Breitband-Weltmarkt erholt sich – dank China

3. November 2010, 16:30
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Das Wachstum auf dem Breitband-Weltmarkt hat im zweiten Quartal 2010 eine leichte Delle erfahren, ist im dritten Quartal aber wieder fast auf Spur gekommen und soll sich in den drei Folgemonaten aufgrund einer steigenden Nachfrage aus China beschleunigen, sagen die Analysten von iSuppli.

Das Wachstum auf dem Breitband-Weltmarkt hat im zweiten Quartal 2010 eine leichte Delle erfahren, ist im dritten Quartal aber wieder fast auf Spur gekommen und soll sich in den drei Folgemonaten aufgrund einer steigenden Nachfrage aus China beschleunigen, sagen die Analysten von iSuppli. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit erhitzt sich der Wettstreit zwischen den Telekommunikationsgesellschaften und den TV-Kabelnetzbetreibern.
Nach 16,7 Millionen neuen DSL-, Kabel- oder Glasfaseranschlüssen im ersten Quartal waren es von April bis Juni nur noch 15,6 Millionen, ein Minus von 6,6 Prozent. Die ersten Hochrechnungen für das dritte Quartal ergeben einen sequentiellen Zuwachs von 5,8 Prozent auf 16,5 Millionen neue Breitbandanschlüsse. Im vierten Quartal sollen es 17,3 Millionen sein, ein erwartetes Plus von 17,7 Millionen Neuverträgen.
"Die Breitband-Neuanschlüsse sind im zweiten Quartal saisonal bedingt und wegen der schwachen Performance des nordamerikanischen Marktes zurückgegangen. Der Bedarf chinesischer Verbraucher an High-Speed-Internetanschlüssen ist aber so unersättlich, dass die Zahl der Verträge in der zweiten Jahreshälfte wieder steigen wird", erklärt Lee Ratliff, iSuppli Senior Analyst für Breitband und Digital Home.
Während die Märkte der ersten Welt wie etwa Europa relativ gesättigt sind, kommen die meisten Neuzugänge tatsächlich aus China. Sechs Millionen waren es im ersten Quartal, 5,4 Millionen im zweiten. Fürs dritte und vierte Quartal geht iSuppli jeweils von rund 5,7 Millionen neuen Breitbandanschlüssen im Reich der Mitte aus.
"The Race is on: Telcos vs. MSOs" überschreibt iSuppli den sich erhitzenden Wettstreit zwischen den Telekommunikationsunternehmen und den Kabelnetzbetreibern beziehungsweise Mehrdiensteanbietern (Multiservice Operators oder kurz MSOs). Dabei geht es nicht zuletzt darum, wer technologisch die Nase vorn hat. Denn laut iSuppli zeichnet sich bereits ein Breitband-Paradigmenwechsel ab, von datengetrieben zu einem sogenannten "Wideband"-Multiservice- und Multimedia-Modell. Transferraten von 1 bis 5 Megabit pro Sekunde (Mbit/Sec.) waren dem Industrie- und Marktforschungsinstitut zufolge vielleicht adäquat, als Web-Surfen die Killer-Applikation war. Bei datenintensiven Anwendungen wie Online-Gaming, Videostreaming und Internet-TV werden von den Verbrauchern aber vermehrt Transferraten von 30 bis 50 MBit/Sec. gefordert sein.
Nirgends sei das Tauziehen um den Breitbandmarkt so evident wie in den USA. Dort ringen Telcos wie AT&T und Verizon und MSOs wie Time Warner auf relativ gleicher Augenhöhe um die Consumer, weil beide Seiten nahezu unbegrenzten Zugang zu den amerikanischen Haushalten haben, so iSuppli. 2008 und bis Mitte 2009 hatten die Telcos mit ihren Glasfasernetzen die Verbraucher noch mehrheitlich auf ihre Seite gezogen, doch nachdem AT&T und Verizon ihre Investitionen in Glasfasernetze zurückgefahren haben und das Marketing gleich mit, gingen die amerikanischen TV-Kabelnetzbetreiber in Führung. Ihr Vorteil ist, dass sie Breitbandraten von 20 bis 50 MBit/Sec. für rund 20 Dollar pro Haushalt zur Verfügung stellen können, während es mit Glasfaserkabel zwischen 600 und 1'500 Dollar sind, rechnet iSuppli vor. Die Marktforscher rufen daher die Betreiber der Glasfasernetze dringend dazu auf, an der Verbesserung der Kostenstruktur zu arbeiten, wenn sie nicht wollen, dass ihnen die Mitbewerber aus dem Lager der Kabel-TV-Netze davonrennen. (Klaus Hauptfleisch)

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