Beschaffung: Wil legt Zahlen offen

3. Juli 2015, 10:19
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Die Stadt Wil bezahlt jährlich 200'000 Franken für Finanz- und HR-Software, Hosting und Support.

Die Stadt Wil bezahlt jährlich 200'000 Franken für Finanz- und HR-Software, Hosting und Support. Die Vergabe des Auftrages für die nächste Software-Generation wird nicht ausgeschrieben, kann aber angefochten werden.
Gestern hat der Stadtrat der Stadt Wil die Kosten für die Beschaffung und den Betrieb der Finanz- und Personalsoftware offengelegt. Dies als Antwort auf eine Interpellation der Grünen, die wissen wollten, wie viel die Stadt für die Software ausgibt.
Wil gab letztes Jahr 138'000 Franken für Finanzsoftware aus (siehe Screenshot). Darin enthalten ist aber nicht nur die Software, sondern auch der Betrieb der Lösung, Support und auch Dienstleistungen wie Druck und Verpackung. Wil bezieht die Software samt Dienstleistungen von der VRSG und ist am St.Galler-Behörden-IT-Dienstleister auch beteiligt. Die Lohnbuchhaltung kostete letztes Jahr weitere 66'000 Franken, wiederum inklusive Betrieb und Support.
Die Stadt schreibt in der Antwort auf die Interpellation, die Kosten liessen sich "nur bedingt" mit den Kosten für lokal installierte und betriebene Software vergleichen, da Dienstleistungen wie Wartung und Betrieb inbegriffen sind.
Einsprache gegen Vergabe eines Auftrags absehbar
Wil wird die Finanzsoftware ersetzen müssen. Einerseits wird man auf den neuen Buchhaltungsstandard HRM2 umstellen, andererseits gilt es die Gemeinde Bronschhofen zu integrieren.
Die Ostschweizer Kleinstadt wird auch die neue Generation der Software ohne WTO-Ausschreibung bei der VRSG beziehen, wie dies fast alle sanktgallischen Gemeinden tun. Allerdings wird man den Entscheid "unter Verweis auf die entsprechenden Rechtsmittel" auf der Behörden-Beschaffungsplattform Simap diesen August publizieren, heisst es in der Antwort des Stadtrats.
Interessierte, sprich VRSG-Konkurrenten wie Abacus oder Ruf, werden also Einsprache erheben können. Die Stadt Wil scheint durchaus daran interessiert zu sein, die Frage zu klären, ob die freihändige Vergabe von Informatik-Aufträgen an die VRSG rechtens ist. "Die Stadt Wil legt Wert darauf, dass die geltenden submissionsrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden," heisst es in der Antwort des Regierungsrats. Und Stadtschreiber Christoph Sigrist sagte heute zu inside-it.ch: "Es gibt ein Interesse seitens der Gemeinde, Klarheit zur richtigen Beschaffung zu bekommen. Ich begrüsse eine Klärung der Frage."
Hintergrund: Knatsch zwischen Behörden, VRSG und Abacus
In der Ostschweiz schwelt seit längerem ein Streit um die Beschaffung von Software für Gemeinden. Die VRSG, die sich im Besitz von Kantonen und Gemeinden befindet, beschloss im Februar 2014, eine neue Finanzsoftware von IT&T ohne Ausschreibung. Allerdings in der Annahme, dass die VRSG-Kunden ihrerseits dann Aufträge gemäss dem Submissionsrecht vergeben. (hc)

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