Big Data ist "scheu und grausam"

2. April 2013, 15:52
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Das Thema Big Data ist in aller Munde und weckt --http://www.

Das Thema Big Data ist in aller Munde und weckt grosse Hoffnungen, damit unter anderem auch aktuelle und zukünftige Weltprobleme in den Griff zu mekommen. Manche Experten sind aber auch skeptisch. Das immer umfangreichere Wissen trage nur bedingt dazu bei, zutreffende Aussagen über die Zukunft zu teffen, meint beispeislweise Nikolas Bissantz, Gründer des Beratungsunternehmens Bissantz & Company. Denn Daten blieben "scheu und grausam", wie dies Bissantz poetisch ausdrückt. "Es ist schwierig, aus ihnen zu lernen und noch schwieriger, das Gelernte umzusetzen", so seine Einschätzung.
"Zaubertricks hinterfragen"
Der Trend um Big Data hat jedoch auch massive Auswirkungen auf die Unternehmenswelt. So fordert Bissantz, dass gute Manager in der Lage sein müssen, das Modell zu hinterfragen, das einer Analyse zugrunde liegt. "Zaubertricks, die wir nicht durchschauen, sind sympathisch - im Varieté, im Business nicht", unterstreicht er. Big Data sei ein Sammelbegriff für mehrere Phänomene und gleichzeitig ein kommerzieller Geniestreich. Im Moment werde mehr Zeit in die Speicherung als in die Analyse von Daten gesteckt.
Derzeitig dehnen fast alle Storage- und Business-Intelligence-Anbieter ihr Angebot auf das Thema Big Data aus, um damit ein Schlagwort mit hoher Aufmerksamkeit zu bedienen, findet auch der IT-Personalexperte Karsten Berge von SearchConsult im Gespräch mit 'pressetext'. "Viele Kandidaten auf dem Personalmarkt, die aus dem Vertrieb oder der Beratung kommen, positionieren sich für Big-Data-Stellenangebote, ohne genau zu wissen, was sie dabei erwartet. Ein Manager aus dem Verkauf, der in ein Unternehmen gewechselt ist, um Big Data abzudecken, stellte fest, dass er etwas zu euphorisch war und die internen Voraussetzungen beim neuen Arbeitgeber alles andere als positiv waren", erzählt Berge.
Sehr kritisch äussert sich auch Marco Ripanti von der deutschen Internetagentur Ekaabo. "Viele Unternehmen in Deutschland haben zur Zeit einfach nur das Bedürfnis, irgendwie dabei sein zu müssen. Und da wird dann auf alten Technologien einfach das Etikett 'Big Data' draufgeklebt. Das ist sehr bedauerlich. Viele Kunden, die sich diese Systeme zulegen, wissen überhaupt nicht, was sie damit anfangen sollen. Ich habe noch bei keinem Anwender gesehen, dass auf Grundlage von Datenerkenntnissen wirklich logische Schlussfolgerungen gezogen werden.
Ein weiteres Manko: Einzelentscheidungen können in den meisten Fällen nicht vorhergesagt werden. "Egal, was in die Rechnung einbezogen wird, um beispielsweise das Wahlverhalten vorherzusagen, man darf den Faktor Zeit nicht unterschätzen. Es gibt eine Vielzahl von Verlautbarungen auf Facebook, mit denen ich definitiv nichts mehr am Hut habe. Das hat mit meinen heutigen Interessen überhaupt nichts mehr zu tun. Und diesen Cut schafft kein Big-Data-System", erklärt Ripanti. (pte/hjm)

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