Bezahlte Informatiklehre stösst auf Ablehnung

26. August 2005, 09:11
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In Zürich und Basel wurden Projekte abgelehnt, die vorsahen, Informatiklehren für zehntausende von Franken zu "verkaufen".

In Zürich und Basel wurden Projekte abgelehnt, die vorsahen, Informatiklehren für zehntausende von Franken zu "verkaufen".
Angesichts der zunehmenden Unfähigkeit von Informatikunternehmen Lehrlinge anzustellen, sei es aus finanziellen oder anderen Gründen, hatte der Unternehmer Max Holliger vor einem Jahr die Idee, eine Informatiklehre anzubieten, bei der Lehrlinge nur ein paar Franken symbolischen Lohn erhalten und 50'000 Franken für die Ausbildung bezahlen würden. Holliger, CEO der Zürcher "Global Communication Technology" (GCT), wollte letztes Jahr mit 16 Lehrlingen eine dreijährige Informatiklehre starten. Von der Bildungsdirektion Zürich erhielt er zunächst eine Ausbildungsbewilligung.
Unter dem Druck der Öffentlichkeit wurde ihm diese aber wieder entzogen, obwohl er sein Projekt sowieso nicht hätte durchführen können, da er nicht genug Lehrlinge fand. Dagegen rekurrierte Holliger, um diesen Sommer mit dem Projekt zu starten. Wie die 'Neue Zürcher Zeitung' heute schreibt, ist daraus nichts geworden. Die Bildungsdirektion hat unter Berufung auf ein Gutachten des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT) den Rekurs abgelehnt.
Die Begründung ist dieselbe wie vor einem Jahr: Eine Berufslehre soll grundsätzlich unentgeltlich sein. Obwohl dies im Berufsbildungsgesetz nirgends verankert sei, verstehe sich dies gemäss der Bildungsdirektion Zürich jedoch quasi von selbst. Gemäss 'NZZ' will Holliger den Rekurs nicht weiterziehen. Die Bewilligung sei auf zwei Jahre befristet gewesen, und da er dieses Jahr nicht beginnen konnte, sei sie abgelaufen.
Auch in Basel keine bezahlte Informatiklehre
Ein ähnliches Projekt in Basel am "NSH Bildungszentrum" sei ebenfalls gescheitert, schreibt die 'HandelsZeitung'. Die Informatiklehre in Basel hätte vier Jahre gedauert und wäre, im Vergleich zum Projekt von Max Holliger, mit 37'240 Franken günstiger gewesen. Auch hier soll es zu wenig Interessenten gegeben haben. Ausserdem stellten sich kantonale Berufsbildungsstellen quer. Der Kanton wolle keine Lehre gegen Bezahlung bewilligen, weil diese das klassische duale System zwischen Unternehmen und öffentlichen Schulen untergrabe.
Gegenüber der 'HandelsZeitung' sprach Holliger in anderen Tönen. 2006 wolle er bei der Bildungsdirektion ein Gesuch für ein neues Lehrmodell einreichen. (mim)

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