Bern beantragt über 4,5 Millionen für 4 IT-Projekte

5. Februar 2021, 12:10
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Der Gemeinderat der Stadt Bern hat vier Investitionskredite gesprochen. Der grösste wird für den Ersatz einer Navision-Lösung benötigt.

Der Berner Gemeinderat hat zuhanden des Stadtrats einen Investitionskredit in der Höhe von 3,98 Millionen Franken zur Einführung neuer Softwaresysteme für das Management der städtischen Immobilien gesprochen, teilt die Stadtregierung mit. Weiter wird ein Verpflichtungskredit über 1,094 Millionen für den Betrieb für die Jahre 2023 bis 2027 beantragt.
Die seit 15 Jahren im Einsatz stehende Individuallösung könne nicht weiterentwickelt werden. Sie basiere auf der Standardlösung "Microsoft Dynamics Navision 2009 R2", für welche der Support durch Microsoft seit April 2020 nicht mehr gewährleistet sei. Deshalb soll sie im Rahmen des Projekts "Domum" durch Branchenlösungen ersetzt werden. Mit diesen sollen Immobilienmanagement, Bau- und Projektmanagement, Investitionsplanung sowie Dokumentenmanagement verwaltet werden.
Eine Situationsanalyse habe zum Resultat geführt, dass die bisherigen Prozesse nicht mit einem einzelnen Standardsoftwareprodukt wirtschaftlich abbildbar seien, heisst es im Vortrag zum Projekt "Domum". Immobilien Stadt Bern (ISB) und Hochbau Stadt Bern (HSB) hätten deshalb ein Konzept für die künftige Softwarelandschaft erarbeitet. Dabei wurden folgende Lösungen geprüft: Upgrade Navision; Wechsel auf die Software SAP; eine oder mehrere Lösungen mit Schnittstelle zu SAP.

Entscheidung fällt für SAP

Im Vordergrund stehen nun SAP-Produkte und -Module. Für den Kreditorenworkflow ist geplant, den bestehenden SAP-Kreditorenworkflow ERASAP der deutschen Firma Inpuncto einzusetzen. Dieser habe sich "im alltäglichen Einsatz bei der Stadtverwaltung bewährt".
Beim Immobilienmanagement soll ein SAP-Modul zum Einsatz kommen. Aus der Submission für den Ersatz der Immobilienlösung ging Inpeek aus Bern als Siegerin hervor, schreibt der Gemeinderat. Insbesondere überzeuge "das Anbieten einer eigenentwickelten, optimierten und mobilen Benutzeroberfläche zum SAP-Modul RE-FX". Beim angebotenen Produkt handle es sich um eine Erweiterung der bestehenden SAP-Software, welche seit 2002 erfolgreich bei der Stadt im Einsatz sei.

Offene Ausschreibung wurde abgebrochen

Beim Bau-/Projektmanagement inklusive Investitionsplanung sollte durch eine offene Ausschreibung eine geeignete Softwarelösung evaluiert und beschafft werden. "Durch die Submission konnte jedoch keine wirtschaftliche Lösung gefunden werden, weshalb entschieden wurde, diese abzubrechen", so die Berner Stadtregierung. Die offerierten Kosten (über 2 Millionen Franken) hätten massiv über der Kostenschätzung gelegen. Nun werde auf dem Markt nach preisgünstigen Online-Projektmanagementtools gesucht.
Initialisiert soll das Projekt "Domum" bis Juni 2021 werden, die Produktivsetzung ist für Sommer 2022 geplant. Neben dem grossen Projekt hat der Gemeinderat noch drei weitere Investitionskredite gesprochen: 285'600 Franken für die Bereinigung aller städtischen Kunden- und Lieferantenstammdaten im Hinblick auf den anstehenden SAP-Technologiewechsel. 225'000 Franken für die Einführung einer neuen Software in der städtischen Telefonzentrale und den Ersatz des Call-Centers für die Hauptnummer der Einwohnerdienste im Polizeiinspektorat. 110'000 Franken für die Beschaffung eines neuen Management-Systems zur zentralen Vergabe von IP-Adresse inklusive fünf Jahre Wartung.
Update (8. Februar 2021): Der Standort der Firma Inpeek wurde korrigiert. 

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