Brief aus der Kleinunternehmer-Hölle

20. März 2008, 16:12
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Und hier noch unsere Oster-Nachricht.

Und hier noch unsere Oster-Nachricht.
Kleinunternehmer haben es schwer: Schwer darum, weil sie weder über die sturen Böcke der internen Informatik fluchen, noch den externen Dienstleister für alle Leiden dieser Welt verantwortlich machen können. Dies weil jeder Kleinunternehmer sein eigener CIEOO, also selber schuld ist. Darum gibt es eine extra Hölle für Kleinunternehmer: Die Kleinunternehmer-IT-Hölle. Und aus dieser erreichten uns heute gerade zwei E-Mails voller Klagen und Wehgeschrei. Urteilen Sie selbst.
Kleinunternehmer Hungerbühler in der Microsoft-Accounting-Hölle
Kleinunternehmer Hungerbühler (wirklicher Name der Redaktion bekannt) freut sich sehr, dass genau seine Bedürfnisse durch DEN globalen Player im SW-Business abgedeckt werden. Herr Hungerbühler glaubt als Mensch überhaupt fest daran, dass Computer und speziell Büroawendungen, ihm die tägliche Routinearbeiten abnehmen.
So hat er ein Mail-Programm, das sich mit ein paar Optionen zur CRM-Lösung mausert - und als Sahnehäubchen gibt es für den globalen Kleinunternehmer die Business-Software, alles Small Business, alles sehr günstig und vom grossen, grossen Unternehmen downloadbar. Herr Hungerbühler ist begeistert und loadet down. Doch er ist ein Software-Profi und weiss: Stufenweises Vorgehen ist angebracht, denn zu grosse Vorhaben scheitern. Also erst CRM-Add-on einführen. Zwar etwas komplex, aber naja. Dann weiter, Buchhaltung für die Aktivitäten in den USA zum Nullpreis dazu. Aber halt: Das deutschsprachige CRM versteht sich nicht mit der US-Buchhaltung.
De-Install-Install-Zyklus 2
Ok, dann eben Daten sichern, Outlook und Business Contact Manager in DE raus, ha - wäre ja einfach, aber deinstallieren geht nicht - Fehler xy Laufwerk W: nicht gefunden. Wieso zum Teufel braucht es zum Deinstallieren einer Anwendung ein Laufwerk W:? Das das Problem drängt, denn Herr Hungerbühler möchte korrespondieren, ein paar Rechungen an die Kunden rauslasssen und ein paar Fakturen von Lieferanten verbuchen. Also nichts wie ab auf die Supportseite und recherchieren. Ok, Zeit verloren, aber die holen wir ja dank künftiger Effizienz locker wieder rein.
De-Install-Install-Zyklus 3
Anlauf 2: Applikationen in Deutsch runter, in Englisch installieren. CRM-Daten (bloss ein paar hundert Adressen) wieder rein - weit gefehlt. Die Datensicherung der DE-Version lässt sich von der EN-Version nicht lesen - und die wäre eben nötig, um die Buchhaltung zu integrieren. Also Daten manuell und über die Hintertüre wieder reinschaufeln. Dann die Buchhaltung obendrauf - super. Es gibt da noch ein kleines Problemchen: Die wirklich wichtigen Funktionen für ein kleines Betriebchen mit einem noch kleineren US-Töcherchen sind nur in der Vollversion enthalten - also nachbestellen. Ok, jetzt tut's besser.
De-Install-Install-Zyklus 4
Allerdings nur scheinbar, denn völlig unerwartet kommt nun die Meldung, dass sich das Outlook nicht aktivieren liesse. Also, da nach der 1001 Installation (Visual Studio, DE-EN-Gemetzel u.a.) wohl etwas mit dem Rechner faul sein könnte, sucht Herr Hungerbühler verzweifelt den Fehler bei sich, da alle Lizenzkeys ja vom Hersteller kommen und stimmen.
Also alles nochmals von Beginn - neue Disk in den Rechner Vista x64 darauf, CRM & Accounting drauf, gleiches Problem...
The support of the last resort (Zyklus 5)
Am nächsten Tag die letzte Rettung: Support anrufen. Dem ersten Ansprechpartner berichtet Hungerbühler von seinem Problem und auch dem zweiten wird genauestens rapportiert. Hungerbühler bekommt eine Support-Nummer, weiter zum dritten Ansprechpartner, der sich erstaunt zeigt, dass es die Produkte überhaupt von Microsoft geben soll. Herr 3 verspricht Rückruf für den nächsten Tag.
Dieser Rückruf erfolgt auch. Dann der Versuch, einen neuen Lizenzschlüssel einzugeben. Aber die Registry eines x64 Vista scheint irgendwie anders zu sein, denn die Keys sind nicht die, die erwartet werden. Also Befehl zurück, Daten sichern, Applikationen deinstallieren (wir wissen ja nun wie das geht). Rechner neu starten - Applikationen installieren - NEUER Lizenschlüssel rein und - huch! - die Anwendungen laufen.
Herr Hungerbühler ist Experte in der Optimierung von Geschäftsprozessen und weiss: Nun werden seine Prozesse im Tagesgeschäft deutlich effizienter. Er kann aber auch rechnen und stellt fest, dass er für den fiktiven Lohn der investierten Zeit locker eine Teilzeit-Büroangestellte für ein Jahr hätte beschäftigen können.
Trotzdem freut er sich darüber, dass der Paartherapeut die Beziehung zu seiner Kiste wieder hingekriegt hat - wenn auch das Vertrauen etwas angeschlagen bleibt. Zum Schluss gibts dann noch ein bisschen Handarbeit, "Contacts" und "Business Contacts" sind zwei Welten in einer Applikationen und können nicht zusammengeführt werden. (Aufgezeichnet von Christoph Hugenschmidt)
Lesen Sie nächste Woche: Kleinunternehmer Surber in der Tablet-PC-Stift-Hölle.

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