Bringt die Google-Klage Mozilla in Gefahr?

21. Oktober 2020, 12:24
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Ganz normaler Software-Vertrieb oder wettbewerbswidrig? Die Search-Deals von Google mit Apple und Mozilla stehen im Visier der US-Behörden.

Mozilla hat eine erste Reaktion auf das Kartellverfahren des US-Justizministeriums (DoJ) gegen das angeblich illegale Search-Monopol von Google veröffentlicht. In einem Blogbeitrag tönt Mozillas Chefanwältin Amy Keating an, dass man bei Mozilla befürchtet, zum unschuldigen Opfer des Prozesses zu werden.
Google halte durch wettbewerbswidrige und ausschliessende Praktiken Monopole auf den Search- und Werbemärkten aufrecht, so die Klage. In der Anklageschrift wird eine Vereinbarung zwischen Mozilla und Google als Beispiel für Googles Monopolisierung des Suchmaschinenmarktes in den Vereinigten Staaten genannt.
Kürzlich erneuerten Mozilla und Google Berichten zufolge diesen Search-Deal, der Google zur Default-Suchmaschine im Firefox-Browser macht. Die Unternehmen veröffentlichten die genauen finanziellen Details der Vereinbarung nicht. Aber im Jahr 2010 trug Google laut 'allthingsd.com' 84% der Einnahmen von Mozilla in Höhe von 123 Millionen Dollar bei. 
Von 'ZDnet' wird der Wert der Vereinbarung auf zwischen 400 und 450 Millionen Dollar pro Jahr geschätzt. Der Deal wurde erneuert, kurz nachdem bekannt wurde, dass Mozilla 250 Mitarbeiter im Rahmen einer Unternehmensumstrukturierung entlassen muss.  Dies lasse den Schluss zu, dass Mozilla in hohem Masse von der Finanzierung durch diese Suchvereinbarung abhängig sei, so 'ZDnet'.
Im Blogbeitrag schreibt Mozillas Chefanwältin weiter, dass man sich noch mit den Details des Rechtsstreits befasse. "Das Ergebnis einer Kartellrechtsklage sollte nicht zu Kollateralschäden bei genau den Organisationen führen, die – wie Mozilla – am besten in der Lage sind, den Wettbewerb voranzutreiben", so Keating. Dies würde dem System als Ganzes schaden, ohne dass ein sinnvoller Nutzen für die Consumer entstehe.
Das DoJ bezeichnet Google als "Gatekeeper des Internets", sowohl für Nutzer als auch für Werbetreibende, da Google 90% aller Suchanfragen in den USA ausmache. Google sorge dafür, dass Konkurrenten im Markt nicht Fuss fassen könnten, argumentiert das Justizministerium. Weitere Beispiele seien Deals mit Apple oder Samsung, durch die die Google-Suche als Standard im Webbrowser voreingestellt wird.

Google zahlt Milliarden an Apple

In der Anklageschrift taucht auch Apple prominent auf. Laut einem Bericht des 'Wall Street Journals' haben sich Tim Cook, CEO von Apple, und Sundar Pichai, CEO von Google, im Jahr 2018 getroffen, um zu besprechen, wie das Wachstum der Search-Umsätze vorangetrieben werden könnte.
In der Klageschrift heisst es: "Nach dem Treffen 2018 schrieb ein leitender Apple-Mitarbeiter an ein Google-Gegenstück: 'Unsere Vision ist, dass wir so arbeiten, als wären wir ein Unternehmen.'" Beide Unternehmen wollten sich auf Anfrage nicht dazu äussern, schreibt das 'Wall Street Journal'. 
Die Klage geht davon aus, dass der Deal zwischen Apple und Google zwischen 15% und 20% von Apples Jahresgewinn ausmacht. Dies würde bedeuten, dass Google bis zu 11 Milliarden Dollar oder etwa ein Drittel des Jahresgewinns von Alphabet für die Pole Position auf dem iPhone an Apple zahlt. Google ist die Standardsuchmaschine für den Safari-Browser sowie Siri-Anfragen. Im Gegenzug mache der von Apple stammende Suchverkehr die Hälfte des Google-Suchvolumens aus, heisst es weiter.

Vereinbarungen sind "traditionell für den Vertrieb von Software"

Auch Google hat auf die Klage reagiert und erklärt, sie sei "unbegründet" und man werde sich energisch verteidigen. In der Stellungnahme von Google klingt es ähnlich wie bei Mozilla. Die Klage würde den Consumern nicht helfen. "Im Gegenteil, sie würde künstlich qualitativ schlechtere Suchalternativen stützen, die Telefonpreise erhöhen und es den Menschen erschweren, die Suchdienste zu erhalten, die sie nutzen wollen", schreibt Kent Walker, Googles Chief Legal Officer.
Zur Partnerschaft mit Apple schreibt Walker, sie unterscheide sich "nicht von den Vereinbarungen, die viele andere Unternehmen traditionell für den Vertrieb von Software verwendet haben". 

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