Bern vergibt wieder freihändig an Bedag

7. Februar 2020, 10:44
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Der Zuschlag für den ICT-Betrieb über zwei Jahre beläuft sich auf mehr als 100 Millionen Franken.

Das Amt für Informatik und Organisation des Kantons Bern (KAIO) hat den Zuschlag für den Betrieb von ICT-Anwendungen im RZ und damit verbundene Dienstleistungen vergeben. Wie zuletzt ging der Zuschlag an den kantonseigenen Dienstleister Bedag. Der Auftrag wird für die zwei Jahre 2020 und 2021 vergeben im Umfang von je rund 55 Millionen Franken.
Der Zuschlag wurde – wie auch für die Jahre 2018 und 2019 – freihändig vergeben. Der Auftrag erfolge im Vollzug eines im Jahr 1999 abgeschlossenen Rahmenvertrags zwischen dem Kanton und Bedag.
Er umfasst den Betrieb und die Weiterentwicklung des ICT-Arbeitsplatzes des Kantons mit rund 15'000 Benutzerkonten sowie den Betrieb von 250 Applikationen der Kantonsverwaltung. Dazu gehören unter anderem die Applikationen des Sozialversicherungswesens, des Strassen- und Schiffsverkehrs sowie des Steuerwesens. Ebenfalls Teil des Auftrags ist die SAP-Software, die Konzernapplikationen FIS (Finanzinformationssystem) sowie das Personalinformationssystem Persiska

KAIO begründet freihändige Vergabe

Das KAIO gibt zwei Gründe für die Vergabe an Bedag an: Eine freihändige Vergabe sei zulässig, wenn aufgrund der technischen Besonderheiten des Auftrags nur ein Anbieter in Frage komme oder wenn die Kontinuität der Dienstleistungen nur durch die Vergabe an den bisherigen Dienstleister gewährleistet werden könne.
Diese Voraussetzungen seien erfüllt, schreibt das KAIO im Zuschlagseintscheid. "Die Systeme bestehen mehrheitlich aus teilweise relativ alten Eigenentwicklungen mit einer Reihe teils komplexer gegenseitiger Abhängigkeiten und Schnittstellen, und teilweise nimmt Bedag in Bezug auf die Anwendungen auch Entwicklungs- und Supportaufgaben wahr", heisst es auf Simap. Die Migration der Anwendungen im laufenden Betrieb zu einem anderen RZ-Anbieter wäre mit Ausfall- und Störungsrisiken verbunden. Dieses Risiko sei nicht hinnehmbar, da eine Reihe von essenziellen Staatsaufgaben vom störungsfreien Betrieb abhängig sei.
Eine öffentliche Ausschreibung der Aufträge sei erst möglich, sobald die Anwendungen im Rahmen des normalen Software-Lebenszyklus durch neue abgelöst würden und daher ohnehin eine Migration stattfinden müsse.
Als zweiten Grund nennt das KAIO die öffentliche Sicherheit. Es gehe um den Betrieb strategischer Anwendungen, mit denen teilweise besonders schützenswerte Personendaten der Kantonsbevölkerung bearbeitet würden. Um das Risiko zu minimieren, dass Unbefugte oder beispielsweise ausländische Nachrichtendienste auf Informationen zugreifen können, sollten die Anwendungen durch den Kanton selbst beziehungsweise durch den vollständig dem Kanton Bern gehörenden Dienstleister Bedag betrieben werden.

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