Britischer Geheimdienst liest mit - auch deine Mails

30. August 2013, 12:35
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Der britische Geheimdienst hat Zugriff auf den gesamten Datenverkehr, der über 14 verschiedene Unterseekabel läuft. Damit hören die Briten Telefongespräche aus der Schweiz ab und analysieren einen grossen Teil des Schweizer E-Mail-Verkehrs.

Der britische Geheimdienst hat Zugriff auf den gesamten Datenverkehr, der über 14 verschiedene Unterseekabel läuft. Damit hören die Briten Telefongespräche aus der Schweiz ab und analysieren einen grossen Teil des Schweizer E-Mail-Verkehrs.
Der britische Geheimdienst GCHQ (Government Communication Headquarter) hört und liest mit. Fast immer und fast alles. Gestern haben der deutsche Fernsehsender NDR und die Süddeutsche Zeitung enthüllt, dass die Briten den Datenverkehr von total 14 Unterseekabeln abzapfen, speichern und analysieren. Dies geht aus Dokumenten hervor, die der Whistleblower Edward Snowden nun veröffentlicht hat. Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Briten "nur" Zugriff auf eines der Unterseekabel hätten.
Über Grossbritannien läuft ein rechter Teil des Datenverkehrs aus der Schweiz, auch jener von und nach Irland, wo es - um nur zwei Beispiele zu nennen - grosse Rechenzentren von Microsoft, das Aufspalten und Ableiten von Lichtsignalen, einfach zu bewerkstelligen.
Selbst der Datenverkehr zwischen Europa (und also auch der Schweiz) und Asien wird zum Teil über Grossbritannien geleitet. So haben die Briten gemäss NDR auch das Glasfaserkabel Sea-Me-We-3, das nach Asien geht, angezapft-
Wie der NDR berichtet, speichert das GCHQ alle Metadaten für 30 Tage und Inhalte für drei Tage. Man kann wohl davon ausgehen, dass der Geheimdienst versucht, den Datenverkehr und Telefongespräche nach bestimmten Schlüsselbegriffen zu durchsuchen. Ausserdem versucht man offenbar, die riesigen Datenmengen zu filtern - zum Beispiel den Datenverkehr von und nach Iran zu isolieren.
BT, Vodafone, Interoute, Level-3, Viatel, Verizon
Mindestens sechs Firmen helfen dem GCHQ, die Datenströme abzufangen und zu analysieren, wie Snowden gemäss der 'Süddeutschen Zeitung' enthüllt hat: BT, Level-3, Viatel, Interoute, Verizon und Vodafone. BT ist in der Schweiz zusammen mit Swisscom auch als Outsourcer erfolgreich tätig und betreut zum Beispiel die Netzwerke von Credit Suisse
Wie Fredy Künzler, als Gründer des Providers Init7 und der Internet-Austausch-Plattform SwissIX einer der besten Kenner der Schweizer Internetinfrastruktur, sagt, kaufen nur wenige Schweizer Provider direkt Transportkapazitäten bei den Betreibern von Unterseekabeln ein. Zu diesen Providern gehört Swisscom. Der grösste Schweizer Internet-Dienstleister terminiert den Grossteil seines internationalen Datenverkehrs bei der Belgacom-Tochter Bics Europe, wie Swisscom-Sprecher Olaf Schulze sagt. Diese wiederum ist an vielen Glasfaserkabeln beteiligt, von denen manche über Grossbritannien laufen. So zum Beispiel das Unterseekabel TAT-14 und zwei Kabel namens FLAG Atlantic und Apollo. Andere Kabel, an denen Bics Europe beteiligt ist, gehen von Frankreich aus ins Meer, ein weiteres (ERMC) verläuft von Frankfurt über Russland nach Hongkong. Init7 kauft Transportkapazität auf AC-1 von Level-3 (wird abgehört, Level-3 arbeitet mit GCHQ zusammen) und AC-2 (landet ebenfalls in Grossbritannien).
Nur Verschlüsselung hilft
Wirklich schockieren kann die Enthüllung von Snowden nicht, denn man ist schon lange davon ausgegangen, dass der gesamte Internet-Verkehr von verschiedenen Geheimdiensten abgehört und analysiert wird. Schliesslich machen die Schweizer Geheimdienste dies ja seit Jahren mit dem Datenverkehr, der nicht über Glasfasern sondern über Satelliten geleitet wird. Und dass die Anlandepunkte von Glasfasern ein idealer Ort sind, um Daten abzuschöpfen, liegt auf der Hand.
Wer verhindern will, dass seine Kommunikation von fremden Maschinen mitgelesen und analysiert wird, hat nur zwei Möglichkeiten. Entweder auf elektronischen Datenübermittlung über öffentliche Netze zu verzichten oder die Kommunikation komplett zu verschlüsseln. Zum Beispiel mit Layer 2 Verschlüsslern. Kein Wunder, stossen die Marktübersichten unseres Gastautors Christoph Jaggi, immer wieder und über lange Jahre hinweg auf grosses Interesse. (Christoph Hugenschmidt)
(Dieser Artikel wurde um 16:30 mit zusätzlichen Angaben zu Swisscom ergänzt.)

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