Bestätigt: SIX prüft Teilverkauf der Zahlungssparte

27. September 2017, 15:59
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Der Schweizer Finanzinfrastrukturbetreiber SIX prüft einen Teilverkauf der Sparte Zahlungsverkehr, die unter anderem das Bezahlen mit Plastikkarten an den Ladenkassen umfasst.

Der Schweizer Finanzinfrastrukturbetreiber SIX prüft einen Teilverkauf der Sparte Zahlungsverkehr, die unter anderem das Bezahlen mit Plastikkarten an den Ladenkassen umfasst. Es handelt sich um die grösste Division von SIX.
Die Veräusserung des Mehrheitsanteils sei eine Möglichkeit. Ein vollständiger Verkauf sei aber keine Option, erklärte ein SIX-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur 'sda'. Damit bestätigte er einen entsprechendes Gerücht des Finanzportals 'Inside Paradeplatz'. Der Verwaltungsrat der SIX habe an seinem August-Workshop entschieden, "dass wir verschiedene Optionen prüfen, wie das Zahlgeschäft langfristig erfolgreich weiterentwickelt werden kann", erklärte der Sprecher gegenüber dem Blog.
Der seit Anfang 2017 amtierende SIX-Präsident Romeo Lacher hatte vor Monaten mehrfach deutlich gemacht, dass im Kartengeschäft eine "Flexibilisierung der Eigentümerschaft" denkbar sei. "Sei es, dass wir beispielsweise andere Beteiligungsverhältnisse zulassen, oder dass wir uns mit einem anderen Unternehmen zusammenschliessen", sagte Lacher im Juni in einem Interview mit der 'SonntagsZeitung'.
Verkauf, IPO oder…
Die Nachrichtenagentur 'Reuters' hatte am vergangenen Mittwoch unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtet, dass SIX die US-Bank JP Morgan engagiert habe, um Optionen für die Zahlungsverkehrssparte zu prüfen – inklusive einem Verkauf im Wert von bis zu zwei Milliarden Franken. SIX könnte sich aber auch für einen Börsengang entscheiden, ein Gemeinschaftsunternehmen oder für den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung.
Weitere Optionen, die geprüft würden, seien Zukäufe oder die Beibehaltung des Status quo, sagte ein SIX-Sprecher zur Nachrichtenagentur 'AWP'. Grund für die Überprüfung sei der starke Wandel im bargeldlosen Zahlungsverkehr, der unter Margendruck und zunehmender Konkurrenz leide.
Derzeit findet eine Übernahmewelle im europäischen Markt für bargeldlosen Zahlungsverkehr statt. In vielen Ländern haben Banken diese nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereiche abgestossen und ihre Bilanzen damit gestärkt.
Anfang Jahr verkauften die DZ Bank, die Deutsche Bank, die Commerzbank und weitere Institute die deutsche Concardis für rund 700 Millionen Euro an Finanzinvestoren. Der US-Kreditkarten-Abwickler Vantiv sorgte im Juli mit einem 8,7 Milliarden Euro schweren Angebot für die britische Worldpay für einen Höhepunkt der Übernahmewelle in der Branche.
Ausschüttungen statt Investitionen?
Weil weltweit immer weniger mit Bargeld und immer mehr elektronisch bezahlt wird, bietet der Markt gute Wachstumschancen. Wer bei der Konsolidierung vorne mitspielen will, braucht aber Kapital.
SIX ist im Besitz von rund 130 Banken und hat in den vergangenen Jahren trotz voller Kassen nur kleinere Zukäufe gemacht. Experten interpretierten das so, dass die Mehrheit der Besitzer grosszügige Ausschüttungen den Investitionen ins Geschäft vorzieht.
Letztlich entscheiden die Besitzer von SIX, darunter UBS und Credit Suisse, was mit dem Kartendienstleister passiert.
UBS-Chef Sergio Ermotti hatte die Gruppe im Juni in einem Interview als ineffizient und teuer kritisiert. SIX müsse über die Bücher gehen und sich Gedanken machen, wie sie sich aufstellen kann, sagte er. Er glaube nicht, dass das heutige Geschäftsmodell langfristig nachhaltig sei. Die Grossbanken halten zusammen einen Anteil von 30 Prozent an SIX.
Zahlungssparte ist grösste Division
Bei einem Verkauf würde sich SIX von ihrer grössten Division trennen. Sie trug im vergangenen Jahr 885 Millionen Franken zum Gesamtumsatz der Gruppe von 1,84 Milliarden Franken bei und steuerte beim Betriebsergebnis (EBIT) 92 Millionen zum Gesamt-EBIT von 297 Millionen Franken bei. Und ein Verkauf käme, nachdem SIX erst vor kurzem ihre Sparte mit der Übernahme des Kartenakzeptanz- und -verarbeitungsgeschäfts von Konkurrent Aduno deutlich ausgebaut hatte.
Der Zeitpunkt für einen Verkauf von Anteilen wäre Experten zufolge jetzt gut, denn die Bewertungen sind zuletzt deutlich gestiegen.
Private Equity-Gesellschaften wie Advent, Bain, Warburg Pincus, Blackstone und CVC dürften Insidern zufolge Interesse an solchen Geschäften bekunden. Unklar ist, wie offen SIX für einen Verkauf von Anteilen an Beteiligungsgesellschaften ist. Ein SIX-Sprecher erklärte, das Unternehmen werde bis Ende 2017 bekanntgeben, wie es mit dem Zahlungsverkehr weitergehe. (sda / mag)

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