Brexit: Schuss in den Kopf für britische IT-Projekte?

28. Juni 2016, 09:36
  • international
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Brexit wird IT-Investitionen in Grossbritannien deutlich senken, glauben Marktforscher.

Brexit wird IT-Investitionen in Grossbritannien deutlich senken, glauben Marktforscher.
Das Ergebnis der "Brexit"-Abstimmung vom letzten Donnerstag wird gravierende Folgen für IT-Abteilungen in Grossbritannien haben, prophezeien eine Reihe von Analysten. Und zwar nicht erst, wenn der Austritt vollzogen wird, sondern unmittelbar.
Laut dem Marktforscher Canalys dürfte die nun herrschende Verunsicherung britische Unternehmen dazu bringen, ihre Investitionen stark zurückzufahren, um ihre Risiken zu senken. Für die IT-Ausgaben auf der grossen Insel erwartet Canalys einen Rückgang um 10 Prozent schon im laufenden Jahr. Statt 90 bis 100 Milliarden Dollar würden in Grossbritannien also noch etwa 81 bis 90 Millarden Dollar für IT ausgegeben. Nächstes Jahr könnte der Rückgang sogar 15 Prozent betragen, glaubt Canalys. IT-Budgets würden dann schon von Anfang an zusammengestrichen, weil die Unternehmen ein hartes Jahr erwarten.
Der Hauptgrund für den schnellen Rückgang des Marktvolumens in Dollar ist der gesunkene Kurs des britischen Pfunds. Wenn Leistungen in Pfund bezahlt werden, machen in Dollar abrechnende Anbieter automatisch weniger Umsatz. Gleichzeitig werden IT-Lösungen und Services für die Briten deutlich teurer, wenn sie in Dollar bezahlen. Viele Unternehmen werden daher Verträge neu aushandeln und das bezogene Volumen zurückfahren wollen, wenn die Anbieter nicht selbst beim Preis nachgeben, so Canalys.
"Schuss in den Kopf" für öffentliche IT-Projekte
Zielmlich drastisch äusserte sich Clive Longbottom, Gründer des Marktforschers Quocirca in einem Gespräch mit 'CRN.co.uk' zu den Aussichten im Sektor öffentliche IT. Der Brexit werde eine deutliche Senkung der Aktivitäten bewirken. Und für die meisten Technologie-Projekte, die noch nicht begonnen haben, bedeute der Brexit schlicht einen "Schuss in den Kopf". Die einzige Art, in der die Politik auf die finanziellen Auswirkungen des Brexit reagieren werde, sei "streichen, streichen, streichen." Wenn irgendwo noch ein PC aus dem Jahr 1982 stehe, werde der nun bis 2032 gebraucht.
Longbottom scheint generell keine wirklich hohe Meinung von der britischen Regierung zu haben: "Wir haben nun eine Regierung, die nicht nur klamme Taschen hat, sondern auch noch einen Anfall von hysterischen Schreikrämpfen. Denen ist der Arsch auf Grundeis gegangen und sie sagen nur noch, 'das haben wir nicht erwartet'". (hjm)

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