Bring your own Brain: Mobile Geräte in der öffentlichen Verwaltung

14. September 2012, 12:59
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Eine Konferenz der SIK zeigte, dass der Einsatz von mobilen Geräten auch in den öffentlichen Verwaltungen ein grosses Bedürfnis darstellt.

Eine Konferenz der SIK zeigte, dass der Einsatz von mobilen Geräten auch in den öffentlichen Verwaltungen ein grosses Bedürfnis darstellt.
Tablets und Smartphones sind ein stetiger Begleiter vieler Anwenderinnen und Anwender im geschäftlichen wie auch im privaten Umfeld. Immer mehr Apps für Fachanwendungen und -prozesse stehen zur Verfügung - entweder als Standard-Lösung oder als individuelle Entwicklung. Doch wie sieht diese Realität in der öffentlichen Verwaltung aus? Welche Möglichkeiten gibt es, um Individualität und Sicherheit unter einen Hut zu bringen? Welche Best Practices werden von Herstellern und Beratungsunternehmen empfohlen und welche Lösungsansätze wurden in der öffentlichen Verwaltung wurden bereits umgesetzt? Antworten auf diese Fragen gab es anlässlich der sechsten Büroautomationskonferenz der Schweizerischen Informatikkonferenz SIK am vergangenen Mittwoch in Luzern. Die 120 Teilnehmer aus den diversen Organisationen erhielten einen Überblick der Chancen, Risiken, Möglichkeiten und Grenzen von neuen Technologien rund um die Pads und Phones - von der Beschaffung bis zur optimalen und sicheren Integration im Public Business.
Brennendes Thema Security
Apple, InfoTrust und SAP demonstrierten am Anfang der Konferenz, dass zentrale Unternehmenstechnologien vom Smartphones, Pads und Tablets unterstützt werden und dass diese Geräte quasi die mobile Arbeitsplätze der Zukunft sind. Das grösste Hindernis zudem ist wie oft bei moderner Technologie: Datenschutz und Sicherheit. Nun zeigte infoTrust, wie einfach es ist, nicht oder schlecht geschützte Geräte oder Backups offenzulegen. Ein 4-stelliger Code ist in maximal 30 Minuten entschlüsselt.
Mit einigen Grundmassnahmen kann man mobile Geräte schützen: Sicherheitsmerkmale nutzen, Daten verschlüsseln und im Business-Bereich das Gerät in ein Mobile Devices Management System integrieren. Checklisten für den sicheren Businesseinsatz an die Mitarbeitenden zu verteilen, ist keine verlorene Zeit.
Microsoft darf nicht fehlen
Mit dem Thema "Sind wir alle bei Phones und Pads unterlizenziert?" trat Microsoft auf. Auf der Lizenzseite gäbe es dringend Handlungsbedarf. Der Serverzugriff und die Verwendung von Terminalservern bei CAL (Client Access License) auf per-Device- oder per-User-Basis für die wenigsten Nutzungen seien nicht immer kostenlos. Auch die beim Provider gekauften Dienstleistungen seien oft nicht ausreichend lizenziert.
Mit einer fulminanten Windows-8-Präsentation und einer Ausstellung der Geräte der Zukunft (Fujitsu Touch Devices mit Windows 8, Tablets und Hybridmodelle) wollte Microsoft die Teilnehmer begeistern - was auch gelang. Das Publikum war tatsächlich vom neuen Business-Applikationstemplate auf Windows 8, sowie von Windows 8 to go auf USB-Stick angetan.
BYOD, BYOA, BYOE, BYOB
Die Nomophobia "no-mobile-phone phobia" (Angst, kein Handy zu haben ) war Thema eines weiteren Referats. Nicht nur deswegen ist BYOD (bring your own device) in aller Munde. BYOD ist keine Technologie sondern eine Art Vorschriftensammlung. Begeisterte Privatnutzer von Smartphones und Tablets bringen eigene Geräte und wollen diese auch geschäftlich nutzen. Was für ein Glück! Endlich ist die lästige Client-Beschaffung den zufriedenen Mitarbeitenden der Zukunft überlassen. Der Haken dabei: Mit BYOD bringt der Angestellte zusätzlich seine eigenen Applikationen (BYOA, bring your own application), seine Umgebung sprich Familie, Freunde Hobbys (BYOE, bring your own Environment). Wie kann man das alles sauber getrennt halten und unter Kontrolle haben? Einfach mit BYOB (bring your own Brain)!
Rechtsanwältin Dr. Ursula Widmer präsentiert die Rechtsaspekte und Risiken von BYOD. BYOD ist beliebt und auch gefürchtet. ICT-Verantwortliche werden aber ganz nervös, wenn es darum geht, Privatgeräte an eine geschäftliche Umgebung anzubinden. Es entstehen rechtliche Risiken für den Arbeitgeber mit weitreichenden Folgen: Wenn Geschäftskommunikation teilweise auf dem privaten Kanal läuft, entsteht fehlende Nachvollziehbarkeit und Unvollständigkeit. BYOD steht zudem im Konflikt zum Datenschutz. Nur vorgängige Regelungen schaffen Abhilfe.
Trotzdem gibt es immer mutige ICT-Verantwortliche: Es gibt kein BYOD-Verbot, das nicht aufgehoben werden könnte: Das BIT (Bundesamt für Informatik und Telekommunikation) analysierte die Situation. Teilweise lässt sich in manchen Bereichen BYOD ohne Bedenken einführen. Die Smartphone-Strategie der Bundesverwaltung müsste allerdings angepasst werden, da die Synchronisierung von privaten Geräten momentan nicht zulässig ist.
Nicht alle brauchen BYOD
Bruno Messmer von Swisscom zeigte schliesslich die aktuellen Megatrends. Die Revolution habe sich als kontinuierlicher Trend etabliert. Das Mobile Data Volumen (590 Terabyte pro Monat) verdoppelt sich alle acht Monate. Auch bei Swisscom ist der BYOD-Trend mit Virtualisierungslösungen gekoppelt. Eine interne Analyse bei Swisscom hat aber ergeben, dass nur 37 Prozent der User eine Rolle haben, bei der BYOD eigentlich Sinn machen würde. Nun fragte er ganz plakativ: Können wir mit dem "Human Factor in the Digital Age" umgehen? (Grégoire Hernan)
(Zum Autor: Grégoire Hernan ist ICT-Koordinator und Stellvertreter der Geschäftsleitung bei der Schweizerischen Informatikkonferenz, SIK)

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