Bitkom warnt vor Lieferschwierigkeiten und Preiserhöhungen

5. April 2011, 11:38
  • international
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Das Beben von Sendai im Nordosten Japans mit über 10'000 Todesopfern hat unendlich viel Leid über die Menschen dort gebracht, hat aber wegen Produktionsausfällen bei kleinen wie grossen Herstellern auch Auswirkungen auf die weltweite Elektronik-Lieferkette und die Preisentwicklung.

Das Beben von Sendai im Nordosten Japans mit über 10'000 Todesopfern hat unendlich viel Leid über die Menschen dort gebracht, hat aber wegen Produktionsausfällen bei kleinen wie grossen Herstellern auch Auswirkungen auf die weltweite Elektronik-Lieferkette und die Preisentwicklung. Vor zwei Wochen hat der deutsche Branchenverband Bitkom noch vermeldet, dass sich die Auswirkungen der dreifachen Katastrophe in Japan auf die Hightech-Märkte "vorerst in Grenzen" halten, doch jetzt warnt Bitkom vor zunehmenden Lieferschwierigkeiten und Preiserhöhungen.
Eine Stichproben-Umfrage bei grossen Herstellern und Handelshäusern zeigten jetzt schon Lieferengpässe, 21 Prozent der befragten Unternehmen beobachteten aufgrund der Produktionsausfälle in Japan darüber hinaus Preissteigerungen bei Fertigprodukten, Komponenten und Bauteilen. Einzelheiten über betroffene Komponenten und Produkte sowie über die Höhe der Preissteigerungen finden sich in dem Bitkom-Bericht nicht, 'Heise.de' zufolge sei das aber auch schwer, weil selbst japanische Firmen noch nicht das ganze Ausmass der Katastrophe abschätzen können. Klar sei nur, dass die Knappheit an Luftmassensensoren von Hitachi die Automobilhersteller treffen. Einige von ihnen mussten wegen Engpässen bei solchen Spezialbauteilen schon wieder Kurzarbeit anmelden. Sony hat gleich nach dem Erdbeben Produktionsausfälle bei Tochterfirmen vermeldet. Einige davon sind wichtige Lieferanten von Notebook-Akkus, eine andere ist führend bei Schreib-/Leseköpfen für Blu-ray-Laufwerke und steht offenbar immer noch vor Lieferengpässen. Davon betroffen ist nicht nur die PlayStation 3.
Es fehlt wegen des Erdbebens und seiner Auswirkungen auch an anderen Komponenten, an OLED-Displays zum Beispiel, weshalb Sony den geplanten Launch der PS2 NGP verschieben muss. Unklar ist noch, wie sich Produktionsausfälle von Renesas in Japan auf die Verfügbarkeit von USB-3.0-PCIe-Hostadapterchips auswirken werden. Die meisten japanischen Hersteller arbeiten offenbar mit Hochdruck an der Wiederherstellung ihrer Produktionskapazitäten, schon allein, um nicht wichtige Aufträge an die Konkurrenz zu verlieren. Aber die Stromversorgung ist nach der Havarie des Atomkraftwerks von Fukushima immer noch instabil, was unter anderem die Halbleiterproduktion des Landes trifft.
Gerade kam zwar Entwarnung, dass über Elektronikimporte radioaktiv verseuchte Materialien nach Europa gelangen, aber die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen und entsprechende Sorgen in der Bevölkerung sind auch nicht klein zu reden. Ob berechtigt oder nicht, kann allein die Angst davor die Preise nach oben drücken. Preissteigerungen bei DRAM- und NAND-Flash-Speicherchips und entsprechende Endprodukte, wie sie DRAMeXchange im Rahmen von 5 bis 15 Prozent beobachtet, sind teilweise auf Spekulation zurückzuführen, ein ähnliches Phänomen wie beim Benzinpreis nach Ausbrechen der Krise in Nordafrika, insbesondere in Libyen als wichtigen Erdöllieferanten.
Nach dem Erdbeben in Japan rankten viele Gerüchte um Toshiba als zweigrössten Hersteller von NAND-Flash-Speicherchips und Preiserhöhungen durch Produktionsausfälle. Da Toshibas wichtigste Chipwerke für Flash-Speicher im Süden Japans liegen, waren Lieferengpässe von Anfang an eher begrenzt, dennoch kam es in dem Bereich vorübergehend zu Preiserhöhungen von bis zu über 20 Prozent. Noch kaum abzuschätzen ist die Liefersituation, was Vorprodukte wie Wafer oder Fotolacke sowie von Bismaleimid-Triazin-Harzen angeht. Mitsubishi Gas Chemical ist bei den BT-Harzen einer der Weltmarktführer, wird aber nach eigener Schätzung erst ab Anfang Mai wieder vollumfänglich produzieren können. Das Unternehmen stellt neben Hitachi Chemical und Sony Chemical auch bis zu 80 Prozent des Anoden- und Kathodenmaterials für TFTs (Thin Film Tansistors), da die Liefersituation nach massiven Produktionsausfällen unsicher ist, bereiten sich LCD-Panel-Hersteller für Mai und Juni 2011 schon auf Preiserhöhungen vor, oder sie nehmen die möglichen Engpässe zumindest als Anlass dafür. Ein solcher ist in der Saure-Gurken-Zeit im zweiten Quartal immer willkommen bei den LCD-Produzenten. Die Preise von Festplatten für den OEM-/ODM-Markt sollen im zweiten Quartal wegen Lieferengpässen bei den Controller-Chips in Folge des Erdbebens um 5 bis 10 Prozent steigen, schreibt 'Digitimes'. (Klaus Hauptfleisch)

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