Bitcoin-Verkehr droht an seine Grenzen zu stossen

18. August 2015, 15:04
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Die Software-Architektur von Bitcoins begrenzt die maximal mögliche Anzahl Transaktionen auf derzeit sieben pro Sekunde, oder gut 600 000 pro Tag.

Die Software-Architektur von Bitcoins begrenzt die maximal mögliche Anzahl Transaktionen auf derzeit sieben pro Sekunde, oder gut 600 000 pro Tag. Mit der zunehmenden Popularität der Krypto-Währung dürften diese Kapazitäten bald nicht mehr ausreichen. Deshalb wird in der Bitcoin-Szene hitzig über die Lösung des drohenden Problems diskutiert.
Eine Idee ist, dass die Software-Architektur umgebaut wird. Sogenannte Blocks dürften dann nicht mehr maximal 1MB, sondern 8MB gross sein. Zusätzlich soll die Software die maximale Blockgrösse künftig alle zwei Jahre automatisch verdoppeln. Das würde zwar den Engpass beheben, droht aber auch, den Bitcoin-Handel in zwei Parallelsysteme aufzuspalten. Denn Bitcoins, die nicht in die neue Form konvertiert werden, können auch nicht im neuen System namens BitcoinXT gehandelt werden. Um dem vorzubeugen, sollen die Regeln von BitcoinXT erst in Kraft treten, wenn 75 Prozent der auf das Minen von Bitcoins ausgerichteten Computerleistung auf BitcoinXT umgestiegen ist. Das soll eine Art demokratisch beschlossenen Umstieg ermöglichen. Die grosse Mehrheit von 75 Prozent würde die verbliebenen 25% dazu bewegen, ebenfalls umzusteigen, so die Hoffnung. BitcoinXT ist seit dem Wochenende verfügbar und stellt zurzeit knapp mehr als zehn Prozent der Maschinen zur Errechnung von Bitcoins. Geht dieser Plan des schnellen Umstiegs schief, bricht zumindest für eine Weile das Chaos aus im Bitcoin-Handel. Im schlimmsten Fall existieren danach zwei getrennte Systeme zum Handel von Bitcoins.
Diese Variante wird voraussichtlich auch von Bitcoin Switzerland unterstützt werden, wie Präsident Luzius Meisser gegenüber inside-it.ch schreibt. Eine interne Abstimmung zur Positionierung von Bitcoin Switzerland sei noch am Laufen, die Entscheidung wird für heute Abend erwartet.
Alternativ möglich wäre eine einmalige Änderung der Parameter, die die Blockgrösse limitieren. Die Lösung gilt als simpel und pragmatisch, löst das Problem aber nicht langfristig: Früher oder später müssten die Parameter erneut angepasst werden.
Eine Währung, wie sie mir gefällt
Für die Bitcoin-Szene bedeutend ist dieser Umbruch auch, weil er zeigt, was viele bisher nicht einsehen wollten: Die Rahmenbedingungen für den Handel von Bitcoins können von der Gemeinschaft nach Belieben geändert werden. Bei diesem Gedanken dürfte den meisten wohl die aktuell in der Software festgelegte Obergrenze von 21 Millionen möglichen Bitcoins in den Sinn kommen: Ist die maximale Geldmenge erreicht, ist ungewiss, was mit den Bitcoins geschieht. Die klassische Wirtschaftstheorie geht für diesen Fall von einer Deflation aus, doch nimmt sie an, dass die Währung benötigtes Zahlungsmittel ist. Da Bitcoins bisher eher als Spekulationsgut von sich reden gemacht haben, könnte ihr Kurs auch mangels Verankerung in der realen Welt einfach zusammenbrechen. Diesem Ende liesse sich mit einer Aufhebung beziehungsweise Erhöhung des Limits entgegenwirken.
Der Bitcoin gewann Ende 2013 dramatisch an Wert und stieg innert wenigen Tagen von unter 200 Franken auf über tausend Franken pro Bitcoin. Seitdem befindet sich die digitale Währung bei starken Schwankungen auf einer konstanten Talfahrt und notiert aktuell noch bei 250 Franken. (mik)

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