Bison: Wie lange machen die Bauern mit?

24. Oktober 2014, 16:19
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Viele offene Fragen um die Zukunft der Fenaco-Tochter Bison.

Viele offene Fragen um die Zukunft der Fenaco-Tochter Bison.
"Wie lange machen die Bauern noch mit?" Diese Frage stellt man sich in der Branche seit Jahren immer dann, wenn es um das Surseer Software-Unternehmen Bison geht. Denn Bison entwickelt seit weit über zehn Jahren Software, hängt aber am Tropf des bäuerlichen Grosskonzerns Fenaco.
Diese Woche wurde bekannt, dass Fenaco die Beteiligung an Bison von 49 Prozent auf 100 Prozent aufgestockt hat und der langjährige Verwaltungsrat und CEO Rudolf Fehlmann die Firma Knall auf Fall verlassen hat. Fenaco hat in den letzten Jahren wohl mindestens 400 Millionen Franken in Bison investiert. Gemäss Geschäftsbericht 2012 hat Fenaco bis Ende Jahr total 327 Millionen Franken als Darlehen an Bison investiert, davon aber bereits 258 Millionen als Wertberichtigungen abgeschrieben. 2013 dürften weitere Kosten für Bison dazukommen. So findet sich im Geschäftsbericht 2013 der Fenaco auf Seite 83 der Posten "andere betriebliche Aufwendungen" in der Höhe von 41 Millionen Franken. 2012 waren es 39 Millionen Franken gewesen. Diese Kosten seien im Zusammenhang mit der Einführung von Bison Software entstanden, heisst es eine Seite weiter.
Bis heute hat Fenaco immer argumentiert, eine Eigenentwicklung von Software käme für einen so komplexen Konzern billiger als die Einführung von Standard-Lösungen. Doch stimmt dies wirklich? Denn neben den Kosten für die Abschreibungen der Darlehen an Bison und für die Einführung der neuen Lösung "Bison Process" kommen noch weitere, ganz normale IT-Kosten. Zudem betreibt Fenaco eine ganze Reihe von anderen Lösungen. So setzte das Fenaco-Unternehmen Ramseier (Getränke) SAP ein - als Übergangslösung. Ausserdem wissen wir, dass die Fenaco-eigene Tankstellen eine Microsoft-Lösung als Ersatz für eine in die Jahre gekommene eigene Lösung, die den sinnigen Namen "Fire" trug, eingeführt hat. Zu den abgeschriebenen Darlehen und den hohen Kosten für die Einführung von Bison Process kommen also noch ganz "normale" IT- und ERP-Kosten dazu.
Potemkinsches Software-Dorf
Fraglich ist, ob es Bison je gelingen wird, mit der eigenen Software auf dem freien Markt Fuss zu fassen. Das wäre aber die Voraussetzung, damit das Surseer Software-Unternehmen je die Darlehen der Bauern-Firma zurückbezahlen kann.
Bison tritt zwar seit vielen Jahren mit grossen (und teuren) Ständen auf der IT-Messe Cebit in Hannover auf. Doch wirklich gelungen scheint der Auftritt auf dem deutschen Markt nicht. 2006 sagte man, Bison Software sei nur noch eine Entwicklungsumgebung und lancierte zusammen mit SoftM die Marke "Greenax.") übernahm Bison je einen deutschen Software-Hersteller.
Damit konnte der Surseer Hersteller zwar seine Referenzen mit deutschen Kunden aufpolstern, doch ist uns kein deutsches Unternehmen bekannt, das die Kernlösung Bison Process erfolgreich eingeführt hätte. Genauso kennen wir kein Schweizer Unternehmen ausserhalb des Fenaco-Konzerns, das Bison als Kernlösung eingeführt hat. Es scheint, als hätte Bison in Sursee nicht nur einen prächtigen Neubau hingestellt, sondern ein potemkinsches Software-Dorf.
Keine Antworten unter dieser Nummer
Diesen Januar kündete Bison überraschend Entlassungen an. Die Begründung war absurd: Die Software sei nun fertig und man brauche weniger Entwickler.
Wir stellten damals dem Fenaco-Sprecher eine Reihe von Fragen. Unter anderem wollten wir wissen, welche verschiedenen ERP-Lösungen im Fenaco-Konzern eingesetzt werden und wie viel Geld der Konzern im Bison-Abenteuer eingesetzt hat. Wir erhielten keine Antworten.
Der Zweck des Fenaco-Konzerns ist es, Landwirte bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen zu unterstützen, heisst es auf Seite vier der Geschäftsberichts. Nirgends steht hingegen, dass es die Aufgabe der Schweizer Bauern sei, ein bis dato wenig erfolgreiches, dafür aber umso teureres Software-Unternehmen zu unterstützen.
Ob die Bauern, die als Genossenschafter die eigentlichen Eigentümer des Fenaco-Konzerns sind, Antworten bekämen, wenn sie endlich fragen würden? Wie lange machen sie noch mit? (Christoph Hugenschmidt)

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