'Big Brother Awards': Datenschützer kritisieren PostFinance

31. Oktober 2005, 09:37
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Gemeinde Emmen, PostFinance, Bundesanwalt Roschacher und Polizeidirektor Scherrer kriegen Beton – augenauf wird gelobt.

Gemeinde Emmen, PostFinance, Bundesanwalt Roschacher und Polizeidirektor Scherrer kriegen Beton – augenauf wird gelobt.
Zum sechsten Mal in der Schweiz wurden vergangenen Samstag die "Big Brother Awards" vergeben. Wie bereits 2000 und 2001 fand die Preisverleihung im Zürcher Kulturzentrum "Rote Fabrik" statt. Die Awards werden seit 1998 jedes Jahr in 16 Ländern an Personen, Unternehmen und Institutionen vergeben, die durch besonders dreiste Datenschnüffelei glänzen.
Die Nominierten waren dieses Jahr wieder zahlreich und prominent. Die drei "formschönen Betonpokale" (siehe Bild) wurden zusammen mit einem Zertifikat in den drei Kategorien "Staat", "Business" und "Arbeitsplatz" folgendermassen verteilt.
Die Gemeinde Emmen bzw. Sozialinspektor Christoph Odermatt erhielt den Staats-Award. Für diesen Preis "bewarben sich" mehr als die Hälfte der Kandidaten. Der Preis ging an die Innerschweizer Gemeinde, weil der ehemalige Polizeibeamte Odermatt per 1. Februar 2005 als Sozialinspektor angestellt wurde, um die Sozialhilfebezüger zu überwachen.
Der Business-Award ging dieses Jahr an PostFinance. Gerügt wurde die "illegale Weitergabe von Transaktionsdaten" an die US-Finanzbehörden. Für die systematische Datensammlung von Matchbesuchern erhielt das Berner "Stade de Suisse" eine "lobende Erwähnung".
Bundesanwalt Valentin Roschacher erhielt den Award in der Kategorie "Arbeitsplatz" für die Durchsuchung von Papierkörben von zirka 100 Angestellten der Bundesanwaltschaft. Bei der "Routinekontrolle" habe man prüfen wollen, ob die Mitarbeitenden die "operationellen Papiere" vorschriftsgemäss vom gewöhnlichen Abfall getrennt hätten.
Für sein Lebenswerk wurde der Bieler Polizeidirektor Jürg Scherrer "geehrt". Unter anderem setzt sich Scherrer seit Jahren für die Errichtung von Überwachungskameras im öffentlichen Raum ein.
Der einzige lobenswerte Preis
In der Kategorie "Winkelried" wird der einzige Award vergeben, für den man sich nicht zu schämen braucht. Dieser Preis geht jedes Jahr an Personen oder Organisationen, die sich für den Datenschutz einsetzen. Nominiert waren die Menschenrechtsgruppe augenauf und die St. Galler Interessengemeinschaft "IG Stadt ohne Willkür". Das Publikum entschied sich, den "Haupt-Winkelried" an augenauf zu vergeben. Walter Angst nahm den Preis entgegen. augenauf registrierte vor einem Jahr für 3000 Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene ihre Mobiltelefone mittels Patenschaften. Dabei wurden die Vorgaben des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM) eingehalten.
Mit der Verleihung der diesjährigen Awards beginnt auch die Ausschreibung für die "Big Brother Awards 2006". Hier kann bereits wieder losnominiert werden. Die Frist läuft Ende August ab. (mim)
(Bild: © Franz Schachinger Pressefotograf)

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