"Bison Solution" ist jetzt ein "Entwicklungs-Framework"

7. Februar 2006, 16:31
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    Bestehende Bison-Anwender sollen auf "Greenax" migriert werden.

    Bestehende Bison-Anwender sollen auf "Greenax" migriert werden.
    Seit über acht Jahren entwickelt die Surseer Bison Solution unter dem Schlagwort "ERP II" eine Geschäftslösung, die den völlig unterschiedlichen Anforderungen des Mutterkonzerns Fenaco genügen, sich aber auch auf dem offenen Markt durchsetzen sollte. Heute kam nun die Kehrtwende: "Wir positionieren Bison Solution neu als Entwicklungs-Framework", sagte Bison-Sprecher Stefan Forster an einer Telefonkonferenz heute Nachmittag.
    Konkret ist Bison Solutions eine enge Partnerschaft mit der deutsche Software-Schmiede SoftM eingegangen Bereits an der Cebit soll "Greenax", eine betriebswirtschaftliche Lösung für Handelsbetriebe, der Öffentlichkeit präsentiert werden. "Greenax" wurde auf der Java-Entwicklungsplattform von Bison entwickelt und ist prozessorientiert. Anstatt eine Reihe von "fertigen" Funktionalitäten kauft der Kunde die Plattform, Business-Komponenten und Branchen-Referenzmodelle. Er kann die Software dann, ohne dass sie zu Individalsoftware wird (sie bleibt "releasefähig"), an seine Prozesse anpassen. "Greenax" wurde auf Bisons Java-Plattform mit Geschäftslogik von SoftM entwickelt.
    "Die bisherigen Kunden von Bison Solution werden mit gewissen Ausnahmen mit dem nächsten Release "Greenax" ausgeliefert bekommen", so Bison-Sprecherin Iris Fehlmann. Kunden, die eine individuelle Lösung wollen, können mit Bison Solution weiterfahren, sagt Fehlmann. So sei beispielsweise ein "Bison Solution Agrar" für (Fenaco-)Kunden aus der Prozessindustrie vorstellbar.
    Die beiden Partner haben sich die Vertriebsgebiete europaweit aufgeteilt. SoftM vertreibt "Greenax" in Deutschland, Österreich, Benelux, Frankreich und Osteuropa, Bison in der Schweiz, Italien und Spanien. Die Partner werden sich gegenseitig nach einem unbekannten Schlüssel kommissionieren. Die deutsche Niederlassung von Bison wird zum Vertriebspartner von SoftM mit "Greenax".
    Fibu, Anlagebuchhaltung und Servicemodule 2007
    "Greenax" verfügt heute über Business Komponenten für Einkauf, Vetrieb, Material- und Lagerverwaltung, CRM und ein Basis PPS-Modul (Produktion). Finanz- und Anlagebuchhaltung sollen erst auf die Cebit 2007 hinzukommen, ebenfalls Servicemodule und Tools für das Projektmanagement. Referenzkunden gibt es noch nicht.
    Mit "Greenax" ziele man klar auf Handelsbetriebe zwischen 50 und 1000 Mitarbeitenden, sagt Förster. Vorstellbar sei aber auch, dass "Greenax" als Service für kleinere Betriebe eingesetzt würde (z.B. von Genossenschaftszentralen). Wenn dann einmal Business Komponenten für den Retail verfügbar seien, werde "Greenax" auch für grossere Betriebe zur Alternative. Dies könnte allerdings noch dauern, denn bereits im August 2000 sagte man dem Schreibenden, man arbeite an einem ersten Branchenreferenzmodell für den Retail.
    "Grosse Chance" oder "der Blinde mit dem Lahmen"?
    SoftM und Bison Solution stellten heute Nachmittag an einer Telefonkonferenz ihre Kooperation und "Greenax" als Aufbruch in eine glänzende Zukunft dar. Tatsächlich: Wenn die von Bison in langen Jahren gebaute Entwicklungsplattform so gut ist, wie man in Sursee sagt, dann eröffnet sich mit der Handelslösung "Greenax" im deutschsprachigen Raum schnell ein grosser Markt. Bereits heute sei Bison Solution nach Umsatz gerechnet der zweitgrösste ERP-Hersteller in der Schweiz nach SAP, sagt Forster. In Sursee glaubt man an eine glänzende Zukunft und will dieses Jahr bis zu dreissig neue Leute einstellen.
    Doch der Deal wirft auch Fragen auf. Bison Solutions hat jahrelang im Auftrag und mit Geld von Fenaco an der Entwicklung einer modernen, prozessorientierten Business-Software für Handels- und Fabrikationsbetriebe gearbeitet. Iris Fehlmann sagt zwar, die Partnerschaft mit SoftM habe "nichts mit Fenaco zu tun". Trotzdem hat man nun offenbar mit "Greenax" einen schnelleren Weg gesucht, um zu einem kompletten, vermarktbaren "Produkt" zu kommen.
    Und auch SoftM hat offensichtlich Hilfe nötig. Die anderen ERP-Produkte des deutschen Herstellers setzen alle auf der alterwürdigen AS/400 von IBM auf - eine Plattform, der man im ERP-Geschäft nicht unbedingt eine grosse Zukunft voraussagt. Die börsenkotierte SoftM erzielte 2004 nur 14,3 Millionen Euro Umsatz aus Lizenzverkäufen, hingegen über 70 Millionen mit Beratung und Hardware-Verkäufen. 2004 schrieb SoftM einen kleinen Verlust, 2005 sollte ein kleiner Gewinn herausschauen. (Christoph Hugenschmidt)

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