Bericht nennt weitere Mitwisser der Crypto-AG-Affäre

2. November 2020, 15:15
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Bald soll der Bericht des Bundes zur Crypto-AG-Affäre vorliegen. Die 'NZZ' nennt Namen von mutmasslich Informierten und Unwissenden.

Am 10. November soll der Abschlussbericht in Sachen Crypto AG der parlamentarischen Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) der Geschäftsprüfungskommission (GPK) publiziert und den Medien präsentiert werden. Die Untersuchung der GPDel würde bestätigen, dass es in der Schweiz etliche Mitwisser gegeben habe, berichtet die 'NZZ' in ihrer Printausgabe. 
Für den Bericht habe die GPDel auch Zugriff auf Akten gehabt, die in einem Armee-Bunker gelagert worden seien. In diesen würden Mitwisser und Involvierte genannt, sagten Insider und Personen aus dem Umfeld der Untersuchungskommission der 'NZZ'. Bei den Akten handle es sich um einen Fundus des früheren Strategischen Nachrichtendienstes, der heute Teil des NDB ist
Laut Recherchen der Zeitung waren Verbindungsleute zu den amerikanischen Geheimdiensten CIA und NSA - den Besitzern von Crypto AG - in tieferen Etagen angesiedelt. Etwa habe Oberst Fred Schreier eine zentrale Rolle gespielt, so der Bericht mit Berufung auf mehrere Quellen. Der ehemalige Leiter des strategischen Nachrichtendienstes Schreier war demnach unter Nachrichtendienstchef Peter Regli in den 1990er Jahren für die Beschaffung und die Auswertung von Nachrichten verantwortlich. Er schied 2001 aus dem Nachrichtendienst aus. Wie es weiter heisst, sei Regli nach dem Militärgesetz rechtlich "wohl auf der sicheren Seite" gestanden. Nach diesem ist es Aufgabe des Nachrichtendienstes, bedeutsame Informationen über das Ausland zu beschaffen und auszuwerten.
In den Akten aus dem Armeebunker werde auch Paul Zinniker mit der Crypto-Affäre in Verbindung gebracht, schreibt die 'NZZ'. Er war bis 2019 stellvertretender Direktor des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB). In dieser Funktion sei er unter anderem für die Nachrichtenbeschaffung verantwortlich gewesen. Zuvor hatte Zinniker den Nachrichtendienst zweimal für kurze Zeit interimistisch geleitet.
Sowohl Regli als auch Seiler sind laut der 'NZZ' von der GPDel zur Crypto-Affäre befragt worden. Im Abschlussbericht würden sie aber nicht oder nur marginal belastet.
Der Verdacht, dass die Alt-Bundesräte Kaspar Villiger und Arnold Koller von der Spionage-Affäre gewusst hätten, werde offenbar nicht bestätigt, schreibt die 'NZZ'. Demnach werden auch keine anderen ehemaligen Bundesräte im provisorischen GPDel-Bericht belastet.
Die Spionageaffäre um die Crypto AG wurde Anfang 2020 von verschiedenen Medien publik gemacht. Die Enthüllungen zeigten, dass die Zuger Firma Crypto AG Verschlüsselungsgeräte mit Backdoors verkauft hat, die es der CIA und zeitweise auch dem deutschen Nachrichtendienst BND ermöglichten, über Jahrzehnte andere Staaten auszuhorchen. Die Operation lief Berichten zufolge bis mindestens 2018. Seit die Affäre an die Öffentlichkeit gelangte, gab es eine Reihe von Berichten, über mögliche Mitwisser und Involvierte. Auch das im Sommer 2020 veröffentlichte Buch "Operation Crypto" des Journalisten Res Strehle nennt mutmassliche Mitwisser. 

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