat noch für die SVP im Grossen Rat sass, forderte er erfolglos den Verkauf von Bedag. "Damals wie heute habe ich den Eindruck, dass der Wettbewerb nicht spielt und der Kanton zu viel bezahlt", sagt er zum 'Bund'.
"Auch wenn Bern eine Submission ausschriebe, wären wir Privaten gegen die Bedag chancenlos", sagt Grunder, der mit seiner vor zehn Jahren gegründeten Firma Geocom geografische Informationssysteme entwickelt. Die Beschaffungsgesetze würden mit allen Kniffs systematisch ausgehebelt. Grunder fordert, dass der Kanton Aufträge wie Private ausschreiben soll und nur dafür, und zur Überprüfung der eingekauften Leistungen, Personal beschäftigen soll.
Bedag erntet auch von den beiden linken Grossräten Blaise Kropf und Patric Bhend Kritik. Angeprangert werden etwa personelle Verflechtungen. Ausserdem steht die Frage im Raum, ob Bedag auch alleine überleben könnte. (mim)

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