Bricht das Quasi-Monopol der ICANN?

29. November 2005, 16:36
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    Ein niederländisches Unternehmen bietet Top Level Domains an, die selber definiert werden können.

    Ein niederländisches Unternehmen bietet Top Level Domains an, die selber definiert werden können.
    Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) ist eine private Organisation, die unter der Aufsicht des US-amerikanischen Handelsministeriums steht. Ihre Aufgabe ist es, das Namenssystem im Internet (Domain Name System) zu verwalten. Am "Weltgipfels zur Informationsgesellschaft" in Tunis vor zwei Wochen wurde zwar beschlossen, dass ein internationales Forum die ICANN bei der "Verwaltung des Internets" beraten wird, allerdings sind die Beschlüsse des Forums nicht bindend für die ICANN.
    Nun scheint eine niederländische Firma einen Frontalangriff gegen ICANN unternommen zu haben. Das in Amsterdam domizilierte Unternehmen, UnifiedRoot, hat letzte Woche mit dem Verkauf von Top Level Domains (TLD) angefangen, die vom Kunden selber definiert werden können. Das heisst, dass man auf Suffixe wie ".ch", ".com", ".net" etc. verzichten kann. Stattdessen könnten Websites entstehen wie www.news.cnn oder www.hotel.hilton.
    Gemäss dem Geschäftsführer von UnifiedRoot, Erik Seeboldt, konnte das Unternehmen bereits am ersten Tag mehrere Tausend Websites registrieren. Die Registrierung kostet einmalige 800 bis 1000 Euro und 200 bis 300 Euro im Jahr. Würde 'CNN' beispielsweise die TLD ".cnn" kaufen, hätte der Nachrichtensender auf beliebige Erweiterungen wie z.B. world.cnn oder politics.cnn Anrecht.
    ICANN befürchten nun, dass die alternativen Root-Server von UnifiedRoot die "Sprache des Internets" verwirren könnten, da ICANN bisher die einzige Topinstanz des Internets war. Will UnifiedRoot ein erfolgreiches Geschäft aufbauen, muss es möglichst viele Provider an Land ziehen, die ihren Kunden TLDs von UnifiedRoot anbieten. (mim)

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