Berner Firma entwickelt "Privat-Gesundheitskarte"

1. Juni 2006, 13:09
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Kleines Ding – grosse Sicherheitsbedenken.

Kleines Ding – grosse Sicherheitsbedenken.
Ein in Mittelhäusern (BE) beheimatetes Unternehmen namens Medistick hat einen USB-Stick entwickelt, der als Gesundheitskarte dient. Auf dem Gerätchen (Bild), das es bisher nur in einer 64MB-Ausführung gibt, können allerlei wichtige Informationen zur eigenen Gesundheit (Blutgruppe, Krankheiten etc.) verschlüsselt abgespeichert werden. Ein USB-Stick kostet 69 Franken ohne Porto.
Auf einem einzigen Stick können Informationen von bis zu fünf Personen abgespeichert werden. Die Software ist auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch erhältlich. Die Sticks selber werden zwar nicht in der Schweiz produziert, die Software wird aber im Kanton Bern entwickelt.
Die Gesundheitskarte – oder gemäss Medistick-Vokabular "Krankenakte" – soll Patienten eine medizinische Behandlung vor allem im Ausland erleichtern. Nicht auszuschliessen ist dadurch natürlich, dass sehr persönliche Informationen auf einer solchen "Karte" enthalten sind. Aus diesem Grund äusserten Datenschützer mehrmals Bedenken gegen eine zentrale Gesundheitskarte in der Schweiz. Momentan ist vorgesehen, dass eine solche Karte als Weiterentwicklung der Versichertenkarte in zwei Jahren in der Schweiz eingeführt wird.
"Papierkopie"
Der USB-Stick von Medistick ist zwar bei Bedarf passwortgeschützt, das Unternehmen schreibt aber selber in den "häufig gestellten Fragen" (FAQ) auf der Homepage: "Jeder, der den USB-Stick in einen Computer einsteckt, kann auch die Informationen sehen." Zudem ist der Stick nur mit Windows 98SE/ME/2000/XP kompatibel, nicht aber mit Mac.
"Was geschieht, wenn ein Notfallteam nur Zugang zu einem Mac hat?", fragt sich das vergangenen Sommer gegründete Unternehmen gleich selbst. Die Antwort ist ernüchternd und hat wohl nichts mehr mit effizienter Nutzung von Informationstechnologie zu tun: "Unserer Erfahrung nach wäre das ziemlich unüblich. Wir empfehlen Ihnen aber Ihre Informationen immer auch als Papierkopie auf sich zu tragen, um auch für solche Situationen vorbereitet zu sein." (Maurizio Minetti)

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