BPO: Raiffeisen mit ZKB statt Vontobel?

24. Januar 2013, 14:41
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Annäherung zwischen Raiffeisen und ZKB in Sachen Business Process Outsourcing. Es wäre einer der grössten BPO-Deals in der Schweiz.

Annäherung zwischen Raiffeisen und ZKB in Sachen Business Process Outsourcing. Es wäre einer der grössten BPO-Deals in der Schweiz.
Pierin Vincenz, Chef der Raiffeisen-Gruppe, führe derzeit mit Martin Scholl, dem Chef der Zürcher Kantonalbank (ZKB), Gespräche über einen "grossen Informatik-Schulterschluss", schreibt heute die 'Handelszeitung' unter Berufung auf mehrere Quellen.
Streit mit Vontobel
Es geht dabei um Business Process Outsourcing (BPO), womit im Wesentlichen die Auslagerung des Zahlungsverkehrs und/oder der Wertschriftenabwicklung gemeint ist. Heute wickelt die Zürcher Privatbank Vontobel das Wertschriften-Geschäft für Raiffeisen ab. Das Abkommen gilt noch bis 2017. Raiffeisen bezahlt dafür jährlich einen zweistelligen Millionen-Betrag, schreibt die 'Handelszeitung'. Die drittgrösste Schweizer Bank arbeitet mit der gleichen Bankensoftware wie Vontobel: Avaloq.
Doch das Verhältnis zwischen Raiffeisen und Vontobel hat sich aus anderen Gründen abgekühlt - die beiden Banken kommunizieren nur noch via Anwälte miteinander, so die 'Handelszeitung'. Nun überlegt es sich Raiffeisen offenbar, mit der ZKB zu kooperieren. Technologisch macht das Sinn, denn beide arbeiten in den wichtigsten Bereichen mit Avaloq. Die ZKB verwendet als Kern zwar immer noch SAP, doch die Plattform für die Wertpapierabwicklung der ZKB basiert auf Avaloq, ist also eine moderne Lösung, im Gegensatz zu jener für den Zahlungsverkehr.
Zweiter Versuch für die ZKB?
Diese Wertpapierabwicklungs-Plattform der ZKB könnte nun in ein Gemeinschaftswerk mit Raiffeisen eingebracht werden, meint die 'Handelszeitung'. Raiffeisen würde ihre IT-Lösung von Avaloq für den Zahlungsverkehr beisteuern. Wie weit die Gespräche fortgeschritten sind und wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Deals ist, weiss aber auch die 'Handelszeitung' nicht. Gegenüber der Zeitung und auch auf Anfrage von inside-it.ch wollten sich die beiden Banken nicht dazu äussern.
Das Projekt wäre ähnlich komplex wie das letztlich aus Komplexitätsgründen gestoppte Vorhaben der ZKB mit der Waadtländer Kantonalbank (BCV): 2008 hatte die ZKB noch erwägt, die IT-Plattform mit jener der BCV zusammenzubringen, doch das Projekt scheiterte. So geben Insider denn auch zu verstehen, dass es schwierig ist, Systeme von zwei so grossen Banken zusammenzulegen. Andererseits könnten Kosteneinsparungen möglich sein.
Vontobel, ZKB oder B-Source?
Da die Partnerschaft zwischen Raiffeisen und Vontobel aufgrund der Meinungsdifferenzen wohl früher oder später beendet wird, muss Raiffeisen bei der Wertschriftenabwicklung einen anderen Weg suchen. Neben einer Kooperation mit der ZKB gäbe es wohl noch zwei Optionen: Einerseits den Alleingang, der aber immer riskant ist, oder aber eine Kooperation mit dem einzigen Schweizer BPO-Dienstleister, der dafür gross genug ist: B-Source. Der Tessiner Bankendienstleister gehört mehrheitlich Avaloq und wäre sicher nicht abgeneigt, Raiffeisen zu seinen Kunden zu zählen.
Erwähnenswert in diesen Zusammenhang ist, dass Raiffeisen früher mit der Lösung "Boss" arbeitete, die von B-Source entwickelt worden war. Die beiden Unternehmen kennen sich also. Es dürfte spannend werden zu sehen, für welchen Weg sich Raiffeisen entscheidet. (Maurizio Minetti)

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